Tödliches Spielzeug

Diese laotischen Kinder nutzen eine Bombenhülle als Spielzeug. Foto: T. West/Handicap International

Ein falscher Griff beim Spielen kann alles verändern. Dann explodiert die Welt und mit ihr die Zukunft. Landminen, Blindgänger und nicht explodierte Streubomben sind eine tödliche Gefahr. Sie bedrohen vor allem Kinder, denn oft sehen die Kriegsüberbleibsel aus wie Spielsachen: klein, interessant und bunt. „Es sind rechteckige hölzerne Kistchen von der Größe eines Malkastens für Kinder. Andere haben eine flügelartige Form und werden verniedlichend Schmetterling genannt. In den Behältern befinden sich rund 200 Gramm Sprengstoff und ein Zünder, der selbst auf kleinste Erschütterungen reagiert. Die leichte Berührung durch eine Kinderhand reicht aus. Sie reißen dir das Bein weg bis zum Knie“, sagt David Key von der britischen Hilfsorganisation Halo Trust. Jette Joop, Kinderbotschafterin des Deutschen Roten Kreuzes, ist darüber empört:

"Mit Kriegsführung haben Landminen nichts zu tun. Sie richten sich selten gegen militärische Ziele. 90 Prozent der Opfer sind Zivilpersonen. Kinder halten Minen und Blindgänger oft für Spielzeug und verletzen sich daran."

“Symbol- statt Schlagkraft”

In Deutschland machen Organisationen wie Unicef auf die Schicksale von Kindern aufmerksam. Das ist zum Beispiel der sechs Jahre alte Chhorn Na aus Kambodscha. Er verlor nach einer Minenexplosion das Bewusstsein. So musste er nicht sein zerfetztes Bein im Gras liegen sehen, nicht die blutigen Knochensplitter, die aus der Wunde ragten. Ein Nachbar, der am Hügel Bambus schnitt, hörte die Explosion und trug ihn nach Hause. Die Mutter brachte ihr Kind ins Krankenhaus. Dort wurde sein linkes Bein knapp unter dem Knie amputiert. Inzwischen läuft er wieder – mit einer Prothese.

Das macht Hoffnung, genauso wie der erfolgreiche Kampf mehrere Organisationen für ein Verbot von Streubomben. Der Bann ist im Oslovertrag geregelt, der am 1. August 2010 in Kraft trat. Staaten, die den Vertrag unterschrieben haben müssen ihre Streubomben innerhalb von acht Jahren zerstören. Laut Cluster Munition Coalition haben sieben Länder, ihre Vorräte an Streumunition bereits zerstört. In mindestens elf anderen Staaten, darunter Deutschland, sei die Vernichtung im Gange. Nicht alle Staaten sind so weit:

"Die Militärmächte USA, China und Russland weigern sich, ebenso wie Israel, Pakistan oder Indien, die Notwendigkeit eines Verbots überhaupt anzuerkennen. Die einen sind die weltweit größten Hersteller von Streumunition, in ihren Arsenalen lagern Millionen Einheiten der gefährlichen Waffe. Auf dem Gebiet der anderen schwelen langjährige Kriege oder Konflikte. So lange diese Länder nicht mitziehen, hat der Vertrag statt Schlag- höchstens Symbolkraft. Was einen verzweifeln lässt, ist aber nicht nur die Machtlosigkeit der Vereinten Nationen gegenüber solchen Weigerungen. Es ist auch die Schamlosigkeit eines Landes wie den USA: Im Juni diesen Jahres kamen bei einem Angriff auf Terroristen im Jemen Dutzende Frauen und Kinder durch Streubomben ums Leben. Der Angriff geht aufs Konto des gleichen Landes, dessen Präsident acht Monate zuvor voller Stolz den Friedensnobelpreis entgegen nahm", kommentiert Anneke Quasdorf in der Zeitung "Neue Westfälische".

Aktionsbündnis landmine.de erfolgreich

Phoas aus Kambodscha ist auf eine Mine getreten und trägt eine Prothese. Foto: N. Moindrot/Handicap International
Besser sieht es beim Kampf gegen Landminen aus. Die Lausitzer Rundschau schreibt: "Hierzulande war es ein Aktionsbündnis aus 17 Organisationen, das sich vor 20 Jahren dem Kampf gegen diese Teufelswaffen verschrieben hat – gegen ihre Produktion in den Industriestaaten und ihre Verbreitung in die Dritte Welt. Nun erklärt das deutsche Aktionsbündnis landmine.de seine Auflösung wegen – man glaubt es kaum – Erfolges. Eine Bürgerinitiative, die gewonnen hat. Es gibt inzwischen weltweite Abkommen zur Ächtung beider Waffenarten, die Deutschland ratifiziert hat, nur noch drei Länder stellen Landminen her (Indien, Myanmar und Pakistan), und wegen der fortschreitenden Räumungen ist die Zahl der Opfer auf immer noch bittere 3.956 gesunken, die niedrigste Zahl seit Beginn der Zählungen. Das ist eine große Erfolgsgeschichte auch des politischen Engagements von Bürgern."

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