Minderheiten in die Tasche stecken

Beim Minderheitenquartett kämpfen Neger gegen Nazis und umgekehrt. Fotos: ZEITSCHRIFT – das Magazin

Quartette und obskure Themen verhalten sich so wie der Teufel und das Höllenwasser. Sie ziehen sich magisch an. Über das Tyrannenquartett haben wir bereits berichtet. Heute stehen Juden, Muslime und Feministinnen im Mittelpunkt. Beim Minderheitenquartett von der „Zeitschrift – das Magazin“ muss man 24 Randgruppen gegeneinander ausspielen, um zu gewinnen. Wer es politisch korrekt mag, sollte das Spiel gleich zur Seite legen. Alle anderen müssen wissen, dass es sich bei dem Spiel um Satire handeln soll.

Hintergrund war der Versuch, den 3. Zusatz des 3. Artikels des Grundgesetzes (umgangssprachlich Antidiskriminierungs-Gesetz) um die “sexuelle Identität” zu erweitern. Der von der CDU/CSU bestellte Gutachter Prof. Dr. Winfried Kluth sah in dem Anliegen. eine „Erschwernis der Integration von Muslimen“ in Deutschland, da deren „[…] Toleranz gegenüber der Gruppe der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgenden, transsexuellen und intersexuellen Menschen noch wenig entwickelt ist […]“. Diese Begründung diente als real-satirische Inspiration für das Minderheiten-Quartett. „Das Gegeneinander-Ausspielen von Minderheiten gehört zum politischen Tagesgeschäft bei der Durchsetzung von Mehrheitsinteressen“, sagen Max Minus und Michel Goldmann, die Autoren des Kartenspiels

Schwulenmagazin ist empört

Nachdem das rechte Nachrichtenportal Altermedia das Quartett in einem „Spieltipp für lange Winterabende“ empfohlen hatte, sprachen dem die Nutzerkommentare zunächst Zuspruch aus. Schon wenig später entzündete ein Kommentator eine politisch motivierte Hetze, als er feststellte: „Ganz klar ein absolut jüdisches Spiel! Von Juden für Juden gemacht. Schaut euch doch mal die Eigenschaften der Karten an – wer die Spielregeln kennt weiss, dass die Judenkarte fast immer gewinnt! Mal abgesehen davon: Welcher halbwegs gebildete Mensch denkt, dass Neger und Muslime intelligenter als “Nazis” sind? Absolut unrealistische Werte!“

Queer.de, das größte Nachrichtenportal für Schwule und Lesben, für deren Rechte sich die Macher des Quartetts stark machen wollten, war darüber alles andere als begeistert, dass Schwule und Lesben zusammen mit Nazis in einem Quartett vorkommen. Queer.de schrieb: „Mit der Gleichstellung von Menschen, die Vorurteilen ausgesetzt sind, […] geht das satirische Quartett leider noch unter das Niveau des Unions-Gutachters Winfried Kluth herab.“ Robert Scholz von endstation-rechts.de schrieb hingegen: „[…] der Preis für die derbste Satire scheint sicher. Dabei ist der Hintergrund des Spiels durchaus ernstgemeint.“

Ob das Spiel gute Satire ist, muss also jeder selbst entscheiden. Dazu noch ein Hinweis: Jesko Friedrich, Autor der Satire-Sendung Extra 3 schreibt in einem sehr guten Beitrag auf ndr.de:

“Satire ist in erster Linie gegen etwas gerichtet, und zwar gegen eine als fehlerhaft und schlecht empfundene Wirklichkeit in Form von Personen, Institutionen und Geisteshaltungen. […]

Dementsprechend sollte die zentrale Frage an jeden satirischen Beitrag, egal in welchem Medium, sein: "Wer ist der Feind?" Oder, wem das zu martialisch klingt: "Wer ist verantwortlich für einen (veränderbaren) schlechten Zustand?" […]

