“Sehen uns als Botschafter des Gesellschaftsspiels”

Foto: Stadt-Land-Spielt!Am 8. September sollen in ganz Deutschland die Menschen spielen. Die Aktion heißt„Stadt-Land-Spielt!“ und wurde initiiert von der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ), dem Deutsche Spielemuseum Chemnitz, dem Deutsche Spielearchiv Nürnberg und Spielkonzept4u. Wir haben uns mit Franka Lueb, der Hauptorganisatorin des Aktionstages unterhalten. Im Interview verrät sie warum, Deutschland aus ihrer Sicht neben dem Weltkindertag und dem Weltspieltag noch einen weiteren Spieletag braucht.

Es gibt den Weltkindertag und den Weltspieltag. Wer braucht noch einen weiteren bundesweiten Spieletag?
Das Spiel. Und das Spielen. Der Weltspieltag kommt unserem Grundgedanken eines Tag des Spiels nahe, thematisiert aber Kinder und deren Recht auf Spiel und Zuwendung. Das Kulturgut Spiel hat einen eigenen Tag verdient. Mit unserem Tag möchten wir gezielt den Fokus auf Gesellschaftsspiele lenken. Sie werden oft als reine Kinderbeschäftigung oder als etwas für Freaks angesehen. Das wollen wir ändern. Spiel ist mehr. Es ist etwas für Menschen jeden Alters und jeder Fasson. Nicht umsonst steht als Altersangabe auf den Schachteln: 99 Jahre oder älter.

Unser Tag ist für alle, die Spiele mögen und, die sich aufgrund der Stigmatisierung nicht mehr trauen, zu spielen. Manchmal braucht es nur einen Anstoß und die richtige Beratung um das zu ändern. Wir sehen uns als Botschafter des Kulturguts Gesellschaftsspiel und möchten mit konkreten Aktionen aktiv werden und Anstöße liefern – am liebsten bundesweit.

Warum sind weder Verlage noch die Fachgruppe Spiel als Initiatoren an dem Projekt beteiligt?
Das Projekt hat keinen wirtschaftlichen Hintergrund. Unsere drei Organisationen beziehungsweise Institutionen sind unabhängige und gemeinnützige Einrichtungen. Uns geht es um unseren Bildungsauftrag und darum, ein wertvolles Kulturgut in Vergangenheit und Gegenwart zu bewahren. Gleichzeitig wollen wir Menschen bewusst machen, dass Brettspiele auch im Zeitalter der Videokonsolen zeitgemäß sind. Das Kulturgut Spiel erhält durch Spieleautoren immer neue Facetten. Dieses gemeinsame Interesse brachte uns an einen Tisch. Je mehr Unterstützung unser Anliegen bei Verlagen, Vertrieben, Herstellern, der Fachgruppe und anderen Sponsoren findet, desto näher sind wir unserem Ziel.

Die Fachgruppe hat inzwischen Interesse bekundet und einige Verlage bieten von sich aus an, bei Sonderaktionen dabei zu sein. Was immer sich in Zukunft ergibt, wird auf unserer Homepage veröffentlicht. Falls Mitarbeiter von Verlagen oder andere Unterstützer dieses Interview lesen: Wenn ihr unser Projekt fördern wollt, auf welche Weise auch immer, bitte melden. Wir freuen uns.

Ihr wollt das Kulturgut Gesellschaftsspiel fördern, doch voraussichtlich organisieren vor allem Spielevereine die lokalen Veranstaltungen. Beißt sich die Katze da nicht in den Schwanz? Schließlich sind Leute im Umkreis von Spielevereinen eh begeisterte Brett- und Kartenspieler.
Wir wenden uns in diesem Jahr vorwiegend an die örtlichen Spieleclubs als Veranstalter. Sie erfüllen die Voraussetzungen, um solch ein Projekt bundesweit aufzustellen und ins Rollen zu bringen. Spielen sollen sie natürlich nicht im stillen Kämmerchen, sondern mit vielen Menschen aus ihrer Stadt oder Region. Die Vereinsmitglieder tragen unsere Idee und ihre Spielfreude an potentielle zukünftige spielbegeisterte Menschen weiter. Vereine haben die nötigen Kontakte zur Stadtverwaltung und zur lokalen Presse. Sie können Räumlichkeiten stellen, eine Spieleausleihe organisieren – und, was uns wichtig ist, die Spiele erklären.

Ist langfristig geplant, Schulen, Kindergärten und andere öffentliche Einrichtungen als Partner zu gewinnen?
Ja, und auch in diesem Jahr können öffentliche Einrichtungen bei „Stadt-Land-Spielt!“ mitmachen. Der Tourismusservice Friedrichskoog hat sich schon angemeldet. Es war die erste offizielle Anmeldung, die bei uns eingegangen ist. Es gibt allerdings ein Problem: Diese Einrichtungen besitzen in der Regel keine Spieleausleihe mit genügend verschiedenen Spielen; geschweige denn eine Mannschaft von geübten Spieleerklärern, die an dem Tag zur Verfügung stehen.Das heißt, wir müssten den Institutionen Spiele und Erklärer stellen. Das sprengt momentan unseren Rahmen – wir reden ja nicht nur von ein oder zwei Einrichtungen. Aber wir haben das für die weiteren Jahre im Blick und je mehr Sponsoren und Unterstützer wir haben, desto mehr können wir machen.

