Recht kompliziert

Fallen Gesellschaftsspiele und Brettspiele unter das Urheberrecht? Foto: zettberlin/photocase.com
Fallen Brettspiele und Gesellschaftsspiele unter das Urheberrecht? Welchen Schutz genießen Autoren? Welche bedeutenden Urteile haben Richter gefällt? Der Rechtsanwalt Gregor Theado beantwortet in seinem Artikel diese und andere Fragen.

Wenngleich gerichtliche Entscheidungen zum Thema Urheberrecht und Spiele beziehungsweise Spielideen nicht gerade zum juristischen Alltag gehören, so waren dennoch die wenigen Urteile, welche in den vergangenen Jahren gesprochen wurden, Auslöser für teils ausufernde und energische Diskussionen unter allen Beteiligten der Brett- und Gesellschaftsspieleszene. Egal ob Spieleautor, Verlag, Spieler – viele haben sich eine Meinung gebildet und Stellung bezogen. Das Ergebnis der Diskussion ist nicht weniger eindeutig als man es bereits allzu häufig aus dem Urheberrecht (und der Juristerei ganz allgemein) kennt: es kommt drauf an! Diese wenig praktikable Antwort ist für die meisten Betroffenen ebenso wenig befriedigend und führt bei diesen wie auch den interessierten Laien zu Unverständnis betreffend Gericht, Juristen und das Recht an sich.

Es wird freilich mit diesem Beitrag nicht gelingen, die Kontroversen endgültig aufzulösen und einen goldenen Weg oder eine eindeutige Antwort auf die Frage nach der Schutzfähigkeit von Spielideen aufzuzeigen. Nichtsdestotrotz möchte ich versuchen, gerade auch den Nichtjuristen anschaulich die Problematiken aufzuzeigen, die mit dem urheberrechtlichen Schutz von Spielideen einhergehen, und ebenso die von der Fachwelt vertretenen Auffassungen beispielhaft zu präsentieren.

Bedarf es überhaupt einer Diskussion?

Theorie und Wirklichkeit sind ja bekanntlicherweise, oder vielmehr: in aller Regel, nicht immer dasselbe. So mag es interessant und dogmatisch höchst anspruchsvoll sein, über die Schutzfähigkeit der Spielidee zu philosophieren und konferieren, doch ist das überhaupt notwendig? Besteht denn überhaupt ein praktischer Bedarf hierzu?

Wenn man an die Einleitungssätze dieses Artikels anknüpft, scheint der Streit um die Schutzfähigkeit der Spielidee mehr in den Köpfen der Beteiligten denn in den Gerichtssälen zu toben. Vergleichsweise nur sehr wenige – allenfalls ein paar Dutzend – gerichtliche Entscheidungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht, welche das Thema Spielidee in irgendeiner Form anreißen. In vielen dieser Entscheidungen wird zudem nur beiläufig auf die Problematik hingewiesen, oftmals nur in Form eines schlichten Zitats oder einer Fußnote. Die Entscheidungen, in denen es konkret um die Antwort auf die vielmals gestellte Frage nach der eigentlichen Schutzfähigkeit geht, lassen sich vielleicht auf zwei Hände voll reduzieren.

Auch seitens der Presse und der Verlage hört man nichts oder jedenfalls nur sehr spärlich von etwaigen Rechtsstreitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen Spieleautoren selbst oder Spieleautoren und Verlagen. Ob es nur bei den wenigen veröffentlichten Entscheidungen geblieben ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass es eine nicht unerhebliche Art „Dunkelziffer" von Rechtsstreitigkeiten gibt, welche niemals in der Öffentlichkeit publik gemacht werden. Dies zum einen, weil nach wie vor viele Urteile und sonstige gerichtliche Entscheidungen überhaupt nicht veröffentlicht werden und daher allein den beteiligten Parteien bekannt sind. Zum anderen, weil nicht selten Streitigkeiten übereinstimmend beigelegt werden, etwa im Wege eines Vergleiches oder andersartigen einvernehmlichen Lösung.

Zudem werden die Betroffenen häufig kein Interesse daran haben, dass Streitigkeiten nach außen dringen, schlicht deswegen, weil man negative Publicity zu Recht vermeiden möchte.

Die Wahrheit wird wie immer irgendwo dazwischen liegen, sodass man nie wird genaue Zahlen nennen können. Einen Anhaltspunkt, der deutlich mehr für die theoretische Natur der Diskussion spricht, geben die Spieleautoren jedoch selbst: in einer Pressemitteilung der Spieleautoren-Zunft (SAZ) wird das Nischendasein der Gesellschaftsspiele im Urheberrecht unter anderem damit begründet, dass es „bisher noch kaum Verstöße gegeben" habe und dass „innerhalb der Branche – zumindest bei allen renommierten Verlagen – [...] als unbestreitbar [gilt], dass Veröffentlichungen von Autorenspielen eine Einräumung von Nutzungsrechten durch den Spieleautor voraussetzen" (Quelle: „Ein Spiel ist keine Gebrauchsanweisung", Pressemitteilung der SAZ zum Urteil des LG Mannheim im Fall Knizia/Humboldt).

Es gibt also eine Art „Ehrenkodex" oder „Fairnessgebot" unter den Beteiligten, die es durch eine Selbstverpflichtung zur Achtung der Interessen der anderen verbietet, ungefragt und unlizenziert Spielideen zu übernehmen. Dr. Stefan Risthaus, seinerseits Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz und Mitglied des Verwaltungsrats der SAZ, weist zudem richtigerweise auf einen durch § 242 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) und § 18 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) gewährten Vertrauensschutz hin, der eine gewisse Handhabe gegen die ungefragte Übernahme von Spielideen bietet („Gibt es ein Urheberrecht für Spiele?", Artikel aus dem Magazin „Spielbox", Ausgabe 4/2008, S. 15 ff.).

Dennoch: wie die wenigen bekannten Fälle deutlich machen, wird die Frage der Schutzfähigkeit von Spielideen immer wieder einmal Anlass zu Rechtsstreitigkeiten geben. Zudem haben die Reaktionen auf die neuerlichen Urteile gezeigt, dass gerade juristisch weniger versierte Beteiligte aus der Spielebranche versuchen, die rechtliche Grauzone genauer zu erkunden (auf Referenzen mag an dieser Stelle verzichtet werden; bereits eine einfache Google-Suche bringt genügend Resultate). Nicht zuletzt dürfte nach wie vor insbesondere bei vielen Spieleautoren eine erhebliche Unsicherheit vorherrschen, welche im ungünstigen Falle zu einem mehr und mehr restriktiven Umgang mit der Veröffentlichung und Präsentation von neuen Spielideen führt und dem auf jeden Fall vorgebeugt werden soll. Insofern erscheint es wichtig und sinnvoll, die Diskussion am Leben zu erhalten.