Grundsätzlich gilt: Jeder hat das Recht auf satirische Kritik. Christen, Juden, Moslems, Behinderte und Behindernde, Frauen, Männer, Intersexuelle – sie alle taugen zum Feind, wenn sie ein entsprechendes Fehlverhalten an den Tag legen. […]

Ich konstituiert für mich ein satirisches Tabu. Satire tritt nicht nach unten. Das arme Würstchen ist nicht der Feind. Noch ärgerlicher ist in diesem Zusammenhang die zum ausschließlichen Zwecke der Belustigung veranstaltete, forcierte Verhöhnung Schwächerer, die sich als Satire ausgibt.“

Auf in den Kampf

Aber zurück zum Minderheitenquartett. Jeder Spieler erhält zu Beginn zwei zufällige Minderheiten- und eine Aktionskarte, genannt AGB-Karte. Der dümmste Spieler beginnt. Er entscheidet sich für eine seiner Minderheitenkarten und wählt einer Kategorie, in der er diese gegen einen beliebigen Mitspieler ausspielt. Zur Auswahl stehen dabei Bevölkerungsanteil, Bildungsniveau, Wohlstand, Homogenität, Gesellschaftliche Akzeptanz und Schamgefühl. Jeder Minderheit kann in jeder Kategorie mit maximal fünf Sternen auftrumpfen. Seine gewählte Karte legt der Spieler verdeckt auf den Tisch.

Der attackierte Spieler wählt nun eine zweite Kategorie, mit der sich eine seiner Minderheiten verteidigen soll. Er legt die ausgewählte Karte auf den Tisch und beide Karten werden umgedreht. Die Minderheit, die in der Summe mehr wert ist als die andere (Sterne beider Kategorien zusammenzählen), bringt dem Besitzer den Sieg in dieser Runde. Zumindest theoretisch. Ist jedoch eine Karte Trumpf gegen eine andere, gewinnt sie das Duell immer. Nazis schlagen zum Beispiel Juden und Neger, Pädophile sitzen an einem längeren Hebel als die Minderheit Kinder und Wachkomapatienten haben öfter Sex als Feministinnen.

Bundesregierung greift ein

Bevor der Kampf entschieden ist, können beide Spieler noch Aktionskarten einsetzen. Dabei gilt, es seinem Gegner rechtzeitig in die Parade zu fahren. In jeder Runde dürfen maximal eine AG- oder zwei B-Karten gespielt werden. Wer zuerst seine Aktionskarten auf den Tisch knallt, knallt somit auch dem Gegner eine rein. Die Aktionskarte „Die Bundesregierung greift an“ kann zum Beispiel von jedem Spieler nach einem Kampf gelegt werden. „Jede Minderheit hat egoistische Forderungen und Interessen. Im Interesse der Mehrheitsgesellschaft müssen diese unterdrückt werden. Spiele die Bedürfnisse der Minderheiten gegeneinander aus, indem du beweist, dass sich deren Ziele gegenseitig im Weg stehen“, steht darauf. Die vorgetragenen Gründe können laut Anleitung noch so absurd sein, ja vielleicht sogar frei erfunden. Egal. Die Bundesregierung gewinnt immer. Der Spieler der nach dem Ausspielen der Aktionskarten den Kampf gewinnt, nimmt die beiden Minderheiten und legt sie auf seinen Siegpunktestapel ab. Jeder Spieler zieht nun so viele Karten nach, bis er wieder drei auf der Hand hält. Die Runde ist beendet und der nächster Spieler darf eine Minderheit ins Rennen schicken.

Das Spiel endet, wenn kein Kampf mehr möglich ist. Jede gewonnene Minderheitenkarte zählt als ein Siegpunkt. Hat ein Spieler alle Minderheiten einer Gruppe gesammelt, gibt es Bonuspunkte; verbleiben AGB-Karten ungenutzt auf der Hand, zählen sie als ein Minuspunkt. Eine verbleibende Minderheitenkarte zählt nichts.

