Spielend Geld verdienen

Spielwiese Berlin. Foto: Sebastian Wenzel

Michael Schmitt mag keine Superlative. Dabei gehört ihm einer. Die Spielwiese in Berlin ist eines der größten Spielecafés der Welt – zumindest was das Angebot an Brett- und Kartenspielen betrifft. Über 1.400 Schachteln stapeln sich hier in den Regalen.

In der Spielwiese testen Spieleautoren ihre Ideen, grübeln Vielspieler und zocken Jugendliche, die anschließend in Kneipen und Clubs weiterziehen. Das Café liegt in Berlin-Friedrichshain, in Laufweite der Simon-Dach-Straße, mitten im Szenekiez. Am Wochenende besuchen im Schnitt etwa 60 Gäste pro Tag das Geschäft, unter der Woche 40. „Etwa 70 bis 80 Prozent davon sind Gelegenheitsspieler“, schätzt Schmitt.

Im Juni 2006 eröffnete der Berliner die Spielwiese. Davor schrieb er einen Geschäftsplan und verhandelte mit Bankern. Ergebnislos. Seine Idee sei finanziell nicht tragbar. Außerdem habe man so was noch nie gehört: ein Café für Brett- und Kartenspieler. Schmitt ließ sich nicht entmutigen. Er opferte seine Altersvorsorge und legte los. „Die ersten zweieinhalb Jahre nach der Neueröffnung waren hart. Ich habe meine Familie kaum gesehen“, sagt Schmitt. Inzwischen hat sich sein Café etabliert und Schmitt genießt mehr Freizeit. Vier Angestellte greifen ihm unter die Arme. Dienstags und mittwochs ist geschlossen. An den anderen Tagen ist von 14:00 bis 24:00 Uhr geöffnet. “Gesellschaftsspiele sind nach wie vor beliebt. Jedes Jahr erscheinen allein in Deutschland über 700 neue Brett- und Kartenspiele. Und die verstauben trotz der digitalen Konkurrenz nicht in den Regalen, sondern werden eifrig gekauft. Laut einer Studie spielen 74 Prozent der Familien im Schnitt mindestens eine Stunde pro Woche. Es kann sich also für Gastronomen durchaus lohnen, Spiele anzubieten”, sagt Schmidt.

Reiseführer empfehlen die Spielwiese

Besonders viel los ist an den Wochenenden. Dann sind die 32 Sitzplätze fast durchgehend belegt. Ohne Reservierung läuft nichts. Neben dem Duft von Waffeln schweben englische, spanische und französische Sprachfetzen durch die Luft. Zahlreiche Reiseführer empfehlen die Spielwiese. Auch bei Berlinern ist das Café bekannt, Lokalzeitungen berichten regelmäßig darüber.

Erwachsene und Jugendliche, die spielen wollen, zahlen pro Person eine Gebühr von drei Euro. Dafür dürfen sie so lange an einem Tisch sitzen, wie sie wollen und beliebig viele Spiele ausprobieren. „Meinen Gästen gefallen kommunikative Spiele besonders gut – wie zum Beispiel Hossa von Andrea Meyer, das bei BeWitched erschienen ist, Pictomania von Vlaada Chvátil, das Pegasus vertreibt oder der Klassiker Tabu von Brian Hersch, der bei Hasbro erschienen ist. In der Regel bleiben unsere Gäste etwa vier Stunden. Der Durchschnittsbon beträgt elf Euro“, sagt Schmitt. Um den Umsatz weiter zu steigern, organisiert der Unternehmer unterschiedliche Veranstaltungen. Er plant einen Abend, an dem sich Singles beim Spielen kennen lernen und veranstaltet Spieleturniere. Außerdem verleiht und verkauft Schmitt auch Gesellschaftsspiele. Etwa dreißig Prozent seines Gesamtumsatzes bringt der Verleih, cirka zwanzig Prozent der Verkauf. Für die restlichen fünfzig Prozent Umsatz sorgen die Café-Gäste.

Für eine Bionade-Flasche zahlen sie 2,00 Euro, für ein 0,4-Liter-Glas Cola 2,90 Euro und für ein Becks ebenfalls 2,00 Euro. Wer Hunger hat, bestellt sich entweder warme Toasts oder frische Waffeln. Schmitt serviert für 2,60 Euro zum Beispiel ein Brot mit Pesto, Schinken, Mozzarella und Tomaten. Waffeln mit Kirschen und Sahne kosten 1,70 Euro. Für den kleinen Appetit gibt’s Erdnüsse, Schokoriegel oder Studentenfutter.

Schmitt ist zufrieden. Nur eines macht ihm Sorgen. Da sein Laden so gut läuft, hat er kaum Zeit, neue Spiele auszuprobieren. Und das, obwohl seine Sammlung jedes Jahr dank der Unterstützung zahlreicher Verlage um neue Spiele wächst. Wenn das so weitergeht, besitzt Schmitt in Zukunft vielleicht nicht nur eines der größten, sondern sogar das größte Spielecafé der Welt.

Video-Interview mit Michael Schmitt

zuspieler.-de berichtete erstmalig 2010 über die Spielwiese. Hier findet Ihr unser Video-Interview von damals mit dem Inhaber Michael Schmitt.

Hinweis: Die Spielwiese Berlin veröffentlicht zuspieler.de-Videos auf ihrer Internetseite. Im Gegenzug blendet zuspieler.de seit 2011 zu Beginn der Videos das Logo der Spielwiese Berlin ein.

Der Artikel erschien erstmalig in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung.

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