Plagiate und Ideenklau – schlimmster Fall für den Spieleautor

Die Entwicklung eines neuen Gesellschaftsspiels kann mehrere Jahre andauern und verlangt dem Spieleautor – von der aufgewandten Zeit einmal abgesehen – nicht selten viel Mühe, Nerven und nicht zuletzt Geld ab. Hat sich nach langer Reifezeit, unzähligen Testspielen, Regelmodifikationen, Anpassungen und schließlich der Herstellung teils kostspieliger Prototypen dann ein vorzeigbares Spiel herauskristallisiert, beginnt für den Spieleautor die kritische Phase der Präsentation und Vermarktung. Ab dem Zeitpunkt, in dem die Spielidee der Öffentlichkeit preisgegeben wird, besteht die potentielle Gefahr, dass Dritte die Spielidee aufgreifen und ungefragt für eigene Zwecke – unverändert oder in Abwandlung – verwenden.

Bevor allerdings eingehend die urheberrechtliche Schutzfähigkeit von Spielideen behandelt werden soll, ist es zum Verständnis des Gesamtkontextes zuvorderst einmal wichtig zu verstehen, nach welchen Kriterien eine kreative Leistung im weitesten Sinne überhaupt (urheberrechtlichen) Schutz genießen kann:

Das Urheberrecht

Die augenscheinlich und auch traditionell nahe liegendste Schutzmöglichkeit scheint das Urheberrecht zu bieten. Der Schutz des Urheberrechts für ein Werk entsteht unmittelbar mit der Schöpfung des Werkes selbst. Im Unterschied zu Marken und Patenten gibt es dabei kein öffentliches Register, in dem der Urheber seine Rechtsansprüche anmelden kann bzw. muss.

Das Urheberrecht garantiert dem Urheber, selbst darüber zu bestimmen, wie mit dem Werk umzugehen ist (sog. Persönlichkeitsrechte, wie z.B. das Recht auf Namensnennung oder Schutz vor Entstellungen) und darüber hinaus schützt es die wirtschaftliche Verwertung des Werkes (sog. Verwertungsrechte wie das Recht zur Vervielfältigung oder Verbreitung).

Voraussetzung für den urheberrechtlichen Schutz ist zunächst, dass es sich bei dem Werk um eine persönliche geistige Schöpfung handelt, wobei die persönliche Schöpferkraft ein gewisses Anspruchsniveau (sog. Gestaltungshöhe) erfüllen und das Werk im Übrigen in einer bestimmten Form sinnlich wahrnehmbar (zum Beispiel als Bild, Text, Musikdarbietung) gemacht werden muss. Zentral beim Urheberrechtsschutz ist das ungeschriebene Merkmal der Individualität. Das Werk muss sich von der Masse des Alltäglichen und Gemeinfreien durch eine eigenständige Prägung abheben.

Der Gesetzgeber zählt in § 2 des Gesetzes über das Urheberrecht (UrhG) diverse Werke auf, welche qua lege urheberrechtlichen Schutz genießen. Hierzu zählen als einschlägige Beispiele etwa die Sprachewerke wie Schriftwerke oder Reden (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG), Werke der bildenden Künste (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG), Lichtbildwerke (§ 2 Abs. 1 Nr. 5) oder Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen (§ 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG).

Dabei ist die Aufzählung nicht abschließend. Für ein Spiel oder dessen Spielidee bedeutet dies, dass – fällt es nicht in den Schutzbereich der aufgezählten Werkarten – es dennoch urheberrechtlich geschützt sein kann, wenn es (nur) eine sonstige persönliche geistige Schöpfung darstellt. Für den Bereich der Spiele nicht uninteressant erscheint zudem auch § 4 Abs. 1 UrhG, wonach Sammlungen von Werken, Daten oder anderen unabhängigen Elementen, die aufgrund der Auswahl oder Anordnung der Elemente eine persönliche geistige Schöpfung sind, wie selbständige Werke geschützt werden.

Das Urheberrecht an einem Werk verleiht dem Schöpfer, also dem Urheber, eine absolute Rechtsposition, die jeden anderen außer dem Urheber von der Nutzung des Werkes ausschließt, solange der Urheber dies nicht gestattet. Das urheberrechtlich geschützte Werk muss zwar zur Erlangung des Schutzes grundsätzlich sinnlich wahrnehmbar gemacht werden; dennoch bezieht sich das Urheberrecht selbst nicht auf einen körperlichen Gegenstand sondern die damit verkörperte geistige Schöpfung; da dennoch Ähnlichkeiten zum Eigentum an körperlichen Sachen besteht, spricht man umgangssprachlich auch von „geistigem Eigentum".

Ideen sind frei

Schutzziel des Urheberrechts ist zwar neben der schöpferischen Leistung auf die jener Leistung zu Grunde liegende Idee. Da aber ein allgemeiner und abstrakter Ideenschutz nicht zu verwirklichen ist („die Gedanken sind frei"), wird also lediglich das konkrete Produkt der geistigen Leistung, das Werk, geschützt; die Idee, ist sie auch noch so ungewöhnlich, muss erst einmal in einem Werk, in einer konkreten Gestaltung zum Ausdruck gekommen sein.

Warum das so ist, ist bei näherer Betrachtung einleuchtend: Würde es einen umfassenden Schutz auch auf abstrakte Ideen geben, hätte dies die grundsätzlich uneingeschränkte Verfügungsmacht des jeweiligen Urhebers über seine Idee zur Folge, mit der unerfreulichen Konsequenz, dass niemand die Idee ohne Erlaubnis des Urhebers aufgreifen dürfte. Jegliches, insbesondere künstlerisches, aber auch wissenschaftliches und literarisches Schaffen würde stagnieren. Ein zu weit gefasster Schöpfungsbegriff, der auch abstrakte Ideen beinhaltete, würde zu einer unzulässigen Einschränkung der Meinungsfreiheit und der Freiheit der Gedanken führen. Im Interesse dieser Freiheit ist daher zu verlangen, dass die Ideen konkret ausgestaltet werden.

Der urheberrechtliche Schutz der Spielidee in der juristischen Literatur

Mit dem theoretischen Wissen zur Schutzfähigkeit bewaffnet, soll der nächste Blick der juristischen Literatur gelten, die sich jedoch nur sehr vereinzelt finden lässt und zu keinem eindeutigen Ergebnis gelangt. Wie bei Juristen üblich – zwei Juristen, drei Meinungen – gibt es sowohl solche, die urheberrechtlichen Schutz bejahen und solche, die ihn kategorisch verneinen sowie weiterhin jene, die einen Mittelweg als richtige Lösung vorschlagen.

