Spiele für Senioren



Tina Schuster entwickelt und vertreibt Spiele für Senioren sowie Menschen mit demenziellen Veränderungen oder eingeschränkter Motorik. Im Interview verrät sie, warum Spiele deren Alltag bereichern, welche Spiele sich für den Einsatz in der Betreuung eignen und wo Interessierte mehr erfahren.

Haben kranke oder alte Menschen nicht andere Sorgen als zu spielen?
Natürlich ist für sie in erster Linie wichtig, dass Angehörige oder externe Pfleger sie optimal betreuen. Dazu gehört neben der medizinischen Versorgung aber auch das Zwischenmenschliche. Spiele und gemeinsame Zeit machen Freude und bringen Abwechslung in den Alltag. Menschen blühen dadurch oft auf, lachen und freuen sich. Im Idealfall vergessen alle Beteiligten für einen Moment ihre Sorgen. Zusätzlich fördern Spiele motorische, emotionale, kognitive und soziale Fähigkeiten.

Welche Voraussetzungen müssen Spiele erfüllen, damit sie sich für den Einsatz in der Betreuung eignen?
Das kommt auf den Einzelfall an. Manchmal müssen Spiele am Tisch funktionieren, manchmal im Rollstuhl und manchmal im Bett. Generell ist es empfehlenswert, auf drei Dinge zu achten: eine leichte Handhabung der Figuren, Würfel oder Plättchen, eine seniorengerechte Thematik und ansprechendes Material. Durch variable Schwierigkeitsgrade oder Varianten kann man Spiele an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Mit einfachen Regeln baut man Ängste vor vermeintlich komplexen Mechanismen ab. Die findet man in diesem Bereich allerdings selten. Im Unterschied zu klassischen Gesellschaftsspielen geht es bei Spielen für die Betreuung nicht vorrangig ums Gewinnen. Viel wichtiger sind die Freude am Spiel und die Aktivierung der Sinne.

Wie gelingt das?
Durch ansprechende Materialien, die die Betreuer individuell einsetzen. Bei einem Tast-Memo müssen die Spieler zum Beispiel Paare mit gleicher Oberflächenstruktur finden, also Plättchen aus Holz, Leder oder Wolle. Spiele mit echten Kräutern und Gewürzen stimulieren den Geruchssinn.

Warum ist es so wichtig, die Sinne zu aktivieren?
Sinneseindrücke sind der Schlüssel zu Menschen, die sich dadurch selber stärker wahrnehmen. Der Duft von Lavendel kann an eine schöne Reise erinnern, das Aroma von Kaffee an ein altes Frühstücksritual oder der Geruch von Nelken an ein Plätzchenrezept. Die Erinnerungen animieren dazu, über Erlebnisse von früher zu sprechen.

Was ist mit Menschen, die sich gut erinnern aber motorische Probleme haben?
Sie wissen häufig selbst am besten, welche Spiele ihnen Freude machen. Vor einem Kauf sollten sich alle Beteiligten allerdings das Material genau anschauen. In einem Spiel verwende ich zum Beispiel magnetische Fotos. Das ist ideal für Menschen, die ihre Arme und Finger nicht mehr wie gewohnt bewegen können. Sie müssen mit den Bildern nur leicht eine Dose berühren und die Fotos bleiben automatisch kleben. Große Spielfiguren, die sich gut greifen lassen, sind ebenfalls hilfreich.

Lernen die pflegenden Angehörigen beim Spielen auch etwas?
Es bereitet ihnen hoffentlich Freude, anderen Personen Freude zu bereiten. Dazu brauchen sie übrigens nicht immer ein Spiel im klassischen Sinne. Oft reichen zur Aktivierung Gegenstände aus dem Alltag: zum Beispiel Fotos oder Lieder. Ein Biografie-Buch strukturiert Erinnerungen und hilft, Geschichten hinter bekannten Geschichten zu entdecken. Diese Biografie-Arbeit ist eine wichtige Methode bei der Betreuung von Senioren. Externe Fachkräfte verbessern durch Spiele das Verhältnis zu den Pflegebedürftigen. Je öfter die Betreuer mit einem Menschen spielen, desto besser lernen sie ihn kennen. Das stärkt das gegenseitige Vertrauen.

Wo finden Interessierte Spiele für die Betreuung? Wohl kaum bei Karstadt, oder?
Einige Senioren-Spiele oder Aktivierungsmaterialen gibt es tatsächlich im klassischen Einzelhandel. Fachverlage bieten eine größere Auswahl. Eine gute Übersicht erhalten Interessierte durch eine Recherche im Internet. Auch Beratungsstellen, Netzwerke, Seniorenbüros oder Selbsthilfegruppen kennen in der Regel Ansprechpartner und helfen gerne weiter.

Das Interview erschien erstmalig in der Fachzeitschrift Angehörige pflegen.

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