Vom Kaffeehaus ins Zuhause

Foto: Studio Formafantasma
Das perfekte Souvenir des 21. Jahrhunderts ist ein Kartenspiel. Dieser Meinung sind zumindest die Tourismus-Verantwortlichen von Wien. Eine Jury kürte die Spielkarten des italienischen Studios Formafantasma zum Sieger des Design-Wettbewerbs „European Home Run“. Den Publikumspreis gewannen die Aufspring-Sehenswürdigkeiten des Spaniers Héctor Serrano.

WienTourismus suchte mit dem Wettbewerb ein Souvenir, das Touristen das gewünschte Erscheinungsbild der Stadt geschmackvoll vermittelt – ohne dabei das Lokalkolorit zu vernachlässigen. Außerdem wichtig war, dass das Souvenir sich leicht transportieren lässt. Kuratorin Lilli Hollein: „Souvenirs haben meist einen historischen Kern, ihre Botschaft muss einfach und eindeutig sein und emotional nachvollziehbar für ein breites Publikum. All dies in ein zeitgenössisches Kleid zu packen ist keine einfache Übung.“

„Die Spielkarten der Italiener Andrea Trimarchi und Simone Farresin greifen das Kartenspielen als beinahe auf der ganzen Welt verbreitete Freizeitbeschäftigung mit starken regionalen Ausprägungen auf – und Wien ist dabei allgegenwärtig. Mit dem Kartenspielen wurde eine noch heute gepflegte historische Tradition in Wiener Kaffeehäusern thematisiert. Die Symbole auf den Karten vermitteln zusätzlich anschaulich Wiens Geschichte“, schreibt die Jury in ihrer Urteilsbegründung.

Kellner als Joker

Die Box zeigt außen einen Wien-Stempel und innen das Dachmuster des Stephansdoms. Die Karten umhüllt ein Plakat mit einem von Josef Hoffmann entworfenen Muster. Außerdem werden die Anspielungen auf Wien erklärt. Die Farbe Kreuz ist dem Rohrgeflecht des Thonet Stuhls Nummer 14 nachempfunden. Michael Thonet war laut Wikipedia ein deutscher Tischlermeister und Gründer der Gebrüder Thonet Bugholzmöbel-Fabrik aus Wien. Er gilt als Pionier der Möbelproduktion und des Möbeldesigns. Karo verweist auf das wiederkehrende quadratische Motiv im Werk des Architekten Josef Hoffmanns. Die Farbe Herz ist fast zur Gänze Adolf Loos gewidmet, einem der Wegbereiter der modernen Architektur. Die Joker sind Kaffeehaus-Kellner, von denen einer den typischen Meinl-Fes trägt. Die Karten-Rückseiten greifen die Fassade der Österreichischen Postsparkasse von Otto Wagner auf.

Das Studio Formafantasma sitzt in Eindhoven. Auftraggebern sind Hersteller und Händler von Designer-Stücken wie der italienische Lederspezialist Fendi oder die Firma Droog Design. Im „Rolling Stone“-Magazin reihten Design-Experten Formafantasma unter die zwanzig „most promising young design studios 2011“.

Foto: Studio Formafantasma

Hintergrund: WienTourismus möchte Wien als Stadt präsentieren, in der Schönheit und Tradition nicht nur auf die Vergangenheit verweisen, sondern sich sehr lebendig in der Gegenwart weiterentwickeln. Doch im Angebot an Wien-Souvenirs war davon kaum etwas zu bemerken. Um Abhilfe zu schaffen, lud WienTourismus in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien zu einem Design-Wettbewerb ein. Warum nur ausländische Designer eingeladen waren? „Wien-Souvenirs werden vorwiegend von ausländischen Gästen gekauft. Der Wettbewerb wurde daher in sechs von Wiens europäischen Hauptherkunftsländern ausgeschrieben, denn es sollte die aktuelle Interpretation eines Souvenirs gefunden werden, das Wien als kreative Stadt des 21. Jahrhunderts aus europäischem Blickwinkel abbildet. Auch sollte jeglicher Eindruck eines Heimvorteils vermieden werden“, schreiben die Organisatoren des Wettbewerbs im Internet.

Zur Entscheidung, welche Souvenir als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgehen und produziert werden sollen, wurden die eingereichten Prototypen Experten und dem Publikum präsentiert. Die Fachjury war besetzt mit Alice Rawsthorn, Design-Kritikerin der „International Herald Tribune“ aus London, Ewa Esterhazy, Geschäftsführerin des MAK Design Shop in Wien, Galit Gaon, Chefkuratorin des Design Museums in Holon/Israel, dem Wiener Designer und Architekten Gregor Eichinger, sowie Tourismusdirektor Norbert Kettner. Er ist zufrieden mit der Aktion: „Der European Home Run war eine höchst effiziente Marketing-Aktion, die sehr viel Aufmerksamkeit für unsere Destination bewirkt hat.“

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