Eine schöne Zusammenfassung des Streitstandes und der jeweiligen Auffassungen lässt sich in einem aus dem Jahr 2008 stammenden Aufsatz von Dr. Gerhard Schricker finden („Urheberrechtsschutz für Spiele", GRUR Int 2008, S. 200 – 204):

Ausgehend von der ablehnenden Haltung Ulmers, demzufolge „keine Werke [...] im Sinne des Gesetzes [...] neuartige Spiele" sind (Ulmer, Urheber- und Verlagsrecht, 3. Auflage, S. 132) und wonach diese „ungeachtet der geistigen Arbeit, mit der sie geschaffen oder ersonnen werden [...] urheberrechtlich nicht schutzfähig" sind, haben sich auch namhafte Urheberrechtler wie Loewenheim (Loewenheim, in: Schricker / Loewenheim, UrhG, 4. Auflage, § 2 Rn. 6) oder Schulze (Schulze, in: Dreier/Schulze, UrhG, 3. Auflage, § 2 Rn. 104) der Auffassung angeschlossen. Auch sie sind der Meinung: „Bei Spielen genießen nicht die Spielregeln, sondern allenfalls deren Beschreibung Urheberrechtsschutz". Spielsysteme für Gesellschafts- und sonstige Spiele und die Ideen, auf denen diese Spiele beruhen, seien als reine „Methoden oder das System als solches" nicht schutzfähig. Einig ist man sich somit darüber, dass die Beschreibung in Wort oder Bild, eine genügende Individualität und Gestaltungshöhe vorausgesetzt, urheberrechtlich geschützt werden kann. Lässt sich die Spielidee auf verschiedene und individuelle Weise verwirklichen, kann in der Kombination der Spielschritte ein schutzfähiges Regelwerk entstehen. Ähnlich sieht dies auch Bullinger (Bullinger, in: Wandtke / Bullinger, UrhG, 3. Auflage, § 2 Rn. 52), der die Schutzfähigkeit an der Komplexität der Spielregeln fest macht und deren Schutz sich sowohl auf die sprachliche Ausgestaltung der Spielregeln als auch auf deren phantasievollen Ablauf, den Inhalt der Spielregeln, beziehen soll.

Schack beschränkt den Schutz des Spiels ebenfalls auf dessen sprachliche Form (Schack, Urheber- und Vertragsrecht, 4. Auflage, Rn. 168) mit der Folge, dass demnach wiederum nur die konkrete wahrnehmbare Beschreibung, die Voraussetzungen der persönlichen geistigen Schöpfung erfüllend, Urheberrechtschutz genießt. Ebenso wie Ahlberg (Ahlberg, in: Möhring / Nicolini, UrhG, 2. Auflage, § 2 Rn. 96) begründet er die Ablehnung der Schutzwürdigkeit, indem er auf darauf verweist, dass Informationen als solche keinen Schutz beanspruchen dürften; letzterer geht noch einen Schritt weiter und verweist zusätzlich auf das Freihaltebedürfnis an Methoden und Systemen. Dagegen können Spielregeln nach der auf einer Entscheidung des OLG München basierenden Auffassung Ahlbergs (OLG München, ZUM 1995, 48 f.) Urheberrechtsschutz genießen, wenn der Spielverlauf nicht nur eine einzige denkgesetzliche Möglichkeit, sondern eine Vielzahl von unterschiedlichen Spielschritten vorsieht, die es dem Spieler ermöglichen, in verschiedenen Varianten vorzugehen. Denn in diesem Fall folgen die Regeln keinem logischen Ablauf, sondern verlangen von dem Hersteller schöpferische Fantasie.

Legt man diese Ansicht zu Grunde, dürften nicht wenige Spiele aus dem Bereich der Gesellschafts- und Brettspiele einem urheberrechtlichen Schutz zugänglich sein, wohingegen wohl zutreffend etwa die Idee eines Lottospiels mit determinierten Abläufen keine urheberschutzwürdige Leistung darstellt.

Schricker selbst kommt zu dem Ergebnis, dass Spiele grundsätzlich zum urheberrechtlichen Schutzbereich der Literatur, Wissenschaft und Kunst gehören, sodass nicht nur die formale Ausgestaltung, sondern auch die individuelle Konzeption als auch die Spielregel Urheberrechtsschutz beanspruchen können. Schutzlos bleibe allein die „nackte" Idee, die noch nicht in ein Werk Eingang gefunden habe; dagegen beginne der Urheberrechtsschutz, sobald die Idee in einem Werk konkrete Gestalt angenommen habe.

Einen interessanten Aspekt greift auch Öechsler auf, indem er auf den anerkannten „Fabelschutz" als Modell für den Ideenschutz verweist („Die Idee als persönliche geistige Schöpfung", GRUR 2009, 1101-1107). So gilt als eine der wenigen anerkannten Ausnahmen zum grundsätzlich fehlenden Ideenschutz im Urheberrecht bei Schrift- und Filmwerken, dass deren gedanklicher und gefühlsmäßiger Inhalt unter Umständen Schutz vor ungefragter Verwendung und Übernahme Dritter genießen kann. So könne die Einfügung eines bestimmten Einfalls in einen Handlungsablauf unabhängig von der Wortgestaltung im Einzelnen Urheberrechtsschutz erlangen. In den von Oechsler zitierten Gerichtsentscheidungen geht es etwa um Fortsetzungsgeschichten zu einem Theaterstück (KG, GRUR 1926, 441, 442.; man beachte das Erscheinungsdatum) oder die erste Bearbeitung eines Librettos (BGH, GRUR 1959, 379, 381 „Gasparone"). In diesem Kontext darf dann auch nicht die Entscheidung „Laras Tochter" des BGH (Urteil v. 29.04.1999, Az. I ZR 65/96) unerwähnt bleiben. Jene Entscheidung fügt sich in den Fabelschutz nahtlos ein, denn auch hier hat das Gericht bei der Übernahme eines Romanstoffes wiedermal entschieden: „Auch eigenpersönlich geprägte Bestandteile und formbildende Elemente des Werkes, die im Gang der Handlung, in der Ausgestaltung von Szenen und in der „Szenerie" des Romans liegen, genießen Urheberrechtsschutz".

Die Rechtsprechung

Soweit die Theorie; nun zur Praxis. Im Rahmen der obigen Auseinandersetzung mit den Literaturmeinungen wurde bereits auf verschiedene Gerichtsurteile Bezug genommen. Nun soll noch einigen weiteren ausgewählten Entscheidungen besondere Aufmerksamkeit zukommen.

  • Bundesgerichtshof, Urteil v. 17.10.1961, Az. I ZR 24/60 („Zahlenlotto")
    Hintergrund des Verfahrens war, dass der Kläger in Zusammenarbeit mit einem Lotterieveranstalter in Erfüllung seiner vertraglichen Pflichten allgemeine Regeln für die Durchführung einer Lotterie entwickelt hatte. Diese umfassten Vorschläge wie etwa den, dass fünf Gewinnzahlen aus den Zahlen 1 bis 90 und eine Zusatzzahl zu ziehen waren, und dass die Ziehung sonntags stattzufinden habe. Es kam zum Streit, nachdem der Veranstalter die Regeln nach Beendigung des Vertragsverhältnisses weiter benutzte.

