Siegeszug des “Teufelszeugs”

Im Januar habe ich Dir in einem Video gezeigt, wie Spielkarten entstehen. Auch heute steht die Kartenherstellung im Mittelpunkt eines Artikels. Komm mit auf eine Zeitreise. Piatnik informiert darüber, wie Karten vom Luxusgut des Adels zum beliebten Spiel für das ganze Volk wurden und wie sich die Produktionstechniken geändert haben.

„Die kulturelle und geschichtliche Bedeutung der Spielkarte kann gar nicht deutlich genug hervorgehoben werden. Historische Epochen sind in Spielkartenbildern von mitunter hohem historischem Wert festgehalten.“

Piatnik-Geschäftsführer Dieter Strehl

Schon Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelte das Spiel mit Karten eine Popularität, die bis heute anhält. Sie tauchen in der Geschichte noch vor der Erfindung des Holzschnitts und der Buchdruckerkunst auf. Zeichner von Heiligenbildchen entwarfen sie auf Pergament oder Leder und unterlegten sie teilweise sogar mit Blattgold. Solch kunstvoll hergestellten Spielkarten stellten kostbare Raritäten dar, die sorgfältig aufbewahrt wurden und heute in Museen zu bewundern sind.

Spiele als "Gebetstücher des Teufels"
Der erste Nachweis über das Vorhandensein von Spielkarten stammt aus einer Predigt des Jahres 1367: Damals hatte die Bevölkerung die Spielleidenschaft so angesteckt, dass die Obrigkeit angesichts hoher Geldeinsätze, bei denen mancher Haus und Hof verspielte, zur Mäßigung aufrief. Nicht nur Würfel-, auch Karten- und Brettspiele sollen zu jener Zeit sogar als „Gebetsbücher des Teufels“ öffentlich verbrannt worden sein. Zahlreiche Staaten verboten in der Folge das Glücksspiel oder versahen es mit einschränkenden Regelungen. Doch der Siegeszug des Kartenspiels als vergnügliche und kommunikative Freizeitbeschäftigung war nach der Entdeckung moderner Herstellungsverfahren wie der Holzschnitttechnik nicht mehr zu bremsen.

Handarbeit im 15. Jahrhundert
Die sogenannte Tell-Karte entstand laut <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spielkarte">Wikipedia</a> zur Zeit der ungarischen Aufstände gegen die Habsburger: Um die Zensur zu umgehen, die die Bebilderung mit Führern des Aufstandes verhindert hätte, griff man auf die Wilhelm-Tell-Sage zurück, die einen Aufstand gegen die Habsburger zum Gegenstand hat. In Österreich ist dieses Blatt als doppeldeutsch bekannt – im Unterschied zum Salzburger oder einfachdeutschen Blatt. Foto Piatnik.

Die ersten Zeugnisse von gedruckten Spielkarten stammen schon aus dem 15. Jahrhundert. Erhalten sind Fragmente von unkolorierten Spielkartenbögen – unter anderem gefunden beim Restaurieren eines alten Buches in der Bayerischen Staatsbibliothek. Im Einband entdeckten die Restauratoren fünf verschiedene Kartenbögen aus Bayern um 1500. Aus dem 17. Jahrhundert sind zahlreiche Holzschnitt- und Kupferstichspielkarten erhalten geblieben. Sie wurden von kunstvoll geschnitzten Holzmodeln abgezogen und anschließend von Hand koloriert. Gelegentlich trugen die Kartenhersteller die Farben auch mit einer Schablone auf. Der Karton bestand aus mehreren Lagen, die unter Druck geleimt und gepresst wurden. Die fertigen Druckbogen trockneten dann auf einer Leine. Ursprünglich waren die Rückseiten der Karten unbedruckt.

Mit Abbildungen ist das Kartenmacherhandwerk bis ins 15. Jahrhundert belegt. Aus dieser Zeit sind die Namen zahlreicher Kartenmacher aus Augsburg, Ulm, Nürnberg und München überliefert. In der bayerischen Hauptstadt konnte das Handwerk schon um 1500 als richtiger Beruf erlernt werden. Alte Kartenspiele aus dieser Zeit erleben heute eine Renaissance: Für Sammler werden sie oft als Sondereditionen wieder aufgelegt.

Offsetdruck im 21. Jahrhundert
Heute werden Spielkarten im Offsetverfahren hergestellt – vierfarbig, bei der Reproduktion alter Spiele auch mit bis zu zwölf Farben. Für Spielkarten wird im Allgemeinen 300 bis 410 Gramm schwerer beidseitig gestrichener und geklebter Karton verwendet, der nach dem Druck mit einem Speziallack versehen wird. So bleiben die Karten länger haltbar und sind vor eindringender Feuchtigkeit geschützt. Nach dem Lackieren werden die Spielkartenbogen kalandriert. Sie werden dabei unter großem Druck durch zwei Stahlwalzen gepresst und erlangen so ihre Brillanz und die von Kartenspielern geschätzte Gleitfähigkeit. Für Leinenspielkarten werden bei Kalandern Walzen mit eingraviertem Leinenmuster verwendet. Auf einem Druckbogen befinden sich bis zu vier Kartenspiele, die beim nun folgenden Schnitt bereits richtig zusammenfallen und nur noch sortiert, abgerundet und verpackt werden müssen.


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