Noch nicht ausgereizt

Skat. Foto: Ranostaj,  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
Im kommenden Jahr feiert der deutsche Skatverband den 200. Geburtstag des beliebten Kartenspiels. Ob der Klassiker auch in Zukunft auf den Tisch kommt, ist fraglich. "Im Gegensatz zu populären Kartenspielen, wie Doppelkopf, Schafkopf, Binokel oder Bridge ist beim Skatspiel keine Begeisterung und keine Aufbruchstimmung mehr zu spüren, in der Presse wird über das Skatspiel nicht mehr berichtet und das Interesse junger Leute am Skatspiel hat deutlich nachgelassen", schreibt Jürgen Weißauer in seinem Buch "Modernes Skatspiel". zuspieler.de druckt Auszüge daraus.

Die Schwachstellen des gegenwärtigen Skatspiels

Die unsystematische Zahlenfolge der gegenwärtigen Biettabelle macht eine wesentliche, fast unüberwindliche Hemmschwelle des aktuellen Skatspiels aus, denn sie vereitelt einen schnellen Zugang für Neueinsteiger und erschwert deshalb die weltweite Beachtung des Skatspiels. So schreiben Hoffmann/Dietrich, Seite 77, zu Recht: „Tatsächlich ist ein wichtiges Argument gegen das Zahlenreizen, dass derjenige, der das Spiel erlernen möchte, gleich zu Anfang eben beim Reizen recht große Schwierigkeiten hat“. Sofern man aber am Wertreizen festhalten will und in die Reizung nicht nur die Anzahl der Matadore, sondern auch die Schwierigkeitsstufen, sowie die einzelnen Spielformen (Handspiel, Grand und Nullspiel) einbeziehen möchte, wird man zwar immer ein schwieriges Bietsystem voraussetzen müssen. Dieses sollte dann aber inhaltlich logisch und schlüssig und auch für den Anfänger leicht ableitbar sein. Das entscheidende Problem des gegenwärtigen Bietsystems liegt in den willkürlichen Werten, die den einzelnen Farben zugeordnet sind: der Wert 9 für Karo, der Wert 10 für Herz, der Wert 11 für Pik und der Wert 12 für die Kreuz-Farbe.

Die Zuordnung der Farben zu den Ziffern 9, 10, 11, 12 ist logisch nicht begründbar und führt zu einer völlig unübersichtlichen Bietfolge. So sehr sich auch alle erfahrenen Skatspieler an diese unlogische Reiztabelle gewöhnt haben mögen, bleibt aber Fakt, dass diese sich nicht spiellogisch ableiten lässt und deshalb stures Auswendiglernen erforderlich ist, um überhaupt erst an der Reizung teilnehmen zu können haben.

Die Auswahl der genannten Zahlen lässt sich nur historisch erklären: Parallel zum Wertreizen und zum klassischen Farbreizen hatte sich seit etwa 1860 in Norddeutschland eine weitere, damals weitverbreitete Version des Skatspiels entwickelt. Dieser sogenannte „Norddeutsche Skat“ erkannte die einfachen Farbenspiele mit Skataufnahme nicht mehr an. Diese Spiele wurden spieltechnisch als zu einfach empfunden. Stattdessen waren nur noch die „Tourné-Spiele“ als unterste Spielklasse anerkannt, darüber standen weiterhin die Farbspiele ohne Skataufnahme (Solo oder Handspiele). Als „Grand-Spiele“ wurden nur „Grand-Hand“ und „Grand-Hand-Ouvert“ akzeptiert.

Dies führte dazu, dass viele Spiele mit gleichmäßiger Verteilung von allen Spielern gepasst wurden. Um dies zu kompensieren, wurde das Ramsch-Spiel eingeführt, dem im Norddeutschen Skat eine ganz erhebliche, sogar zentrale Rolle zukam. Da der Anteil der Spiele mit Skataufnahme erheblich reduziert war, wurde zunächst der Grand zugelassen, wenn beim Tourné-Spiel ein Bube aufgedeckt wurde. Der Spieler war dann berechtigt, statt eines Farbspiels auch einen „Gucki-Grand“ anzusagen. Weiterhin wurde im Norddeutschen Skat erstmalig der „Gucki-Grand“ anerkannt, also der Grand mit Aufnahme der Skatkarten. Daneben gab es auch noch den „Null-Ouvert“, bei dem ebenfalls der Skat aufgenommen werden durfte.