Wie unterstützt „Stadt-Land-Spielt“ die Organisatoren vor Ort?
Wir wollen mit den Veranstaltern dem Spiel eine neue, bessere Öffentlichkeit verschaffen. Die Veranstalter profitieren von überregionaler Werbung und einer größeren Bekanntheit in ihrer Heimatregion. Wir liefern dazu das nötige Drumherum: die zentrale Internetseite mit Nachrichten, Ankündigungen und sämtlichen Veranstaltungen, unsere Facebook-Seite, Plakate, Flyer, Pressetexte, Abhaklisten und Dingen, die uns Verlage und Sponsoren zur Verfügung stellen. Dadurch entsteht auch ein neues Netzwerk von Kontakten. Außerdem stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite. Es können sich auch Interessierte melden, die noch keine größeren Erfahrungen mit der Durchführung von Spieleveranstaltungen haben. Wie die Zusammenarbeit mit uns im Detail funktioniert, können Interessierten auf unserer Homepage in unserem internen Bereich lesen.

Angenommen der Tag wird ein Erfolg. Davon profitieren vor allem Verlage, ihre Umsätze steigen. Warum sollten Veranstalter für Verlage kostenlos Werbung machen?
Das ist kurzsichtig formuliert. Und Du wirfst unsere Einrichtungen wieder mit Wirtschaftsunternehmen in einen Topf. Erfolg bedeutet für jeden etwas anderes. Was Händler hinterher verdienen, interessiert uns als gemeinnützige Einrichtungen nicht. Der Tag wird für uns ein Erfolg, wenn jedes Jahr immer mehr Veranstalter und immer mehr Spieler teilnehmen, wenn Bilder und O-Töne von vertieft spielenden Menschen an diesem Tag durch das Netz, die Fernseh- und Radiosender schwirren; wenn Besucher hinterher mit einem Lächeln nach Hause gehen. Das klingt für Dich ambitioniert und idealistisch? Das ist es auch.

Warum findet „Stadt-Land-Spielt“ im September statt und nicht im Winter, der traditionellen Spielezeit?
Wir haben uns aus mehreren Gründen für Anfang September entschieden: Die Spielemessen-Saison hat noch nicht angefangen. Das aktuelle “Spiel des Jahres” ist gekürt und (wieder) lieferbar. Die Neuheiten der Spielwarenmesse in Nürnberg sind bekannt, in den Spielevereinen schon gespielt und können leicht erklärt werden. Darüber hinaus sind in den meisten Bundesländern die Ferien vorbei und somit die Familien wieder zu Hause und potentiell „verfügbar“ für eine solche Veranstaltung. Und im September besteht sogar die Chance, den Spieletag draußen stattfinden zu lassen.

Findet die Veranstaltung jedes Jahr exakt am 8. September statt?
Nein, das wird nicht der Fall sein. Der „Tag des Spiels“ wird sich terminlich aber um das Datum herum bewegen, also Anfang bis Mitte September. Die Veranstaltung wird in jedem Jahr auf jeden Fall auf einen Sonntag gelegt – so geben wir möglichst vielen Menschen die Gelegenheit, daran teilzunehmen. Den Veranstaltern vor Ort steht es aber frei, Spieleaktionen über diesen Haupttag hinaus zu organisieren.

Bis wann können sich Interessierte für "Stadt-Land-Spielt" anmelden?
Veranstalter können sich ab sofort bei der Geschäftsstelle für die Teilnahme bei „Stadt-Land-Spielt!“ anmelden. Gerne kann man sich auch noch in letzter Minute entschließen, mitzumachen. Allerdings gibt es eine Frist, um Veranstalter bei den zu erstellenden Druckerzeugnissen berücksichtigen zu können. Bis zum 30. April brauchen wir alle Daten zum Veranstaltungsort und über den Ausrichter. Wer sich später anmeldet, kann teilnehmen, wird aber nicht im Flyer erwähnt.

Welche Anforderungen müssen Teilnehmer erfüllen?
Neben dem erwähnten Kriterium der öffentlichen Zugänglichkeit müssen die Veranstalter Räume, Tischen und Stühlen stellen. Außerdem muss eine Spieleausleihe am Veranstaltungstag zur Verfügung stehen und Leute, die den Besuchern die Regeln erklären können. Eine möglichst große Bandbreite an Spielen wäre wünschenswert, wichtiger ist aber die richtige Auswahl der Spiele und dass diese wirklich gut und mit Freude erklärt werden können.

Wer sich für die Ausrichtung eines Spieletages am 08. Spetember 2013 im Rahmen von „Stadt-Land-Spielt!“ bewerben möchte, kann eine Email an f.lueb@stadt-land-spielt.de schreiben und ich schicke demjenigen Informationen und einen Anmeldebogen zu.

Hinweis: Sebastian Wenzel moderierte im Auftrag der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) auf der Spielwarenmesse Nürnberg Interviews mit Persönlichkeiten aus der Branche. Die SAZ ist einer der Initiatoren von „Stadt-Land-Spielt!“. Außerdem erklärt Sebastian Wenzel im Auftrag von Spielkonzept4u, ebenfalls einem Initiator von „Stadt-Land-Spielt!“ ab diesem Jahr auf verschiedenen Veranstaltungen Gesellschaftsspiele von diversen Verlagen.

Links rund um das Thema


Dir gefällt der Artikel? Dann unterstütze uns. Empfiehle den Beitrag Deinen Freunden und klicke auf das Werbebanner. Pro Klick verdienen wir einige Cents. Vielen Dank.

Werbung

Ein Kommentar zu ““Sehen uns als Botschafter des Gesellschaftsspiels”

  1. Interessant, habe bisher noch nichts von dieser Initiative gehört. Erinnert mich ein wenig an den kürzlich stattgefundenen International TableTopDay von GeekandSundry, wobei jener eher einen englischsprachigen Fokus hatte und zeitlich recht ungünstig lag (Karsamstag).

Online-Spiele:

Jenga, Kniffel, Mastermind, Schach, Vier gewinnt und Tangram. Mehr Spiele findest Du auf der Übersichts-Seite.
 
 

Aktion: