“Spiele sind ein Spiegel der Zeit”

Dr. Reiner Knizia. Foto: Kosmos
Dr. Reiner Knizia gehört zu den weltweit kreativsten und erfolgreichsten Spieleerfindern. Mit über 500 veröffentlichten Spielen und Büchern in zahlreichen Ländern und Sprachen wurden seine Produkte allein bis 2009 über 15 Millionen Mal verkauft. Für Lego entwickelte der Autor das Spiel Ramses Pyramid. Schon als Kind spielte der gebürtige Bayer mit den Steinen aus Dänemark. Heute nutzt er sie zum Bau von Prototypen. Im Interview mit der Lego-Produktmanagerin Katharina Sasse spricht er über die Spielkultur in Deutschland, veränderte Anforderungen an Spiele und wagt einen Blick in die Zukunft.

Die Deutschen sind verrückt nach Karten und Würfeln. Warum ist gerade hierzulande die Spielkultur so ausgeprägt?
Deutschland hat eine ganz fantastische Spielkultur, weil dem gemeinsamen Spielen in der Familie ein hoher Wert beigemessen wird. Diese Wertschätzung wird von Generation zu Generation weitergetragen. Der deutsche Markt bietet viele Spiele und zahlreiche Verlage. Insbesondere im Bereich der Gesellschaftsspiele gibt es eine breite Auswahl. In England ist die Kultur der Familienspiele viel schwächer ausgeprägt. In Amerika gibt es einen starken „Hobbymarkt“, in dem anspruchsvollere Spiele intensiv gespielt werden. In amerikanischen Familien werden Spiele jedoch eher als „Kinderkram“ verstanden.

Inwiefern haben sich die Anforderungen an Spiele in den vergangenen Jahren verändert?
Spiele sind eine Art Spiegel der Zeit. Wir leben immer hektischer, haben immer weniger Zeit. Daher ist es wichtig, den Spielern einen leichten Zugang zum Spiel zu verschaffen und möglichst schnell einen Spielhöhepunkt zu erreichen. Wichtig ist, dass die Interaktivität im Fokus steht.

Auf der Messe „Spiel“ in Essen haben die Verlage allein 2011 weit über 700 neue Spiele vorgestellt. Seit wann gibt es eine solch große Auswahl in Deutschland?
Das kann man schwer an einem Tag festmachen. Vielmehr handelt es sich um eine Entwicklung insbesondere der vergangenen 25 Jahre. Anfang der 1990er wuchs der Spielemarkt jedes Jahr um etwa zehn Prozent. Es gab immer mehr Marktteilnehmer, der Handel fragte nach neuen Spielen und so wurde der Spielemarkt immer profitabler.

Gibt es ein Rezept, damit ein Spiel zu einem Klassiker wird?
Für den Erfolg spielen viele Komponenten eine Rolle. Aber selbst wenn alle Aspekte berücksichtigt werden, muss ein Spiel noch lange nicht zu einem Klassiker werden. Ich beschreibe die Spieleentwicklung immer als Kunst, eine Checkliste gibt es nicht. Spiele müssen mit der Zeit gehen, manchmal verhelfen Lizenzen zum Erfolg, kurze Regeln und ein leichter Einstieg sind wichtige Punkte. Die Gefahr ist jedoch, wenn man sich zu sehr auf ein Thema stürzt, zum Beispiel durch den Erwerb einer Lizenz, dass die Aktualität schnell nachlässt und somit auch das Interesse am Spiel verloren geht. Erfolgversprechender ist es, „abstrakte“ Spiele zu entwickeln. Die Lego-Spiele profitieren zum Beispiel von klassischen, abstrakten Materialien – den Lego-Steinen. Wir haben bei der Entwicklung auch auf Themen gesetzt, hierbei jedoch vornehmlich auf zeitlose Themenfelder, die jede Generation begeistern: Autorennen, Piratenschätze, ägyptische Pyramiden…

Wenn wir einen Blick in die Zukunft wagen: Wie wird sich der Spielemarkt Ihrer Meinung nach entwickeln?
Eins ist sicher: Gesellschaftsspiele wird es auch in Zukunft geben. Denn der Wunsch, zusammen zu spielen und gemeinsam Zeit zu verbringen, ist allen Generationen gemein. Spiele werden auch weiterhin mit der Zeit gehen, es werden neue Medien unterstützend hinzukommen, weitere technische Möglichkeiten und elektronische Elemente. So kann ich mir zum Beispiel einen Bildschirm als Spielbrett vorstellen. Auch die Auswahlmöglichkeiten werden sicherlich weiterhin steigen und Spiele, die schnell verfügbar sind, werden sich mehr und mehr durchsetzen. Der eigentliche Gedanke aber wird auch in Zukunft im Fokus stehen: gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen.

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