Die Wertberechnung der Spiele im Norddeutschen Skat begann somit mit den Zahlen 5-8, da die einfachen Farbspiele mit Skataufnahme gestrichen wurden. Die Anhänger des Wertreizens wiederum hatten ihr Bietsystem dahingehend weiterentwickelt, dass in diesem System keine Tourné-Spiele mehr zugelassen wurden, während man aber an den einfachen Farbspielen mit Skataufnahme festhielt. In diesem System waren somit die Zahlen 5-8 gestrichen.

Unter den Soldaten des Ersten Weltkrieges, die aus allen Landesteilen zusammengezogen wurden, vermischten sich dann die verschiedenen Spielsysteme. Plötzlich waren im neu aufkommenden „Gucki-Skat“ alle Zahlen von 1-8 gestrichen und der „Gucki-Grand“ wurde allgemein zugelassen. Den einfachen Farbspielen mit Skataufnahme wurden nunmehr die Zahlenwerte der Handspiele von 9-12 zugeordnet.

Da man dadurch keine Zahlen mehr für die Handspiele hatte, wurden die Handspiele nur noch als Reizstufe, wie die Gewinnstufen „Schneider“ und „Schwarz“ behandelt, womit der Niedergang der Handspiele eingeleitet wurde. Der „Gucki-Grand“, der zuvor immer abgelehnt wurde, bekam plötzlich den Rang des früheren Grand-Hand-Spiels, worin die Ursache der heutigen Überbewertung des „Gucki-Grands“ liegt (vgl. zum Ganzen auch Hoffmann/Dietrich, S. 204.).

So führt H. Renneberg in seinem Skatbuch „Skat ist Trumpf“, 2007 auf Seite 20 aus: „Die Zahlenwerte 9, 10, 11, 12 sind im Grunde genommen Zufallsprodukte und ihre zufällige Praktibilität ist es, die sie vor Veränderungsvorschlägen schützt, die ansonsten mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendein Wichtigtuer gemacht hätte.“

So entstand nun eine Reizfolge von Zahlen, in denen mehrere Spielarten mit der gleichen Zahl belegt sind, wie die Grand und Kreuzspiele oder Kreuz mit Fünf (60) und Herz mit Sechs (60), die einzelnen Farbspiele innerhalb der „Gucki-Spiele“ in der Reizfolge nicht durchgehend aufeinander folgen und auch nicht nach dem Schwierigkeitsgrad ansteigen, wodurch insbesondere die Karo-Farbe benachteiligt wird. So ist ein Farbspiel in Kreuz „mit Drei“ (Spiel 4) mehr wert als ein Farbspiel in Karo „mit Vier“ (Spiel 5) oder ein Kreuzspiel „mit Fünf“ (Spiel 6) mehr wert als ein Karospiel „mit Sechs“ (Spiel 7) und gleichviel wert wie ein Karo „mit Sieben“ (Spiel 8). Die Reihenfolge der Farben ist nur auf der ersten Reizstufe „mit Zwei“ eingehalten, bereits ab dem Reizwert 35 läuft das System aus dem Ruder. So bleibt unklar, wieso nach dem Reizwert 48 für Kreuz „mit Vier“ nicht Karo „mit Fünf“ folgt, sondern Herz „mit Vier“ und dann Karo „mit Sechs“, während Karo „mit Fünf“ weniger wert ist als Kreuz „mit Vier.“ Karo mit Fünf (Spiel 6) ist auch weniger wert als Pik „mit Vier“ (Spiel 5) und entsprechendes gilt für alle höheren Gewinnstufen im Verhältnis der Farben Pik zu Karo. Die gegenwärtige mangelhafte Biettabelle durch ein logisches System der Spielbestimmung zu ersetzen, wäre somit ein wesentlicher Gewinn für das Skatspiel und ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu seiner längst überfälligen, internationalen Anerkennung.

Welche weiteren Schwachstellen das gegenwärtigen Skatspiel besitzt und wie man diese überwinden könnte, steht in dem Buch "Modernes Skatspiel" von Jürgen Weißauer. Interessierte können es kostenlos für private Zwecke auf seiner Internetseite www.spiele-okular.de herunterladen.

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