Verspielte Café-Gäste gesucht

Foto: Sebastian Wenzel
Am 29. Juli eröffnet Jürgen Kerber einen Superlativ: das „Kaffee Spielewerkstatt“ in Berlin-Schöneberg. Dort stapeln sich über 2.500 Brett- und Kartenspiele in den Regalen. Kerber wird dann eines der größten Spielecafés der Welt besitzen – zumindest, was die Auswahl an Gesellschaftsspielen betrifft.

Hinweis: Der Artikel erschien auch in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung.

Mit Spielen kennt Kerber sich aus. Sie sind seine Leidenschaft und sein Beruf. Der 55-Jährige ist Spielpädagoge und leitete von 2004 bis 2010 ein Spielefachgeschäft in der deutschen Hauptstadt. Das Gastgewerbe ist für ihn Neuland. Trotzdem ist er zuversichtlich. Das hat zwei Gründe: Erstens gibt es an der Spree bereits ein Café mit einem ähnlichen Konzept, die Spielwiese Berlin in Friedrichshain. Am Wochenende sind dort alle Tische besetzt und auch unter der Woche ist der Laden gut besucht. Kerber ist sich sicher: „Berlin ist groß genug für zwei verspielte Cafés.“ Zweitens hält sich sein unternehmerisches Risiko in Grenzen. Kerber investierte nur etwa tausend Euro in seinen Superlativ. Das komplette Inventar besaß er bereits: Tische, Stühle, Regale sowie Spiele hatte der Gastronomie-Quereinsteiger schon als Fachhändler. Und der Eigentümer des Gebäudes in der Martin-Luther-Straße 84 war von Kerbers Plänen so begeistert, dass er den kompletten Umbau bezahlte. „Das war wie ein Sechser im Lotto“, sagt Kerber. Der Unternehmer hat die Räume für fünf Jahre gepachtet – inklusive einer Option auf fünf weitere Jahre. Sein Motto lautet: „Gesellschaftsspiele sind ein Kulturgut. Essen und Trinken sind ebenfalls Kulturgüter. Ich will alle diese Kulturgüter verbinden“.

Spielepauschale: drei Euro

Auf der Speisekarte der Spielewerkstatt stehen unter anderem heiße Käsesandwichs (2,90 Euro), Wiener mit Kartoffelsalat (3,50 Euro) oder hausgemachtes Tsatsiki mit Knoblauch und Brötchen (ebenfalls 3,50 Euro). Zum Nachtisch gibt’s Waffeln mit Puderzucker (1,90 Euro) und warmen Apfelstrudel mit Vanillesauce und Sahne (3,40 Euro). Ab Herbst soll es zusätzlich einen Mittagstisch geben – mit Flammkuchen, hausgemachtem Risotto oder Nudeln. Auf der Getränkekarte stehen neben Weinen (0,2 Liter ab 3,30 Euro) auch Flaschenbiere sowie Kaffee- und Teespezialitäten. Fürs Spielen bezahlen die Gäste einmalig eine Gebühr von drei Euro. Für diesen Preis können sie so lange und so viele verschiedene Spiele ausprobieren wie sie wollen.

Keber ist sich bewusst, dass sein Konzept ungewöhnlich ist und erklärt werden muss. Um den Besuchern die Berührungsängste zu nehmen, sollen auf den Tischen kleine Knobelspiele liegen. Kerber nennt sie Eisbrecherspiele. „Die Gäste nehmen diese automatisch in die Hand und fangen an, damit zu spielen. So sind sie beschäftigt und können in unserem Café ankommen. Außerdem senken Eisbrecherspiele die Spiele-Hemmschwelle, denn das ist leider für viele Menschen immer noch vermeintlicher Kinderkram“, sagt Kerber. Dabei sind Gesellschaftsspiele auch in Zeiten von Smartphones und Playstation beliebt. Im vergangenen Jahr machte die Gesellschaftsspiele-Branche einen Umsatz von etwa 350 Millionen Euro.

Vier Säulen als Geschäftsmodell

Kerber will von der Spielleidenschaft der Deutschen profitieren. Sein Geschäftsmodell ruht auf vier Säulen. Erstens sollen die Gäste in seinem Café vor Ort spielen. Zweitens können Interessierte die Spiele kaufen. Drittens können die Besucher diese ausleihen. Das kostet pro Tag 2,50 Euro für ein Brettspiel und einen Euro für Kartenspiele. Außerdem im Angebot sind Freiluftspiele. Die sind für die Sonnenanbeter im Wartburgpark gedacht, der direkt gegenüber des Cafés liegt. Vierte Säule ist die Kooperation mit Schulen. Kerber arbeitet schon länger als Spielpädagoge mit Schulen im Wedding zusammen. Nun möchte er auch in Schöneberg, dem Standort seines Cafés, mit Bildungseinrichtungen kooperieren. In der Nähe seines Ladens gibt es mehrere Grundschulen und eine Erzieher-Fachschule. Kerbers Plan: Einzelne Klassen sollen schon bald zusammen mit Lehrern vormittags in sein Café kommen. Genau wie im Wedding sollen die Kinder dort ganz spielerisch lernen, sich an Regeln zu halten und miteinander zu kommunizieren. Aus diesem Grund ist das Café für andere Gäste auch erst ab 14:00 Uhr geöffnet. Willkommen sind ab dann alle, die gerne spielen. „Ich vermute allerdings, dass die meisten Besucher zwischen 20 und 40 Jahren alt sein werden“, sagt Kerber.

Um sein Café bekannt zu machen, setzt er auf das Internet und Mund-zu-Mund-Propaganda. In den privaten Spielekreisen der Stadt hat er schon für sich geworben. In seinem E-Mailverteiler aus Händlerzeiten hat er außerdem über 450 Adressen von spielebegeisterten Berlinern gespeichert. Zusätzlich unterstützt ihn der Deutsch-Türkische Radiosender „Metropol FM“. Mit diesem hat Kerber die Kampagne „Spielen macht stark!“ ins Leben gerufen. Der Gastronom weiß, dass der Sommer nicht die beste Spielezeit ist. „Aber spätestens ab Herbst gehe ich davon aus, dass die Tische voll sind“, sagt er. Neben ihm werden auch vier bis fünf Aushilfen in dem Laden arbeiten. Die Mitarbeiter sollen nicht nur Bestellungen entgegen nehmen, sondern den Gästen auch Brett- und Kartenspiele empfehlen. „Die Regeln erklären wir allerdings nicht. Dafür bleibt neben dem Servieren keine Zeit“, sagt Kerber. Außerdem wäre es wahrscheinlich auch etwas zu viel verlangt, wenn die Mitarbeiter die Regeln von allen 2.500 Spielen auswendig können müssten.

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Ein Kommentar zu “Verspielte Café-Gäste gesucht

  1. Da die Spielewerkstatt schon um 21 Uhr die Tore schliesst, haben wir es bis jetzt noch nicht besucht. Unsere Spieletreffen fangen meistens so gegen 19 Uhr an. Das würde eine Bruttospielzeit von 2 Stunden bedeuten. Eindeutig zu wenig. Schon ein Brügge inkl. Regelerklärung würde z.B. wahrscheinlich den Rahmen sprengen…..schade

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