Wissen ist Matt

Foto: Dithmarscher/chessbase.de
Mehr als 4 500 Reklamebotschaften prasseln jeden Tag durchschnittlich auf einen Deutschen ein. Die wenigsten davon bleiben im Gedächtnis »kleben«. Ganz im Gegenteil: Sie verursachen eher Ohrschmerzen. Der Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft (GWW) spricht von einem „kollektiven Werbe-Tinnitus“, dem der Konsument ausgesetzt ist. Wer sein Produkt oder seine Dienstleistung erfolgreich anpreisen möchte, muss also viel Geld in die Hand nehmen, um im Wettschreien um Aufmerksamkeit überhaupt gehört zu werden.

Wie man auch mit einem vergleichsweise kleinen Budget eine große Wirkung erzielt, macht gerade die Dithmarscher Privatbrauerei vor. Sie wirbt auf Plakaten rund um Hamburg für ihr Bier mit einem Schachmotiv. Der Slogan dazu lautet „Jeder Zug ein guter“. Das Problem: Bei dem Schachspiel haben sich einige Fehler eingeschlichen, die die Internetseite ChessBase genüsslich auflistet:

  • 1. Das Brett ist um 90 Grad verdreht.
  • 2. König und Dame sind vertauscht.
  • 3. Weiß hat einen Doppelbauer auf der D-Linie. Das kann aber nur sein, wenn Weiß bereits einen schwarzen Stein geschlagen hat. Allerdings sind alle schwarzen Figuren noch auf dem Brett.
  • 4. Der Fehler hat sich auch auf der schwarzen Seite eingeschlichen. Hier steht der Doppelbauer auf der c-Linie.
  • Auch wenn der Fehler ärgerlich ist, ist er eigentlich das Beste, was der Brauerei passieren konnte. Die Pressesprecherin bestätigt auf Nachfrage von zuspieler.de, dass man mit einer Werbung noch nie so viele Kundenkontakte hatte. Allerdings scheinen sich nicht alle im Unternehmen darüber zu freuen. Da einige Verantwortliche das Missgeschick anscheinend am liebsten unter den Teppich kehren möchten, will die Pressesprecherin partout kein Foto des Werbeplakats versenden. Seltsam, wo das Ziel von Werbung doch sein sollte, möglichst viele Menschen zu erreichen. Sie will auch nicht verraten, welche Agentur für die Kampagne zuständig ist.

    Mehr als nur ein Bauernopfer

    Neben der Brauerei sorgt auch das Bundesministerium für Arbeit (BMSA) bei Schachfreunden für Irritationen. Es wirbt mit einem Bild von Schachfiguren, in dem Text darunter dreht sich alles um Hilfe für Opfer von Gewalttaten.

    Foto: BMSA

    Was der Text mit Schach zu tun hat, erschließt sich nicht nur der zuspieler.de-Redaktion nicht direkt. Ein Mitarbeiter von schach-welt.de hat deshalb beim BMSA nachgefragt und erhielt folgende Antwort:

    "Viel wichtiger ist es bei sehr sensiblen Themen […] ein Foto oder eine Grafik zu finden, durch die betroffene Personen nicht diskriminiert werden oder […] durch die Darstellung einer Gewaltszene gar zur Nachahmung animiert werden. Aus dem Grund hatten wir uns entschieden, ein Bild mit Schachfiguren zu wählen, da gerade die Plötzlichkeit des Ereignisses – also das Schachstellen einer Figur – so manchen Spieler genauso überrascht wie das Opfer einer Gewalttat. Dennoch wissen Sie – besser als ich -, dass es genügend Abwehrmöglichkeiten im Schachspiel gibt, um den Schaden für die eigenen Figuren möglichst gering zu halten oder ein Schachmatt sogar zu verhindern. Das Gleiche gilt für die Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden. Mit einem wesentlichen Unterschied: Das Spiel für die geschlagene Schachfigur ist endgültig beendet. In der Realität aber gibt es Dank des Opferentschädigungsgesetzes für die Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden, eine Möglichkeit auf Entschädigung und Unterstützung […]."

    Klingt soweit logisch. Das BMS hat leider nur eines vergessen: Gute Werbung zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass sie im Kopf des Betrachters kleben bleibt, sondern, dass dieser sie auch auf den ersten Blick versteht, sonst verursacht sie nur Ohrschmerzen. Wie man es richtig macht, zeigt die Agentur „Grey Istanbul“ in ihrer Kampagne für das Bleichmittel ACE. Darin kämpft der Dreck gegen die Reinheit. Weiß gewinnt das Spiel und die Aufmerksamkeit der Kunden.

    Foto: ACE

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