    Das Gericht stellte fest, dass Spielerfindungen als solche keinen urheberrechtlichen Schutz genießen können und zudem die fraglichen Merkmale des Spiels weder einzeln noch in ihrer Kombination geeignet seien, einen Schriftwerkschutz zu begründen. Der BGH schuf mit dieser Entscheidung den später vielmals zitierten und sicherlich zu korrigierenden Grundsatz, dass das Spiel bzw. dessen Spielregeln allein dann schutzfähig seien, wenn die schriftliche Niederlegung der Spielregeln eine für einen Urheberrechtsschutz ausreichende eigenpersönliche Gestaltung erkennen lasse.

    Berechtigterweise erfährt diese Ansicht heute nicht unerhebliche Kritik. Freilich muss zwar die Regelidee wie bei jedem Werk überhaupt in die Außenwelt gedrungen, verlautbart sein. Ihre schriftliche Niederlegung erscheint hingegen als bloßer Formalismus, den das Gesetz nicht erzwingt, weil dort ja auch Reden geschützt sind (Oechsler, a.a.O., S. 1106).

  • Oberlandesgericht Frankfurt, Urteil v. 07.02.1995, Az. 11 U 76/94

    Vorlage für diesen Rechtsstreit waren Golfregeln, welche das Gericht nicht als schützenswert erachtete. Die bloßen Spielregeln seien seiner Ansicht nach als bloße „Anweisungen an den menschlichen Geist" ebenso wenig wie die Spielidee und das Konzept als solches einem Schutz nicht zugänglich. Zwar griff das Gericht die Zahlenlotto-Entscheidung des BGH auf und stellte fest, dass eine persönliche geistige Schöpfung auch in einem gedanklichen Konzept bestehen könne, „das in erster Linie in Form und Art der Einteilung und Anordnung des dargebotenen Stoffes einen Niederschlag und Ausdruck gefunden" hat. In dem zu entscheidenden Fall jedoch sei insbesondere an Schriftgut, das wie vorliegend Gebrauchszwecken diene, grundsätzlich ein deutliches Überragen des Alltäglichen, des handwerksmäßigen, der mechanisch-technischen Aneinanderreihung des Materials, zu fordern, woran es fehle.

  • Oberlandesgericht München, Urteil v. 21.01.1999, Az. 29 W 3422/98

    Vorliegend hatte der Antragsteller ein Gameshow-Format betreffend Ratespiele, die sich mit Werbespots befassen, konzipiert und entwickelt, in dessen Manuskript die Intentionen, die Möglichkeiten, Studioausstattungen, Spielabläufe bis hin zu Punktebewertungen, Requisiten usw. im Detail wiedergegeben wurden. Er erstellte ferner eine Gliederung und schrieb das Drehbuch für eine Pilotsendung, die er auch produzierte. Die Antragsgegnerin strahlte später eine Rate-Show aus, in welcher der Antragsteller die ungenehmigte Übernahme wesentlicher Inhalte seines Konzeptes erblickte.

    Das Gericht war der Auffassung, dass einzelne Spielvarianten, die zu den gängigen Grundmustern von Ratespielen im Fernsehen gehören oder keinen ausreichenden eigenschöpferischen Gehalt aufweisen, weder für sich noch in der konkreten Zusammenstellung geschützte Werkbestandteile darstellten. Ungeachtet dessen könne die konkrete Verwirklichung der Idee eines Fernseh-Ratespiels auf der Grundlage von Werbespots durch detaillierte Ausarbeitung der Spielgestaltung mit den einzelnen Spielabläufen und den verbindenden Elementen ein Werk im Sinne des UrhG sein, was das Gericht auch in der Umsetzung des Manuskriptes des Antragstellers als zutreffend unterstellte. Der Antragsteller scheiterte schließlich dennoch, weil das Gericht in den „übernommenen" Show-Elementen nur diejenigen Elemente erblickte, welche Werkcharakter vermissen ließen und deshalb nicht schutzfähig seien.

  • Landgericht Düsseldorf, Urteil v. 12.01.2007, AZ. 12 O 345/02

    In diesem Verfahren ging es um ein Computerspiel (Transportsimulationsspiel), welches nach Auffassung des Klägers mit einem von ihm (mit)entwickelten Transportsimulationsspiel teilweise identisch sei.

    Nach Ansicht des Gerichts war es dem Kläger nicht gelungen, bezüglich der konkreten Ausgestaltung der Spielidee in dem Computerspiel darzulegen, dass sie die erforderliche schöpferische Eigenart und Gestaltungshöhe aufweise. Im Wesentlichen begründet sich die Ablehnung des Urheberrechtsschutzes darin, dass die von dem Kläger als „Besonderheiten" bezeichneten Spielfunktionen (z.B. Spielkonzept, räumliche Darstellung in 3D, Verwendung einer „Ich-Perspektive") allesamt bereits in vormals erschienenen Spielen verwirklicht und auf den Markt gebracht wurden. Damit aber bot das Spiel im Übrigen in seiner Form und Art der Sammlung, Einteilung und Anordnung des Materials keinen Hinweis auf einen Urheberrechtsschutz. Die bloße Spielidee selbst sah das Gericht abermals nicht als schutzfähig an.

  • Landgericht Mannheim, Urteil v. 29.02.2008, Az. 7 O 240/07

    Der Kläger als Autor mehrerer Würfelspiele wandte sich gegen den Verleger eines Lexikons, in dem die einschlägigen Spielregeln so detailliert dargestellt wurden, dass der Leser sie allein anhand dieser Texte nachvollziehen konnte. Das Gericht wies die Klage unter Verweis auf den nicht bestehenden Schutz abstrakter Spielregeln zurück und erörterte noch kurz den Schutz der Spielanleitung als Schriftwerk, was jedoch offen gelassen wurde, da es die Texte des Lexikons als völlig neue eigenständige Gestaltung bewertete. Es stellte aber klar, dass „die schriftlich niedergelegte Spielidee (Spielanleitung) [...] im Einzelfall urheberrechtlich geschützt sein [kann], wenn sie sich nicht als bloßer Gebrauchstext auf die konkreten Handlungsanweisungen an die Spieler beschränkt, sondern – etwa durch eine auf schöpferischer Tätigkeit beruhenden Fabel – darüber hinausgeht".

    Festzustellen bleibt hiernach, dass nach Auffassung des Gerichts (schlichte) Würfelspiele sich auf Mitteilungen tatsächlicher / technisch-mathematischer Art beschränken und in keiner Weise einer auf künstlerisch-schöpferischer Fantasie beruhenden „Fabel" entsprechen.

