Martin Schlegel bringt Kindernothilfe ins Spiel

Martin Schlegel. Foto: Kindernothilfe/Ralf Kräme

Martin Schlegel ist nebenberuflich Spiele-Erfinder. Etwa 30 seiner Spiele sind bereits publiziert worden. „Aqua Romana" bescherte ihm seinen bisher größten Erfolg: Es wurde für das „Spiel des Jahres 2006" nominiert. 85 Prozent seines Honorars spendet der langjährige Kindernothilfe-Pate für Projekte der Duisburger Organisation.

„Hier ist das Ufer mit den Stationen der Forscher. Sie müssen von der Station möglichst lange Bohlen über den Sumpf des Amazonas legen", erklärt Martin Schlegel und schiebt Plättchen über das grüne Spielbrett. „Der Tierfänger kann dann über die Bohlen gehen und die Krokodile fangen." Martin Schlegel aus Hagen ist passionierter Spiele-Erfinder. Der gelernte Diplom-Kaufmann tüftelt pfiffige Taktiken und clevere Winkelzüge zunächst einmal im Kopf aus. Erst viel später bringt er seine Gedanken zu Papier. Dabei kommt ihm zugute, dass er schon seit seiner Kindheit im Kopf Schach spielen kann. Seinen Lehrer hat er besonders damit beeindruckt, dass er gegen zwei Mitschüler „blind" spielte. Beim Schach brachte er es sogar zum NRW-Jugend-Meister und ist auch heute noch Mitglied in einem Verein. Von seinem Vater hat er die kreative Ader geerbt, von der Mutter die mathematische – fürs Spiele-Erfinden eine geniale Kombination!

Erstes Spiel, erste Erfolge

Anfangs hat der Spiele-Tüftler und Kindernothilfe-Pate vorhandene Spiele verändert. Absolut genial ist sein Mensch-ärgere-dich-Nicht: Bei der handelsüblichen Ausgabe können nur vier Personen mitspielen. Martin Schlegel entwickelte ein sechsteiliges Spielbrett: Je nach Zahl der Mitspieler können die mehreckige Holzteile zu einem neuen Spiele-Parcour zusammengelegt werden.

Seit 1990 entwickelt er eigene Spiele. Im selben Jahr beteiligte er sich zum ersten Mal an einem Wettbewerb für Spiele-Autoren. Sein Spiel schaffte es direkt unter die ersten zehn – bei immerhin rund 150 Konkurrenten. Doch erst sechs Jahre später wurde das erste Schachtelspiel produziert, das auch heute noch auf dem Markt ist: „Mit Mose durch die Wüste". „Diese sechs Jahre dazwischen waren eben Lehrjahre", resümiert Schlegel. Das Mose-Spiel entwickelte er zusammen mit seiner Frau, die Religionslehrerin ist. „Meine Spiele sind am Anfang immer unheimlich verkopft", gibt er zu, „man muss viel zu viel nachdenken, die Glückskomponente ist zu gering. Dann interveniert meine Frau. " 30 Spiele sind im Laufe der Jahre publiziert worden, davon 17 in einer Zeitschrift.

„Ich mach aus Kaffee-Tassen und einer Kanne ein Spiel"

Die Ideen gehen dem pensionierten Statistiker nie aus: „Wenn ich jetzt die Sachen hier auf dem Tisch sehe, die Tassen, die Kanne, dann könnte ich Ihnen daraus ein Spiel machen." Er hat oft fünf Spiele gleichzeitig in der Mache. Seine Frau ist die erste, die sie zu Gesicht bekommt. „Ich bin immer ganz gespannt, was er sich da wieder ausgedacht hat. Manchmal bin ich auch seine härteste Kritikerin." Für „Top oder Flop" brauchte der 61-Jährige gerade mal ein halbes Jahr. Aber das war eine Ausnahme. „Normalerweise ist unter einem Jahr überhaupt nichts drin. Schon allein deswegen, weil ein Spiel zwischendurch mal eine Weile in der zweiten Reihe verschwindet." „Es muss reifen", ergänzt seine Frau. Da kann es auch schon mal vorkommen, dass er einen Entwurf wieder hervorholt und seine eigenen Spielregeln nicht versteht – ein Zeichen, dass hier noch Änderungsbedarf besteht! In einem Zimmer im 1. Stock lagern noch unzählige Kartons von unfertigen Spielen. „Die schmeißt man nicht weg, die warten auf einen", sagt er schmunzelnd.

