Spiel, Spaß und Stumpfsinn

2010. Foto: masp/fotolia.de

Das Jahr 2010 hat bald ausgesorgt. Wir heften es ab, verstauen es in einem Aktenordner und schlagen ihn und es zu. Bevor es soweit ist, serviert zuspieler.de-Redakteur Sebastian Wenzel seine persönlichen Spiele-Hochs und -Tiefs des vergangenen Jahres in einem Drei-Gänge-Menü.

Vorspeise: Datensalat

Deutsche lieben Zahlen. Das denken zumindest Ausländer von uns. Um dem Klischee gerecht zu werden, präsentiere ich zum Auftakt Fakten aus meinem Spieleleben. Guten Appetit.

Seit dem 21. September 2010 verwalte ich meine Sammlung auf BoardGameGeek. In meinen Regalen stapeln sich demnach im Moment exakt 100 Karten- und Brettspiele sowie 15 Erweiterungen. Drei Spiele habe ich in den vergangenen Monaten aussortiert: „Blitz und Donner“, „Karibik“ und „Tomahawk“. 2011 sind unter anderem „Dschingis Khan: Bewegung an der Großen Mauer“, „Schnelldenker“, „Was ist Was – Das Quizspiel“ und „Edison & Co“ von diesem Schicksaal bedroht.

Vom 21. September bis zum 21. Dezember habe ich exakt 83 Mal ein Spielbrett auf Tischen ausgebreitet oder -Karten verteilt. Das heißt, ich habe durchschnittlich jeden Tag etwa ein Spiel gespielt. Dabei sind einige Werke, deren Schachtel öfter als einmal geöffnet wurde. Den Rekord für 2010 hält laut meiner Liste auf BoardGameGeek „Can’t Stop“ mit fünf Partien, gefolgt von „Troyes“ (vier Partien). Den dritten Platz teilen sich mit je drei Partien „7 Wonders“, „Agricola“, „Cathedral“, „Dixit“ und „Lost Cities“.

Diese Liste spiegelt nur bedingt meine Vorlieben wider. Da ich die Statistik erst seit Ende September pflege, sind zum Beispiel „Caylus“ oder „Planet Steam“ darin nicht vertreten. Sie kamen Anfang und Mitte des Jahres öfters auf den Tisch. Außerdem rutschen Spiele mit einer kurzen Dauer logischerweise schneller nach oben als Strategiehammer. Es ist klar, dass „Can’t Stop“, „Cathedral“ oder „Lost Cities“ eher auf vorderen Plätzen landen als Strategiehammer wie „Agricola“.

Hauptgang: Leckerbissen

Ich hoffe, die Vorspeise hat Appetit gemacht auf mehr. Zum Beispiel auf meine tatsächlichen Spielehöhpunkte im Jahr 2010. Das sind Werke, die mir viel Spaß machen und immer wieder auf den Tisch kamen. Ihr werdet sehen, um bei mir groß durchzustarten brauchen einige Spiele nur kleine Regeln. Die müssen es dann aber in sich haben.

Partyspiele

  • 1. Scharade
  • 2. Wer bin ich?
  • 3. Tabu

Bluffspiele

Strategiespiele

Wortspiele

Kartenspiele

  • 1. Dixit
  • 2. Bohnanza
  • 3. Ohne Furcht und Adel

Spiele, die außerdem eine Erwähnung verdienen

  • 1. Hamburgum
  • 2. Pandemie, inklusive der Erweiterung "Auf Messers Schneide"
  • 3. Skat, Tichu
Nachspeise: Schaumschläger

Schon Johann Wolfgang Goethe wusste: Wo viel Licht, ist auch viel Schatten. Deshalb serviere ich zum Abschluss des Spielemenues nicht Schokoladenseiten, sondern saure Gurken.

In Essen wurden dieses Jahr über 600 neue Spiele vorgestellt. Keines davon erhielt schon im Vorfeld der Messe soviel Aufmerksamkeit wie „7 Wonders“. Wer das Spiel noch nicht kennt, dem sei dieses Video mit Björn von spiele-offensive.de empfohlen.