  • Landgericht Köln, Urteil v. 29.07.2009, Az. 28 O 180/08

    Die Parteien in diesem Rechtsstreit waren zwei Verlage aus der Rollenspielbranche. Unter der Leitung eines ehemaligen Mitarbeiters der Klägerin brachte die Beklagte ein eigenes Grundregelbuch auf den Markt, in welchem die Klägerin maßgebliche Elemente ihrer eigenen Werke übernommen sah.

    Das Gericht – das angetrieben durch die Entscheidung des LG Mannheim sicherlich eine kritischere Literatur zur Schutzfähigkeit von Spielen und Spielideen zu Rate zog – ging davon aus, dass Spielregeln in ihrer konkreten Ausgestaltung oder die Handlung bzw. Charaktere schutzfähige Werkbestandteile sind; Voraussetzung sei, dass die Spielregeln bzw. die Spielgestaltung selbstverständlich auf einer persönlich geistigen Schöpfung beruhen, was wiederum bedeute, dass diese vorher nicht existierten bzw. neu gestaltet wurden.

    Die Klage scheiterte insbesondere daran, dass das Gericht einzelnen Elementen (genannt wurden solche wie „Namen", „Fertigkeiten" und „Attribute") für sich betrachtet keine Werkeigenschaft beimaß, so dass die Verwendung oder Übernahme von Ausdrücken und Begrifflichkeiten keine unfreie Bearbeitung darstelle.

Fazit

Bereits früh wurde Anfang der Sechziger Jahre durch den BGH die oftmals vertretene pauschale Auffassung, Spiele und deren Spielideen seien per se nicht einem urheberrechtlichen Schutz zugänglich, relativiert. Dennoch stieß auch die Ansicht, allein in einer niedergeschriebenen Fassung der Spielidee sei – die Anforderungen des § 2 Abs. 2 UrhG erfüllend – der Schutz für das Spiel zu finden, auf weitere Kritik und ist mittlerweile zu korrigieren. Insbesondere der mehrfach auch von jenem höchsten Gericht anerkannte „Fabel"-Schutz zeigt, dass nicht nur die konkrete sprachliche Fassung Urheberrechtsschutz bietet, sondern auch eigenpersönlich geprägte Bestandteile und formbildende Elemente lösgelöst vom eigentlichen Werk im Einzelfall schutzfähig sein können.

An der Gültigkeit der eingangs erwähnten, abgedroschenen Floskel „es kommt drauf an", ändert all dies jedoch wenig, denn als geradezu perfektes Beispiel urheberrechtlicher Streitigkeiten verlangt die Antwort auf die Frage des urheberrechtlichen Schutzes von Spielen und Spielideen immer eine auf den Einzelfall bezogene (einmalige) Entscheidung. Für pauschale Beurteilungen bleibt nach wie vor kein Raum.

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10 Kommentare zu “Recht kompliziert

    • Hallo Christian,

      danke für den Hinweis. Ich habe mir erlaubt, die Stellungsnahme zu Dokumentationszwecken auch direkt hier in den Kommentaren zu veröffentlichen.

      Grüße
      Sebastian

      Stellungsnahme der SAZ zum Artikel von Gregor Theado

      Zum urheberrechtlichen Schutz der Spielidee
      Auf der Website anwalt.de veröffentlichte RA Gregor Theado eine längere Abhandlung, die sich mit dem urheberrechtlichen Schutz von Spielen beschäftigt. Wir begrüßen, dass dadurch das Thema auch einer breiteren Öffentlichkeit nahe gebracht wird.

      In einzelnen Aspekten können wir die dargestellte Auffassung von Herrn Theado allerdings nicht teilen. Dies beginnt schon damit, dass er im Titel von einer „Spielidee“ spricht und deren Schutzfähigkeit auf den Prüfstand stellen möchte. Eine Idee ist in der Terminologie des Urheberrechts aber ein abstrakter Gedanke, der noch keine konkrete Ausformung gefunden hat. Dass Ideen als solche nicht urheberrechtlich geschützt werden können, ist allgemein bekannt. Ein Spiel ist aber mehr als eine abstrakte Idee, nämlich ein ins Detail ausgearbeitetes Werk, was – je nach Einzelfall – grundsätzlich wohl auch von Herrn Theado anerkannt wird. Besonders hervorzuheben ist, dass die bekannte BGH-Entscheidung „Zahlenlotto“ nicht in den historischen Zusammenhang der 1960er Jahre gestellt wird, so dass der Eindruck entsteht, der BGH hätte tatsächlich Zweifel an der Schutzfähigkeit von Spielregeln in ihrem gedanklichen Inhalt gehabt.

  1. Es ist ja schön, dass inzwischen auch die SAZ sich dafür einsetzt, dass der – nicht unbedingt falsche aber missverständliche Begriff” Spielidee ersetzt wird. ‘Spielidee’ soll eigentlich für den nichtmateriellen Gehalt eines Spiels stehen, ist somit mehr als ein bloßes Konzept, was wiederum mehr ist als eine einzelne – juristisch nicht schützbare – Idee. Das ist unabhängig davon, welchen Begriff man verwendet. Deutlicher wird es aber, wenn man von Spiel (oder wenn man bei Angeboten an Verlagen genauer sein will) von Spielevorschlag spricht und den schwammigen Begriff Spielidee vermeidet.

    Es fällt allerdings auf, dass ‘die SAZ’ eine öffentliche Erklärungen im o.g. Fall abgibt, intern Adlung schriftlich auffordert, den Begriff ‘Spielidee’ auf der Schachtel nicht zu verwenden (was ja durchaus sinnvoll ist), aber scheinbar nicht bemerkt, dass Vorstandsmitglied Christian Beiersdorf in seinen FAQ http://projekt-spiel.de/Autoren-Service/FAQ/faq.html über weite Strecken den begriff der Idee weiter verwendet (3x Spielidee, 6 mal Idee). Da er in einem Fall den Begriff ‘Idee’ vor einiger Zeit durch ‘Spiel’ ersetzt hat, kann man davon ausgehen, dass die weitere Verwendung absichtlich geschieht:

    “ihre Idee … diesem Verlag vorstellen”
    “meine Idee an PROJEKT SPIEL zu schicken
    “bevor die Idee beim Ravensburger Spieleverlag präsentiert wird”
    “damit PROJEKT SPIEL Ihre Spielidee international und professionell auch bei anderen Verlagen präsentieren kann”
    “die Spielidee vertraulich zu behandeln”
    “für die Einsendung von beispielsweise drei Spielideen 3 x € 65,00 = € 195,00 überweisen”
    “Eine wirklich gute Idee … hat immer eine Chance. ”
    “Letztlich kommt es auf die Idee an, nicht auf Ihr Design. ”
    “Was passiert, wenn der Ravensburger Spieleverlag die Idee für weitere Überlegungen behält?”

