Von der Rolle

Rollenspieler sind keine normalen Menschen. Sie sind Diebe, Schurken oder Monster. Sonderlinge eben, die süchtig sind nach Abenteuern in Traumwelten. Sie sind verrückt und potenzielle Amokläufer. So ist zumindest das Klischee, das viele Medien über Rollenspieler verbreiten. Michael Schilhansel zeigt in seinem 50-minütigem Film "Nur ein Spiel", das dem nicht so ist. "Statt das obligatorische Thema Amoklauf mit in den Film zu nehmen, entschloss ich mich nach den Vorläufern der Computerspiele zu suchen”, schreibt der Regisseur auf der Facebook-Seite des Films. Er besuchte Live-Rollenspieler die auf einer Burg Fantasiewelten zum Leben erwecken sowie Pen-&-Paper-Rollenspieler. Letztere erleben Abenteuer nur in ihrem Kopf und kämpfen mit Würfeln statt mit Holzschwertern. “Ich fand beide Gruppen geeignet, die Grundlagen des Rollenspieles so zu erklären, dass sie auch Nichtspieler verstehen", sagt Schilhansel.

TV-Sender ignorieren die Dokumentation

Anders als oft im Fernsehen üblich, wollte Schilhansel keine Freaks zeigen, die von Verwahrlosung, Gewalt und Sucht bedroht sind.

“Das ist nicht schlimm, oder schlecht, muss man aber als solches erkennen und dementsprechend auch einordnen. “Nur ein Spiel” ist daher der Blick auf die tollen Seiten des Rollenspiels in all seinen Facetten und viel weniger kritische Auseinandersetzung mit einem Thema, das vielleicht bisher zu heiß gekocht wurde.”
Paul auf babbel-net.com

Schilhansel wollte seine Dokumentation ans Fernsehen verkaufen. Die Verantwortlichen hatten aber kein Interesse daran. "Als ich den fertigen Film den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern vorstellte, war ich überrascht, wie sehr diese (immer noch) nur den Boulevardstandpunkt einnehmen konnten. Inzwischen denke ich, dass sie es tatsächlich als ihren Bildungsauftrag ansehen, das Computerspielen pauschal zu stigmatisieren und so die Jugend vor Unheil zu bewahren, sagt der Berliner. Sein Werk hat der freiberuliche Filmemacher deshalb im Internet veröffentlicht.

Wohin gehen wir, wenn wir träumen?

Die Dokumentation beginnt mit einer Szene, die (fast) jeder kennt. Eine Mutter erzählt ihrem Sohn eine Gute-Nacht-Geschichte. Das Märchen endet mit den Worten: "Der König sandte seine Boten in alle Reiche und ließ die Weisesten im Land suchen, um endliche die Antwort auf seine Frage zu finden. Wohin gehen wir, wenn wir träumen?" Schilhansel trifft in seinem Film unterschiedliche Menschen, die darüber sprechen.

"Die Hauptschwierigkeit bei der Darstellung der Live-Rollenspieler fand ich, dass diese nicht für ein Publikum oder eine Kamera spielen, sondern für sich selbst. Sie sind Darsteller und Publikum zugleich. Wir zeigen deshalb im Film vor allem Interviews und Bilder, die die Atmosphäre einer solchen Veranstaltung vermitteln sollen", erklärt Schilhansel. Die packenden Bilder und interessanten Antworten der Protagonisten machen dem Zuschauer während dieses ersten Teils des Films Lust auf mehr.

Der zweite Abschnitt ist mit fünf Minuten der kürzeste der viert Teile. Der Regisseur besucht darin eine Gruppe Pen-Paper-Rollenspieler, die um die 50 Jahre sind. Anschließnd widmet sich Schilhansel Computerrollenspielen. Einer 46-jährigen Mutter, erzählt warum sie von der Spielereihe Gothic genauso begeistert ist wie ihr 13-jähriger Sohn. Der Blick hinter die Kulissen bei den Entwicklern und Programmieren des Spiels ist interessant, bringt aber einen Perspektivwechsel in den Film. Plötzlich stehen die Schöpfer der Traumwelten im Mittelpunkt und nicht mehr die Spieler selbst.

Im letzten Kapitel des Films spricht Schilhansel mit Vielspielern von World of Warcraft. Das Computerspiel zocken Interessierte gleichzeitig zusammen über das Internet. Einige Psychologen warnen in den klassischen Medien davor, dass dieses Spiel süchtig machen &könne. “Ich wollte dem Thema keine zentrale Rolle im Film einräumen, denn je nachdem welche Studie man zitiert, sind drei bis maximal zehn Prozent der Spieler suchtgefährdet. Ich wollte meine Betrachtung auf die 90 bis 97 Prozent konzentrieren, die nicht süchtig sind”, sagt Schilhansel. Trotzdem traf sich mit der damaligen Leiterin der Suchtabteilung der Berliner Charité.

Der Film endet mit der Frage: Was ist die Wirklichkeit? Eine mögliche Antwort: "Die Welt ist so wirklich, wie der Spieler sie macht." In diesem Sinne Vorhang auf:


Danke an Marc von siedeln.de für den Hinweis auf die Dokumentation.

Tipps zum Weiterlesen und -spielen:


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Ein Kommentar zu “Von der Rolle

  1. Schöne Doku mit tollen Bildern und sympathischen Leuten. Vielen Dank fürs Zeigen, Sebastian!

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