Wer sich jetzt selbst ein Bild von den Karten machen möchte, dem empfehlen wir unsere Bildergalerie:

Fiktive Testrunde mit Sarrazin, Künast und Yogeshwar

Da wir das Minderheitenquartett selbst nicht gespielt haben, veröffentlichen wir an dieser Stelle eine fiktive Testpartie, die der Verlag in seiner Spielanleitung beschreibt. Anwesend sind Thilo Sarrazin, Renate Künast, Ranga Yogeshwar und „Beckmann“.

Runde 1, Das Spiel beginnt: Nach einem Streit, wer in der Runde der Dümmste sei, wird es „Beckmann“ zu bunt. Ganz der Moderator, versucht er zu schlichten: “Kinder, hört doch mal auf zu zanken! Wenn ihr euch nicht einigen könnt, fängt halt der Papa an. Komm Ranga, ich fordere dich heraus. Und zwar in der Kategorie hmm… sagen wir mal: Bildungsniveau.“ und legt seine Karte verdeckt auf dem Tisch ab.

Jetzt ist Ranga unter Zugzwang. Er muss sich nun in einer anderen Kategorie verteidigen, fängt an zu grübeln und schaut in sein Blatt: Autisten, Harz IV-Empfänger und eine Gesellschaftskarte. “Mal überlegen: Minderheiten, die besonders gebildet sind haben meist geringe Werte in der Kategorie Schamgefühl. Meine Harz IV- Empfänger haben dort den Bestwert von 5 Sternen, dafür aber ein Bildungsniveau von 0; könnte eng werden. Die Autisten hingegen sind mit 2,5 Sternen etwas schlauer und schämen sich ob ihrer Behinderung mit 4 Sternen. Das könnte klappen!”, denkt Ranga und zieht die Karte frohen Mutes aus seiner Hand. Doch was der berechnende Wissenschaftsanimateur nicht weiß, ist dass „Beckmann“ die Karte Feministen spielt.

Feministen sind von Natur aus mit einem sehr geringen Selbstwertgefühl ausgestattet, wofür sie sich mit verkehrten Vorzeichen bei jeder Gelegenheit lautstark schämen.

Jetzt liegen beide Karten offen auf dem Tisch und die Werte werden addiert.

Die Feministen kommen in den Kategorien Bildungsniveau und Schamgefühl mit jeweils 3,5 Sternen auf einen Kampfwert von insgesamt 7 Sternen, die Autisten bringen es leider nur auf insgesamt 6,5. Ein knapper Sieg nach Punkten für „Beckmann“, doch obwohl es nur so knapp war, tritt dieser unfair nach: “Herr Yogeshwar, eine Frage. Das interessiert mich jetzt; lassen sie mich da mal nachhaken: Wie ist das so, wenn man von einem so gutaussehenden Moderator so vernichtend geschlagen wird? Wie fühlt sich das an? Und reden sie sich nicht damit raus, dass Sie Halb-Inder wären, diese Karte gibt es nämlich nicht!“

Doch es können auch mal so richtig die Fetzen fliegen, wie ein anderes Beispiel beweist:

Runde 2, Thilo ist an der Reihe: „Eigentlich möchte ich hier niemanden provozieren. Also verstehen Sie äh.. es bitte als Satire, wenn ich jetzt Sie herausfordere, Frau Künast!“ „Ich werde es versuchen. Hahahahö-grunz“, sagt sie und lacht dabei etwas zu laut.