    So wie die SAZ Probleme damit hat, Autoren noch nicht breit erschienener Spiele korrekt als Autoren zu bezeichnen, so scheint zumindest ein Vorstandsmitglied Probleme damit zu haben, Spiele als Spiele zu bezeichnen, wenn sie noch nicht erschienen sind. Die Differenzierung, die die SAZ hinsichtlich des Stimmrechts macht, findet hier auch auf der Ebene des Spiels statt:

    Die Leistung eines Autors findet erst Anerkennung als Werk, wenn sie durch einen Verlag veröffentlicht wurde.

    Damit machen sich die SAZ und insbesondere Christian Beiersdorf zum Totengräber des Urheberrechts von Spielen. Denn zum Recht des Urhebers gehört es auch, darüber zu entscheiden, ob ein Werk veröffentlicht wird.
    Wird es erst durch die Veröffentlichung zum Werk verlagert sich das Urheberrecht vom Urheber auf den Veröffentlicher. Die SAZ hat dem Rechnung getragen, indem sie – nach eingehender auch juristischer Diskussion – das Stimmrecht exakt denjenigen zugesteht, die ein Spiel veröffentlicht haben. Das Kriterium, dass man Autor sein muss, steht nicht mehr in den Statuten (nachdem es zwischenzeitlich – Satzungsänderung auf Antrag von Christian Beiersdorf – geheißen hatte: “SpieleautorIn ist, wer ein Spiel veröffentlicht hat.”) “Stimmberechtigt sind nur die Mitglieder, die ein Spiel veröffentlicht haben”.

    Interessant auch die – nie korrigierte – Pressemitteilung der SAZ vom 8.7.2008, der zu entnehmen ist, dass die Zahlung von Honorar für Spieleautoren derzeit keine rechtliche Basis hat sonden lediglich aufgrund eines ‘Ehrenkodex’ beruhe:

    “Doch bisher hat es noch kaum Vorstöße gegeben, am
    Stiefkind-Status der Spiele innerhalb des Urheberrechts etwas zu ändern. Das liegt unter
    anderem daran, dass die prekäre Situation für Spieleautoren nur in der Theorie besteht, denn
    innerhalb der Branche – zumindest bei allen renommierten Verlagen – gilt es als unbestreitbar,
    dass Veröffentlichungen von Autorenspielen eine Einräumung von Nutzungsrechten durch den
    Spieleautor voraussetzen. Dieser Ehrenkodex sollte aber auch auf eine rechtliche Basis gestellt
    werden, um auch “Schwarzen Schafen” die Möglichkeit zu nehmen, sich der geistigen
    Leistungen anderer zu bedienen.”
    (Quelle: http://www.spieleautorenzunft.de/pressemitteilungen.html?file=tl_files/files/pressemitteilungen/2008-07-08%20PM%20Das%20Spiel%20ist%20keine%20Gebrauchsanweisung.pdf )

    Urheberrecht von Spielen erscheint für die SAZ demanch als etwas Wünschenswertes, aber nicht als etwas Existierendes.

    Da ist der Beitrag von Gregor Theado wesentlich ergiebiger: Es kommt eben auf den Einzelfall darauf an, ob ein Spiel eine ausreichende Schöpfungshöhe hat und ob im Falle von Überschneidungen ein anderes Spiel genügend Eigenständigkeit aufweist. Auch im Fall Dobble-Kunterbunt sollte eine Interessenvertretung von Spieleautoren sich etwas differenzierter äußern können. Aber ist die SAZ noch eine Interessenvertretung von Spieleautoren? Das Gewicht hat sich in den letzten 8 Jahren stark zugunsten der Veröffentlicher verschoben.

  2. Das kann ich nicht nachvollziehen:

    Die SAZ hat in der Pressemitteilung festgestellt, dass alle in der Branche das Urheberrecht an Spielen anerkennen und danach handeln, weil das Urheberrecht an Spielen eben die Grundlage der Verlagsverträge ist. Damit wird gerade keine Verneinung des Urheberrechts an Spielen vorgenommen.
    Es schadet dem Anliegen der Autoren weit mehr, bewusst oder unbewusst am Wortlaut und der Intention der Erklärung vorbei zu interpretieren.

    Dass der Urheber eines Werks mit Fertigstellung das Urheberrecht erwirbt, ist von der SAZ nie bestritten worden. Genausowenig hat die SAZ meines Wissens nie in Abrede gestellt, dass derjenige, der ein Spiel entwickelt hat, Urheber und Autor dieses Spiels un Inhaber aller Rechte ist – unabhängig von einer Veröffentlichung und/oder einem Erscheinen des Spiels.
    Deine abweichende Interpretation der Satzung und diverser Äußerungen beruht darauf, dass die Gründer der SAZ den Begriff der “Veröffentlichung” nicht im Sinne des Urheberrechtsgesetzes, sondern in ihrem branchenüblichen Sprachgebrauch verwendet haben. Dort bedeutet Veröffentlichung Herausgabe durch einen Verlag, nicht bloß die Ermöglichung der Kenntnisnahme bzw. “Zugänglichmachung” durch die Öffentlichkeit im Sinne des § 6 UrhG. Dies ergibt sich nicht nur aus dem historischen Zusammenhang. Wir haben das auch ergänzend unter Beteiligung einiger Gründungsmitglieder recherchiert und mitgeteilt.
    Ähnliches gilt für die Diskussion um die Stimmrechtsregelung. Dort wird das Stimmrecht geregelt, nicht die Frage nach dem Urheberrecht.

    Auch Du verwendest übrigens zumindest teilweise den Begriff der Veröffentlichung, wenn Du Verlags-Veröffentlichung (Erscheinen im Sinne des § 6 UrhG) meinst, wenn Du der SAZ vorwirfst, das Gewicht zugunsten der “Veröffentlicher” verschoben zu haben.

  3. Wenn die SAZ fordert, dass der Ehrenkodex auch auf eine rechtliche Basis gestellt werden solle, dann ist damit gesagt, dass der Ehrenkodex eben noch keine rechtliche Basis habe.

    Und natürlich hatte die SAZ auf der MV im Juni 2009 auf Antrag von Christian Beiersdorf und mit deiner argumentativen Unterstützung per Satzungsänderung ‘Autoren ohne Veröffentlichung’ (gemeint Verlagsveröffentlichung) das Recht abgesprochen, Autor zu sein:

    Ҥ 4 Stimmrecht
    1. Stimmberechtigt sind alle SpieleautorInnen; alle übrigen Mitglieder sind fördernde
    Mitglieder ohne Stimmrecht. SpieleautorIn ist, wer ein Spiel veröffentlicht hat. Die
    Veröffentlichung kann in einem Spieleverlag, im Selbstverlag oder in einem Buch
    bzw. einer öffentlichen Zeitung/Zeitschrift erfolgt sein. Publizierungen nur zum
    Zwecke der Dokumentation des Werks gelten nicht als Veröffentlichung.”

