Spielwiese im Berliner Großstadtdschungel

Michael Schmitt mag keine Superlative. Dabei gehört ihm einer. Die Spielwiese in Berlin ist laut der Internetseite BoardGameGeek das zweitgrößte Spielecafé der Welt – zumindest was das Angebot an Brett- und Kartenspielen betrifft. Knapp 1.400 Schachteln stapeln sich hier in den Regalen. Nur ein Café in Frankreich präsentiert eine noch größere Auswahl.
Mitten im Szenekiez
Das Paradies für Spieler ist Moos-, Mai- und Tannengrün. Auf die weißen Wände haben Maler Gräser, Blumen und Halme gepinselt. Die Holzstühle sind in Minztönen lackiert. In der Spielwiese testen Autoren Prototypen, grübeln Vielspieler und zocken Jugendliche, die anschließend in Kneipen und Clubs weiterziehen. Das Café liegt in Berlin-Friedrichshain, in Laufweite der Simon-Dach-Straße. Mitten im Szenekiez. Am Wochenende besuchen im Schnitt etwa 60 Gäste pro Tag das Geschäft, unter der Woche 40. "Circa 70 bis 80 Prozent davon sind Gelegenheitsspieler", schätzt Schmitt.
Die Unternehmens-Idee tauchte im Kopf von Schmitt vor über 15 Jahren auf. Im Freibad träumte er davon. Doch erst hatte er wichtigere Dinge zu erledigen. Er ging in Vaterschaftsurlaub und zog seine Tochter groß. Schmitt lächelt, wenn er daran denkt. Privat hatte er seinen Traum verwirklicht, beruflich nicht. Jedes Mal wenn er auf dem Spielplatz saß, seine Tochter wippte und rutschte, schwamm sein Traum in seinem Kopf hin und her. "Kraule mit mir in ein neues Leben", rief er ihm zu. Und irgendwann sprang Schmitt ins kalte Wasser.
"Idee ist nicht finanzierbar"
Er schrieb einen Geschäftsplan und verhandelte mit Bankern. Ergebnislos. Seine Idee sei finanziell nicht tragbar. Außerdem habe man sowas ja noch nie gehört: ein Café für Brett- und Kartenspieler. Schmitt ließ sich davon nicht irritieren. Er opferte seine Altersvorsorge und eröffnete im Oktober 2006 die Spielwiese. "Die ersten zweieinhalb Jahre danach habe ich meine Familie so gut wie nicht gesehen. Das belastet. Aber ich habe mir das Ziel gesetzt, nach fünf Jahren die Wochenenden wieder frei zu haben – und ich bin auf einem guten Weg dahin", sagt Schmitt. Vier Angestellte arbeiten bereits für ihn. Es scheint, als ob der 40-Jährige sich bald auch seinen beruflichen Traum erfüllen wird.
Im Video-Interview mit zuspieler.de verrät Michael Schmitt, welche Gäste er verabscheut, wie viele seiner 1.400 Spiele er nicht erklären kann und worauf alle achten sollten, die ein Spielecafé eröffnen möchten.
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