Thilo Sarrazin spielt die Juden-Karte in der Kategorie Wohlstand aus. Renate Künast spielt die Nazis in der Kategorie Homogenität. Rangar Yogeshwar meldet sich, „Beckmann“ nimmt ihn dran: „Lasst mich die Sterne zusammen zählen, schließlich kenne ich mich voll mit Wissenschaft aus und so. Mal sehen: Die Juden 5 + 4, grübel… und die Nazis zähl … 9 : 5,5. Thilo gewinnt.“

„Prima.“, gerade will Thilo nach den Karten greifen, da fährt es aus der Künast nur so heraus, dass die Funken sprühen: „MOMENT MAL! Nicht so schnell, Freundchen. Juden sind vielleicht besser als Nazis, aber meine Karte ist Trumpf. Da steht nämlich drauf: Nazis schlagen Juden und Neger, also gewinne ich! In your face Sarrazin, in your face!!“

Künast freut sich diebisch ob ihrer Schläue und grapscht nun ihrerseits gierig nach den Karten. Doch Thilo wäre nicht der Sarrazin, hätte er nicht noch ein Ass im Ärmel, in diesem Fall eine Aktionskarte. „Ich spiele die Karte: Die Bundesregierung greift ein.“, sagt er und lässt sie lässig auf den Tisch gleiten.

Renate explodiert: „Das kann ja wohl jetzt nicht Ihr `ERNST sein!?! Wie wollen Sie sich denn da schon wieder raus reden?! Passen Sie bloß auf, was Sie sagen!“

„Nun ja, es ist doch so: Die Juden zu kritisieren, meinetwegen für – sagen wir mal den Siedlungsbau, ähm… Dann kann man das hier in Deutschland ja nicht tun, ohne Gefahr zu laufen, als Nazi verdächtigt zu werden. Denn dann kommen immer sofort solche, auf dem linken Auge blinden Reflexe, die einem aus sozial-romantischen Gründen den Mund verbieten, damit man nicht den imaginären Multi-Kulti-Frieden stört. Und ein ‚Gedankenverbrecher‘ geschimpft zu werden, wäre schließlich nicht so ‚doppel plus gut‘ für die Karriere, nicht wahr Frau Künast?“ Renate Künast ihr Gesicht schlägt fehl. Der hat gesessen und sie endlich ruhig gestellt. Zwei Punkte für Thilo: Er darf die Minderheiten in seine Wertegemeinschaft assimilieren…

Aus Respekt gegenüber den verschiedenen Denk-Kulturen unserer Testspieler, möchten wir nicht verraten, wer nach dem Auszählen der gesammelten Karten das Spiel für sich entscheiden konnte. Schließlich sind doch alle Menschen gleich!

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Ein Kommentar zu “Minderheiten in die Tasche stecken

  1. Renate Künast und „die notwendige Ökodiktatur”

    In einem Beitrag mit dem Titel „The Greening of Berlin” stellte Roger Boyes, Berliner Korrespondent der Times, in (nur teils) satirischer Form die Frage an Renate Künast, ob sie in der Lage sei, als neue Bürgermeisterin Berlins „die notwendige Ökodiktatur” in der verschuldeten Hauptstadt durchzuziehen. Schließlich müsse Berlins „unmögliches” Schuldenniveau durch „intelligente Kürzungen” gesenkt werden. Würde sie eine Art „Ökodiktatorin” sein, eine grüne Imelda Marcos? Wogegen sich in kleineren Städten wie Marburg Widerstand rege, nämlich „Ökodiktatur”, könnte sich, so Boyes, für Berlin als „einziger Weg erweisen, das Verhalten in Berlin zu ändern.”

    Zum Schluß schreibt er in schöner Offenheit: „Trotz ihrer öffentlichen Darstellung in der Boulevardpresse ist Künast keine Revolutionärin.” So habe Großbritanniens Prinz Charles Renate Künast einmal zu seiner deutschen Lieblingspolitikerin erkoren. Eine „besondere anglo-deutsche Achse” zwischen einem „Ökokönig Charles” und einer „Bürgermeisterin Künast” sei denkbar, bei der beide dann Ideen über die postindustrielle Zukunft austauschen könnten.

    Davon hat Berlin und Deutschland schon mehr als genug erlebt. Es ist Zeit, den grünen Spuk zu beenden, die königlichen Spinnweben von den Wänden abzufegen und das Haus seinem eigentlichen Besitzer zurückzugeben.

    http://bueso.de/news/renate-kunast-und-prinz-charles-allianz-besonderen-art

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