    Dieser Antrag wurde in Kenntnis meiner Argumentation angenommen, dass mit einer Aberkennung des Autorenstatus auch das Urheberrecht aberkennt werde (Antrag angenommen mit 17 Ja-Stimmen 2-Nein-Stimmen bei 6 Enthaltungen). Auch du, als Anwalt u.a. mit Spezialgebiet für Urheberrecht, hast dich für diesen Antrag eingesetzt. Soweit ich mich erinnere wurde auch von dir argumentiert, Autor sei eine Berufsbezeichnung und damit etwas anderes als ein Urheber.

    Ein paar Tage danach hatte ich euch einen Vorschlag gemacht, wie man die – von mir inhaltlich abgelehnte – Stimmrechtsregelung so formulieren kann, dass Autoren ohne (Verlags)Veröffentlichung der Autorenstatus nicht aberkannt wird:

    |: “Stimmberechtigt sind alle SpieleautorInnen; alle übrigen
    |: Mitglieder sind fördernde Mitglieder ohne Stimmrecht.
    |: SpieleautorIn ist, wer ein Spiel veröffentlicht hat. …”
    |:
    |: müsste demnach ersetzt werden durch etwas wie:
    |:
    |: “Stimmberechtigt ist, wer als SpieleautorIn (mindestens)
    |: ein erschienenes Werk aufzuweisen hat; alle übrigen
    |: Mitglieder sind fördernde Mitglieder ohne Stimmrecht …”

    (meine Email vom 24.6.2009 an die Vorstandsmitglieder)

    Sogar Christian Beiersdorf konnte sich mit dem Vorschlag anfreunden, wollte aber den Begriff Autor rausnehmen:

    |: Man könnte auch schreiben “Stimmberechtigt sind alle Mitglieder,
    |: die mindestens …”, dann wäre es noch neutraler.
    (seine Antwort vom selben Tag))

    Geworden ist daraus dann die jetztige seit Februar 2010 geltende Fassung:

    |: 1. Stimmberechtigt sind nur die Mitglieder, die ein Spiel veröffentlicht haben.
    |: Die Veröffentlichung kann in einem Spieleverlag, im Selbstverlag oder
    |: in einem Buch bzw. einer öffentlichen Zeitung/Zeitschrift erfolgt sein.
    |: Publizierungen nur zum Zwecke der Dokumentation des Werks gelten nicht als Veröffentlichung.

    Ihr habt den Begriff ‘Spieleautor’ aus der Satzung entfernt, so dass – gemäß Wortlaut – auch Grafiker, Redakteure, Testspieler?, … die ein Spiel veröfentlicht haben, Stimmrecht haben. Es wäre ziemlich einfach, statt ‘Mitglieder’ ‘Spieleautoren’ zu schreiben. Da dies nach längerer Diskussion unter deiner Beteiligung (als Anwalt mit Spezialgebiet Urheberecht) erfolgte, unterstelle ich euch, dass dies bewusst geschah.

    Wenn du jetzt sagst, dass ihr euch darüber nicht im Klaren wart, muss ich das natürlich hinnehmen und mir meinen Teil denken …

    Die Erklärung, dass der Begriff der Veröffentlichung in der Vergangenheit unterschiedlich verstanden wurde, ist für mich nachvollziehbar. Dass aber ausgerechnet ein Vorstand, in dem ein auf Urheberecht spezialisierter Anwalt Mitglied ist, einerseits hartnäckig an diesem falschen Verständnis festhält, andererseits eine Presseerklärung abgibt, in der er den Kollegen wegen des- nur missverständlichen aber nicht wirklichen falschen – Begriffs ‘Spielidee’ kritisiert, bleibt das Geheimnis derjenigen, die im Namen der SAZ sprechen. Immerhin hat Gregor Theado einen ausführlichen und gehaltvollen Artikel zum Urheberrecht von Spielen geschrieben.

    Ein SAZ-Vorstand, der in einer öffentlichen Erklärung Kritik an dem Begriff ‘Spielidee’ äußert, aber dazu schweigt, wenn ein Mitglied eben dieses Vorstands den Begriff öffentlich für ‘unveröffentlichte’ Spiele verwendet, muss entweder völlig konfus sein, und/oder drückt damit Geringschätzung für ‘unveröffentlichte’ Spiele aus, die als ‘Spielideen’ nach Ansicht des Vorstandsmitglieds eben noch keine Spiele sind.

    Ich bin ja mal gespannt, ob die SAZ dazu auch ne öffentliche Erklärung hinbekommt, das Vorstandsmitglied die Begriffe stillschweigend austauscht oder das ganze auf sich beruhen lässt.

    Zum Gebrauch des Begriffs ‘Veröffentlichung’ durch mich:
    Jo, ich hätte diesen Begriff in “” setzen sollen.
    Da es in der Satzung ‘Veröffentlichung’ und nicht ‘Verlagsveröffentlichung’ heisst,
    ist rein sprachlich ‘Veröffentlicher’ konsequent – inhaltlich hast du aber recht:
    Ich verwende den Begriff hier zumindest ungenau. Danke für den Hinweis.

  4. Das ist schön, dass Christian Beiersdorf es heute auf seiner Seite geändert hat.
    Nun lasst es bitte auch noch auf http://www.ravensburger.de/start/service/autoren/fragen-und-antworten/index.html (26x ‘Spielidee’) ändern.

    Und wenn ihr das mit der ‘Spielidee’ hinbekommen habt, wäre es schön, wenn Ihr auch nochmal den Begriff ‘Veröffentlichung’ korrigiertet. Im Änderungen der SAZung habt ihr ja inzwischen Routine. :)

    Anschließend vielleicht noch die Pressemitteilung zum ‘Ehrenkodex’ …

  5. Anmaßend, mit lauter Stimme und teilweise diffamierend erhebt sich Günter Cornett mal wieder zum Cheflektor mit einem seiner berühmten Rundumschläge über andere. Die Kommentarfunktionen hier sind dafür sicher nicht der richtige Platz. Nun gut. Bisher fand ich zuspieler.de wohltuend anders, lesenswert und auf hohem Niveau unter all den Spiele-Websites.

    Was die “Spielideen” angeht, waren mir tatsächlich ein paar durchrutscht – in einem Text, der sich weitgehend an Menschen richtet, die umgangssprachlich nichts anderes als “Spielidee” kennen. An Ravensburger muss er sich schon direkt wenden, über die Uralt-Texte dort bin ich auch nicht glücklich.