Aus Ölpipelines werden Aquädukte

Der Vorläufer von "Aqua Romana". Foto: Kindernothilfe/Ralf Krämer

Oft hat der mittlerweile pensionierten Statistiker fünf Spiele gleichzeitig in der Mache. Seine Frau ist die erste, die sie zu Gesicht bekommt. Wenn Ehefrau Erika und andere Tester ein Spiel für gut befinden ( „und nicht während der Spielphase zur Toilette gehen oder plötzlich fragen, wie es im Urlaub war"), dann reicht Martin Schlegel es bei Verlagen ein. Und dann kann es vorkommen, dass aus Bohlen über einen Sumpf Öl-Pipelines und schließlich römische Wasserleitungen werden…

So wie im anfangs beschriebenen Spiel. Die Ursprungs-Idee war, über Bohlen zu wandern und Krokodile zu fangen. Nach einer Krokodil-Rasse in Brasilien sollte das Spiel „Jacaré" heißen. Der Verlag fand die Idee an sich super, das Thema aber völlig daneben. Martin Schlegel war richtig glücklich, als ihm dann die Idee kam, die gleiche Technik und Taktik einfach auf ein Ölfeld zu verlagern. Neuer Titel: „Rockefeller".

Der Verlag fand auch dieses Thema furchtbar. Trotzdem kaufte er die Idee – und versetzte die Handlung einfach in die Antike und verwandelte die Pipelines in römische Wasserleitungen. Unter dem Titel „Aqua Romana" wurde das Spiel produziert und landete gleich unter den fünf Nominierungen für das „Spiel des Jahres 2006". Inzwischen gibt es das Spiel in sechs Sprachen. Im ersten Jahr verkaufte der Verlag 15.000 Exemplare. Schlegels dachten sich, dass sie mit diesem Geld auch etwas Gutes tun könnten. Und so spenden sie 85 Prozent des Honorars für dieses Spiel an die Kindernothilfe.

Seit fast 30 Jahren Kindernothilfe-Pate

1977 besuchten die Hagener eine Freundin in Indonesien, die dort in der Entwicklungszusammenarbeit tätig war. Sie kannte eins der Projekte, die die Kindernothilfe in dem Inselstaat fördert, und empfahl dem Ehepaar, für eins der Kinder eine Patenschaft zu übernehmen. So begann 1978 das fast 20-jährige Engagement der Schlegels.

Allerdings schlägt Erika Schlegels Herz vor allem für Südamerika. Vor einer Reise dorthin fragte sie bei der Kindernothilfe nach, ob sie nicht auch dort Projekte haben. Patenkind Jhonny Orellana Silvester aus Bolivien unterstützten Schlegels 16 Jahre lang. Zweimal haben sie ihn besucht, lange Zeit gingen Briefe hin und her. „Vor ein paar Jahren hat noch einmal geschrieben: Ich bin jetzt Lehrer wie Sie", erzählt Frau Schlegel und blättert in einem Fotoalbum. „Als er Abitur gemacht hat, hat er uns Fotos geschickt. Er hat auch Musik gemacht und uns eine Kassette geschickt, die er mit seiner Band aufgenommen hatte. Zwischen uns hatte sich ein sehr persönlicher Kontakt entwickelt." Zwei Patenkinder in Chile hat das Ehepaar ebenfalls vor einigen Jahren besucht. „Man hat einen anderen Kontakt zu Kindern, die man mal gesehen hat. Wir haben auch eine Patenschaft ohne Briefkontakt in einem Projekt für behinderte Kinder in Brasilien, aber ich merke, mein Interesse an dem Projekt wächst, wenn ich dort ein Kind mit Namen kenne. Die Kinder in Chile hab ich vor meinem inneren Auge, die Leute, die dort arbeiten, die Tagesstätte. Über die Kinder bekommt man einen engeren Zugang zu den Problemen eines Landes und der Menschen dort."

Hinweis der Redaktion: Die Autorin des Artikels ist Redakteurin der Kindernothilfe.

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