Videokonferenz am Spieltisch

In den 60er- und 70er-Jahren gab es eine Fernsehsendung mit dem Titel “Spiel ohne Grenzen”. Mehrere Teams aus unterschiedlichen europäischen Ländern traten gegeneinander an, um sich in verschiedenen Spielen sportlich zu messen. Heute verbinden die meisten Menschen mit dem Begriff “Spiel ohne Grenzen” etwas anderes: Das Internet verbindet Spieler aus Amerika, Afrika und Asien. Sie pokern um echtes Geld, tauschen bei der Online-Variante von “Die Siedler von Catan” Erz gegen Lehm oder entspannen bei einer Runde Kniffel. Die Spiele haben allerdings meistens einen Nachteil: Die Teilnehmer sind ein bisschen wie die drei Affen. Sie können sich meistens nicht sehen, nicht hören und auch nichts sagen – zumindest nicht direkt, sondern meistens nur über die Tastatur. Das von der EU geförderten Projekt “Together Anywhere, Together Anytime” (TA2) soll das ändern.

Exakt 13 Partner aus sieben Ländern wollen neue Technologien und Konzepte entwickeln, um die Kommunikation von Gruppen via Internet zu verbessern. Davon profitieren in Zukunft eventuell auch Spieler. Ziel ist es, eine möglichst natürliche Situation zu erzeugen, so als ob weit entfernte Mitspieler am Tisch säßen. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen liefert die die Audio- und Videokomponenten des Systems und präsentierte sie auf der IFA 2010 dem Publikum. Was die Technik bereits kann, zeigt dieses Video:

Fast ohne Verzögerung

Kernstück für den guten Ton ist der MPEG-Audiocodec »Enhanced Low Delay AAC«. Er garantiere HiFi-Klangqualität bei niedrigen Datenraten und Verzögerungszeiten, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein Echounterdrücker beseitige störenden Widerhall. So könnten sich Benutzer frei im Raum ohne Kopfhörer und Mikrofon bewegen. Damit die Spieler sehen, was ihr Gegenüber treibt, setzen die Forscher auf eine spezielle Videotechnik.

"Bisherige Lösungen haben entweder eine große Codierverzögerung und sind damit für Kommunikation nicht geeignet, oder sie besitzen eine niedrige Verzögerung und sind auf teure Spezialhardware oder hohe Datenraten angewiesen", sagt Dr. Nikolaus Färber, Projektleiter Videokommunikation am Fraunhofer IIS. »Unsere Lösung bietet eine sehr niedrige Verzögerung, basiert auf PC-Hardware und arbeitet bei Datenraten, wie sie für DSL-Leitungen teilweise heute schon üblich sind.« Möglich sei dies durch die Kombination einer speziell optimierten Version des Videocodecs H.264 und einer eigenentwickelten PC-Karte für die Bilderfassung. Zusammen ermöglichten beide Komponenten HD-Video in bester Qualität bei einer Verzögerung von unter 100 Millisekunden. Das sei so gering, dass sie die Nutzer nicht wahrnehmen.

"Die Kommunikation ist so natürlich, dass Personen tatsächlich das Gefühl haben, im selben Raum zu sein – egal ob sie ein Spiel spielen oder sich einfach nur unterhalten.”

Ian Kegel, Forschungsgruppenleiter bei BT Innovate & Design und Technologiemanager im TA2-Projekt

Wer sich für die technischen Details der Lösung interessiert, dem empfehle ich das Video-Interview von golem.de mit Matthias Rose vom Fraunhofer-Institut:

Tipps zum Weiterlesen und -sehen


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