    Was die Satzung der SAZ angeht, ist dies eine Angelegenheit der Mitglieder und des zuständigen Gremiums, der Mitgliederversammlung. Vielleicht hätte Günter Cornett schon bei seinem Eintritt und vor seinem Ausschluss wegen vereinschädigendem Verhalten diese mal lesen sollen, dann würde er jetzt vielleicht (!) keine Märchen erzählen.

  6. Klarstelung:

    Es ist richtig, dass die unglückliche Formmulierung ‘Spieleautor ist, wer ein Spiel veröffentlicht hat’, schon vorher in der Satzung stand. Bis 2008 galt die Veröffentlichung allerdings lediglich als Beleg dafür, dass man Spieleautor ist. Die bloße Behauptung, man habe ein Spiel gemacht, sollte nicht ausreichen. Es musste für andere Mitglieder nachweisbar sein. Eine Veröffentlichung z.B. in der Spiel und Autor oder auf dem Spieleautorentreffen in Göttingen reichte als Beleg aus.

    Diese Ansicht ist umstritten wird aber nicht nur von mir vertreten (z.B. Wieland Herold auf der MV im Juni 2008). Dort wurde der Satz: “Die Veröffentlichung kann in einem Spieleverlag, im Selbstverlag oder in einem Buch bzw. einer öffentlichen Zeitung/Zeitschrift erfolgt sein.” nach Verlesung dahingehend uminterpretiert, dass es sich nicht um eine Kann- sondern um eine Muss-Bestimmung handelte (worauf Wieland Herold sein Stimmrecht verlor). Von Christian Beiersdorf stammt dann im nächsten Jahr die Ergänzung:”Publizierungen nur zum Zwecke der Dokumentation des Werks gelten nicht als Veröffentlichung.” (sowie die Einführung der auch weiblichen Form SpieleautorIn).

    Die Kombination beider Sätze, dass eine Veröffentlichung immer ein Verlagsveröffentlichung sein muss und nur Autor ist, wer eine solche Veröffentlichung aufzuweisen hat, bedeutete nicht mehr nur eine unglückliche Formulierung sondern eine klare bewusste Aberkennung des Autorenstatus für Autoren, die noch kein erschienenes Werk aufzuweisen haben. Dies umsomehr als die MV trotz meines ausdrücklichem Hinweises auf diese Problematik so entschied.

    Dass die SAZ auch in der Folge es bewusst vermeidet, von Autoren zu sprechen (im – geänderten – Vereinssziel von ‘angehenden Autoren’), macht deutlich, dass die SAZ weiterhin ein Problem hat, Autoren ohne Verlagsveröffentlichung Autoren zu nennen.

    Was meinen Ausschluss betrifft, so sind die offiziellen Gründe und meine Entgegnung hier nachzuesen: http://www.spieleautorenseite.de/saz_ausschluss/ Das ‘vereinsschädigende Verhalten’ bestand in öffentlicher Kritik. Ein Ausschlussgrund ist da zum Beispiel:

    “9. Spielbox-Autorenforum am 12.04.09
    Zur Diskussion um die Löschung der von Dir initiierten Themen mit
    deinen umstrittenen Beiträgen: “Und ja, irgendwann hat es mir(!)
    gereicht und ich habe von internen Vorschlägen und Kritik zu
    öffentlichen Berichten und Diskussionen gewechselt.”

    Bekenntis zur Abkehr von der internen Meinungsbildung zur
    öffentlichen Auseinandersetzung.”
    (dieser ‘Anklagepunkt’ ist hier komplett zitiert. Er bezieht sich auf
    http://spielbox.de/phorum4/read.php4?f=3&i=8388&t=8331&amp ;)

  7. Bis zur Freischaltung meines Kommentars von gestern hier schon mal die Version ohne Nennung der Links

    Klarstellung:

    Es ist richtig, dass die unglückliche Formulierung ‘Spieleautor ist, wer ein Spiel veröffentlicht hat’, schon vorher in der Satzung stand. Bis 2008 galt die Veröffentlichung allerdings lediglich als Beleg dafür, dass man Spieleautor ist. Die bloße Behauptung, man habe ein Spiel gemacht, sollte nicht ausreichen. Es musste für andere Mitglieder nachweisbar sein. Eine Veröffentlichung z.B. in der Spiel und Autor oder auf dem Spieleautorentreffen in Göttingen reichte als Beleg aus.

    Diese Ansicht ist umstritten wird aber nicht nur von mir vertreten (z.B. Wieland Herold auf der MV im Juni 2008). Dort wurde der Satz: “Die Veröffentlichung kann in einem Spieleverlag, im Selbstverlag oder in einem Buch bzw. einer öffentlichen Zeitung/Zeitschrift erfolgt sein.” nach Verlesung dahingehend uminterpretiert, dass es sich nicht um eine Kann- sondern um eine Muss-Bestimmung handelte (worauf Wieland Herold sein Stimmrecht verlor). Von Christian Beiersdorf stammt dann im nächsten Jahr die Ergänzung:”Publizierungen nur zum Zwecke der Dokumentation des Werks gelten nicht als Veröffentlichung.” (sowie die Einführung der auch weiblichen Form SpieleautorIn).

    Die Kombination beider Sätze, dass eine Veröffentlichung immer ein Verlagsveröffentlichung sein muss und nur Autor ist, wer eine solche Veröffentlichung aufzuweisen hat, bedeutete nicht mehr nur eine unglückliche Formulierung sondern eine klare bewusste Aberkennung des Autorenstatus für Autoren, die noch kein erschienenes Werk aufzuweisen haben. Dies umsomehr als die MV trotz meines ausdrücklichem Hinweises auf diese Problematik so entschied.

    Dass die SAZ auch in der Folge es bewusst vermeidet, von Autoren zu sprechen (im – geänderten – Vereinssziel von ‘angehenden Autoren’), macht deutlich, dass die SAZ weiterhin ein Problem hat, Autoren ohne Verlagsveröffentlichung Autoren zu nennen.

    Was meinen Ausschluss betrifft, so sind die offiziellen Gründe und meine Entgegnung hier nachzuesen: LINK Das ‘vereinsschädigende Verhalten’ bestand in öffentlicher Kritik. Ein Ausschlussgrund ist da zum Beispiel:

    “9. Spielbox-Autorenforum am 12.04.09
    Zur Diskussion um die Löschung der von Dir initiierten Themen mit
    deinen umstrittenen Beiträgen: “Und ja, irgendwann hat es mir(!)
    gereicht und ich habe von internen Vorschlägen und Kritik zu
    öffentlichen Berichten und Diskussionen gewechselt.”

    Bekenntis zur Abkehr von der internen Meinungsbildung zur
    öffentlichen Auseinandersetzung.”
    (dieser ‘Anklagepunkt’ ist hier komplett zitiert. Er bezieht sich auf
    LINK )

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