Anders als Björn spreche ich keine Kaufempfehlung für dieses Spiel aus. Es ist nett, mehr auch nicht. Und nette Spiele rauben nur unnötig Platz im Regal. Was stört mich an „7 Wonders“.

  • 1. Erst am Ende des Spiels erfolgte eine große Endabrechnung. Während des Spiels ist es fast unmöglich den Überblick darüber zu behalten, wer führt und wer mit welchen Karten wie punktet.
  • 2. In großen Runden ist das Spiel für meinen Geschmack zu glückslastig. Der Spielmechanismus besteht bekanntermaßen darin, dass man sich aus seiner Hand eine Karte aussucht und die restlichen Handkarten an den Nebenspieler weiterreicht. Dabei kann es passieren, dass man mehrere Karten, die für die geplante Siegstrategie vorteilhaft wären auf der Hand hat, aber nur eine davon einsetzen kann. Die restlichen Karten sieht man in Runden ab vier Spielern sehr wahrscheinlich nie wieder. Das ist ärgerlich, zumal der Erfolg der eigenen Strategie auch stark davon abhängt, welche Karten man von den Mitspielern erhält.
  • 3. Es ist löblich – und unabdingbar – für ein Spiel, wenn verschiedene Strategien zum Sieg führen. Allerdings ist kontraproduktiv, wenn es zu viele Wege ins Glück gibt. Das nimmt Spielen an Tiefe. Und genau daran mangelt es meines Erachtens „7 Wonders“.

Ebenfalls in diesem Jahr habe ich "Die Fürsten von Florenz" kennen und hassen gelernt. Eigentlich müsste mir das Werk gefallen. Es ist ein Strategiespiel, das mit einem Versteigerungsmechanismus auftrumpft. Bei Planet Steam oder Funkenschlag funktionieren diese Mischungen hervorragend. Bei „Die Fürsten von Florenz“ nicht. Wir haben das Spiel zweimal mit je vier Personen gespielt. Öfter wird es bei uns wahrscheinlich nicht auf den Tisch kommen. Warum?

  • 1. Es ist in größeren Runden unübersichtlich nachzuverfolgen, welche Personenkarten Spieler bereits auf dem Tisch ausgelegt haben. Dies zu Wissen ist aber eminent wichtig, wenn man seine Siegchancen steigern möchte.
  • 2. Die Spieler bauen auf einem rechteckigen Tableau Häuser und Landschaften. Solange sie dabei nur einen Baumeister ersteigert haben, dürfen sich zwei Häuser nicht direkt berühren. Die Folge: Die Spieler drehen ihre Häuser und grübeln darüber nach, wie sie diese am besten innerhalb des Rechtecks platzieren. Tetris und Ubongo lassen grüßen. Sobald der zweite Baumeister ins Fürstentum eingezogen ist, dürfen sich Häuser berühren. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass es ab einem bestimmten Zeitpunkt des Spiels Sinn macht, einen zweiten Baumeister zu ersteigern. Mir gefällt das herumgepuzzle trotzdem nicht.
  • 3. Sehr wahrscheinlich ein Problem unserer Spielerunde und nicht des Spiels im Allgemeinen. Wir haben sehr lange für die Spielzüge gebraucht und dadurch zogen sich die Partien in die Länge wie ein Kaugummi.
Blick in die Glaskugel

Bevor wir uns vom Spieletisch erheben, noch ein Blick in die Zukunft. Es gibt viele Spiele, die ich kennen lernen möchte. Weil ich das ganze Jahr über brav war, bringt mir das Christkind hoffentlich "Napoleons Triumph" von Histogame. Damit hätte ich endlich ein strategisches anspruchsvolles Zwei-Personen-Spiel in meinem Regal. Außerdem auf meiner Muss-ich-mal-ausprobieren-Wunschliste stehen Vasco da Gamma und Twillight Imperium Third Edition. Auch Egizia würde ich gerne nochmals spielen.

Tipp zum Weiterlesen:


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Ein Kommentar zu “Spiel, Spaß und Stumpfsinn

  1. 7 Wonders find ich einfach genial, habe es selber zwar nicht, aber Freunde von mir. Wäre toll es selber zu besitzen :-), so könnte ich mit meinen 5 Jungs das Spiel mal in Ruhe spielen *seufz*

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