Verlage raus, Ordnung rein

Foto: Sebatian Wenzel
Wer im Warenhaus ein Gesellschaftsspiel sucht, der hat oft nicht ein, sondern gleich mehrere Bretter vor dem Kopf. In zahlreichen Regalen stapeln sich da Klassiker wie Monopoly, Spiele des Jahres wie Die Siedler von Catan und (ab und zu auch) einige Neuheiten. Alle, die das Angebot überfordert, haben Pech. Die potenziellen Spiele-Käufer müssen sich viel zu oft alleine orientieren. Und selbst wenn zufällig ein Verkäufer den Weg kreuzt, ist kompetente Unterstützung nicht garantiert. Immer wieder kommt es vor, dass die Angestellten in großen Warenhäusern ihre eigenen Produkte nicht kennen. Orientierung bietet dann nur ein Blick auf die Schachtelrückseiten oder eventuell rund um Weihnachten ein externer Mitarbeiter, den Verlage direkt bezahlen.

Seltsam, dass die Verantwortlichen ihre Kunden nicht an die Hand nehmen. Immerhin kaufen die Deutschen laut einer Umfrage der NPD Group Europe etwa 14 Prozent aller Spielwaren, wozu auch Brett- und Kartenspiele gehören, in Warenhäuser. Doch es besteht Hoffnung. So langsam scheinen die Manager umzudenken, wie sich am Beispiel Galeria Kaufhof zeigt. Der Konzern ist einer der großen Branche mit über 100 Filialen in ganz Deutschland.

Vor etwa einem Jahr änderten die Verantwortlichen die Präsentation von Spielen. Während Gesellschaftsspiele früher nach Verlagen sortiert wurden, sind sie heute nach Kategorien geordnet. Da gibt es zum Beispiel Partyspiele, Logikspiele oder Bau- und Legespiele, Mitbringspiele, Kartenspiele, Familienspiele und Erwachsenenspiele. Eigentlich eine gute Sache, die aber so ihre Tücken hat.

  • Erstens sind die Übergänge zwischen den Kategorien fließend. Was genau unterscheidet ein Familienspiel von einem Erwachsenenspiel?
  • Zweitens gibt es Spiele, die in mehrere Kategorien passen. Phase 10 ist zum Beispiel ein Kartenspiel, ein Mitbringspiel und ein Familienspiel.

Die Verantwortlichen sind sich der Problematik bewusst. Keltis fanden Interessierte im Sommer 2011 im Kaufhof Berlin Alexanderplatz unter Bau- und Legespielen. Carcassonne unter Erwachsenenspiele. Warum? Wolfgang Höger, Category Manager Spielwaren von Galeria Kaufhof, antwortet auf zuspieler.de-Anfrage: "Das kann nur ein Versehen sein. Beides sind aus unserer Sicht Familienspiele. Wir werden das überprüfen." Die Aussage ist richtig, aber trotzdem ist und bleibt Carcassonne auch ein Legespiel.

Die Siedler von Catan: Familien- oder Erwachsenenspiel?

Weitere verwirrende Beispiele: Munchkin ist unter Mitbringspiele einsortiert. Wenn man nur die Größer der Verpackung und den Preis als Merkmal für ein Mitbringspiel als Maßstab heranzieht, mag dieser Regalplatz sogar goldrichtig sein. Munchkin ist aber bestimmt kein geeignetes Mitbringspiel für die ganze Familie oder zwei kleine Jungs. Siedler von Catan ist dagegen für die Verantwortlichen ein Erwachsenen- und kein Familienspiel. Wer legt also fest, wo welches Spiel platziert wird? Höger: "Das entscheidet ein unternehmensinternes Team aus Einkauf und Verkauf. Die jeweiligen Eingruppierungen werden dann nach einigen Monaten nochmals diskutiert und überprüft." Hoffen wir, dass die Verantwortlichen in Zukunft dabei ein glücklicheres Händchen beweisen als in der Vergangenheit.

Auch wenn die momentane Präsentation bei Kaufhof nicht ganz glücklich ist, ist sie ein Schritt in die richtige Richtung, hin zu mehr Kundenfreundlichkeit. Menschen kennen ähnliche Sortierungen aus anderen Abteilungen. Bücher und Filme ordnen Warenhäuser meistens nach Genres, nicht nach Verlagen oder Produktionsfirmen. Das sollte auch bei Spielen Schule machen. "In der Regel kommen die Kunden in die Filiale mit klaren Wünschen, zum Beispiel nach einem Spiel für ein Kind in einem bestimmten Alter oder nach einem Spiel für einen Familienabend. Durch unser Vorwahlsystem können sie sich vor dem Beratungsgespräch selbst orientieren. Die gestiegenen Abverkäufe zeigen, dass die Neuordnung bei unseren Kunden gut ankommt", sagt Höger. Von einer durchdachten Sortierung profitieren so letztendlich alle. Das Warenhaus und die Verlage freuen sich über höhere Umsätze und die Käufer über neue Spiele, die sie im Regal entdeckt haben.

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Ein Kommentar zu “Verlage raus, Ordnung rein

  1. Das finde ich aber auch für die heimische Spielesammlung eine interessante Frage, nach was ich sortieren, sollte sich der vorgesehene Raum denn tatsächlich in ferner (oder hoffentlich naher..) Zukunft vom Raum der Wünsche in ein Spielzimmer verwandeln. Wonach sortieren und dann auch finden – oder mal Besuch in den Keller schicken mit dem berühmten: Dann such Du halt mal ein Spiel aus. Na mal sehen, wann es so weit sein wird und wie ich mich dann im Endeffekt entscheide.. alles ist natürlich besser als Dutzende (nur um das wahre Ausmaß mal zu verschleiern….) Spiele in Umzugskisten gefercht zu stapeln..

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