Kein Spiel wie ein anderes

Risiko Evolution. Fotos: Sebastian Wenzel
Das, was jetzt passiert, ist streng verboten. Journalisten beginnen ihre Artikel nie mit einer Binsenweisheit. Gemeinplätze langweilen die Leser. Das ist schlecht. Schließlich sollen meine Text fesseln. Ich will den Leser mit meinen Wörtern schmeicheln, sie umgarnen und bezirzen. Ich möchte sie verführen – aber mit Stil. Eine Binsenweisheit ist dazu das falsche rhetorische Mittel. Sie ist wie ein Anmachspruch, den keiner hören will. Doch diesmal geht es nicht anders. Deswegen meine Bitte: Bleibt mir treu – auch über den nächsten Satz hinaus.

Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung. Puh, jetzt ist es also raus. Ihr seid noch da? Schön. Was diese Binsenweisheit mit Spiele zu tun hat? Nun ja, sie gilt neuerdings auch für Gesellschaftsspiele. Hasbro hat den Klassiker „Risiko" als „Risiko Evolution" neu veröffentlicht. Das besondere daran: Die Spieler verändern das Spiel während und nach jeder Runde. Sie zerreißen Karten und werfen diese in den Müll. Sie kritzeln mit einem schwarzen Stift auf dem Brett herum und pappen Aufkleber darauf. Sie öffnen Päckchen mit neuen Regeln und kleben die Anweisungen in die Anleitung. Das sorgt für ein nie gekanntes Spielgefühl. Die Spieler identifizieren sich mit ihrer eigenen „Risiko Evolution"-Welt.

Siegpunkte statt Aufträge

Beim klassischen „Risiko" erfüllen die Spieler einen geheimen Auftrag oder reißen die Weltherrschaft an sich. Bei „Risiko Evolution" benötigen erfolgreiche Feldherren und -frauen lediglich vier Siegpunkte zum Jubeln. Die erhalten sie, indem sie feindliche Hauptquartiere erobern, Missionen erfüllen oder Ressourcen-Karten in Siegpunkte umtauschen. Weiterer Unterschied zum Original: Jeder steuert bei „Risiko Evolution" die Geschicke einer Fraktion und profitiert von deren Spezialfähigkeiten. Eines ist jedoch gleich geblieben: „Risiko Evolution" ist herrlich ungerecht. Ein Verteidiger kann mit zwei Einheiten nach wie vor zwanzig attackierende Armeen niederwürfeln. Vorausgesetzt, die Würfel rollen und wollen so wie der Verteidiger es sich wünscht.

Alle, die das und das kriegerische Thema nicht abschrecken, sollten zugreifen – und sich damit abfinden, dass die Gegner ihre Genugtuung über ihren Sieg auf auch dem Spielbrett verewigen. Gewinner dürfen unter anderem einen Kontinent taufen. Womit wir wieder bei den Komplimenten wären. Bekannte von mir kämpfen nicht in Asien, Afrika und Europa, sondern in Schnuckihausen, Hasi-en und im Butzelmutzel-Land. Beliebt ist es auch, dem Besitzer des Spiels deutlich zu machen, wer in seiner Welt eigentlich das Sagen hat. Auf mein Spielbrett schrieb ein so genannter Freund: „Einmal ist Glück, zweimal ist Können". Klar, dass er in der nächsten Partie mein Lieblingsgegner wird. Das Beispiel zeigt: Idealerweise spielt man „Risiko Evolution" immer mit der selben Gruppe. Schließlich erhalten Sieger oft Vorteile, die in späteren Partien nur für sie gelten.

Das Spiel funktioniert auch mit wechselnder Besetzung, verliert dann aber an Charme. Das gilt auch, wenn man zu neugierig ist. Weitere Aufkleber und Regeln kommen erst nach und nach ins Spiel. Wer die zugeklebten Päckchen mit den Neuerungen zu früh öffnet, beraubt sich der Vorfreude. Wer konsequent ist, wird ein Geheimnis sogar nie lüften. Unter dem Tiefziehteil ist ein besonderes Päckchen versteckt. Drauf steht: Nicht öffnen. Niemals. Was passiert, wenn einen die Neugier trotzdem packt? Keine Ahnung. Sehr wahrscheinlich gilt aber auch in diesem Fall: Die einzige Konstante im „Risiko Evolution"-Universum ist die Veränderung.

Übrigens: Warum Binsenweisheiten nicht nur langweilig, sondern auch falsch sein können, erklärt der Fotograf Christian Lapp auf seinem Blog. Er sagt: „Die einzige Veränderung ist die der Konstante."

Risiko Evolution

  • Spieler: drei bis fünf Spieler ab 13 Jahren
  • Dauer: In den ersten Partien etwa 30 Minuten, danach zwischen 45 und 150 Minuten
  • Preis: etwa 55 Euro
  • Autor: Rob Daviau und Chris Dupis
  • Verlag: Hasbro/Heidelberger Spieleverlag

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