Ich spiele, also bin ich

"Ein gemeinsamer Spiele-Abend stärkt und vereint die Familie, vermittelt Sicherheit und ein Stück Geborgenheit. Und es zeigt den Kindern, dass Mama und Papa Zeit für sie haben", meint der Spieleforscher Lars Thoms von der Fachhochschule Dortmund. Foto: Jörn Buchheim/fotolia.com
Zugegeben, die Meinung von Lars Thoms ist eher unkonventionell und entspricht nicht den aktuellen Wahrnehmungen. Für den Spieleforscher an der Fachhochschule Dortmund steht aber fest: "Das Brettspiel überlebt die Spielkonsole". Wie er und andere Experten zu dieser Einschätzung kommen und warum das Ritual Spielen für große und kleine Kinder so wichtig ist, hat das Christliche Medienmagazin pro untersucht. zuspieler.de veröffentlicht Auszüge aus dem Artikel von Dr. Johannes Weil.

Bei "Risiko" kann man mit dem Würfel und einer guten Strategie die Welt erobern. Für den Immobilien-Monopolisten ist der Besitz von "Parkstraße" und "Schlossallee" meis tens der erste Schritt zum Erfolg. Und um bester "Siedler von Catan" zu werden, ist neben dem Würfelglück auch der kluge Einsatz von Rohstoffen entscheidend.

Ganz klar: Spielen ist mehr als die "Überlistung der Mühe durch das Angenehme", wie es der Pädagoge Ernst Christian Trapp schon am Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben hatte. "Spielen bringt motorische und sensorische Erfahrungen, die die Menschen später benötigen", betont Ruxandra Siretranu vom Max-Planck-Institut in Frankfurt im "Focus"-Interview. Dies bestätigt die Lerntrainerin Brigitte Haberda gegenüber pro und verweist auf einen weiteren Aspekt in der wissenschaftlichen Diskussion: "In Gesellschaftsspielen kommt meist einer nach dem anderen zum Zug. Dieses serielle Denken wird beispielsweise in der Mathematik beim Dividieren benötigt. Es ist sehr bedauerlich, dass diese natürliche und lustbetonte Form der Aktivierung heute von so vielen Kindern nicht mehr genutzt wird."

Lernen für heute – und später

Dass durch Spiele wie Memory die Merkfähigkeit erhöht wird, dürften auch erwachsene Gelegenheitsspieler gemerkt haben. "Gerade Flexibilität und die Maßgabe, sich an Regeln zu halten, wird wohl nirgends so eindringlich und gleichzeitig mit so viel Vergnügen trainiert wie beim anspruchsvollen Brettspiel", betont der ehemalige Vorsitzende der Jury "Spiel des Jahres" Uwe Petersen in einem Internetbeitrag.

Weil viele Kinder nicht mehr gemeinsam spielen, gibt es Einrichtungen wie das Felsenweg-Institut in Dresden, die die Bedeutung von Brettspielen wieder im Bewusstsein der Menschen und im öffentlichen Leben verankern wollen. Ihr Ziel ist es, dort gegenzusteuern, wo sich Erwachsene keine Zeit mehr nehmen, um mit ihren Sprösslingen zu spielen. "Es gibt darüber hinaus noch viele Ehrenamtliche, die das Spielen Generationen übergreifend vermitteln. Dieser Einsatz ist gar nicht hoch genug zu bewerten", betont der Spielautor Wolfgang Kramer gegenüber pro. Er hat unter anderem den Familienklassiker "6 nimmt" sowie das Spiel des Jahres 2000 "Torres" entwickelt.

Sicherheit und ein Stück Geborgenheit

Ein Großteil der Jugendlichen bevorzugt nämlich zu früh den Computer als wichtigsten Spielpartner. Vor den Folgen warnte der Kölner Mediziner Rainer Riedel im März bei einem Jugendmedizin-Kongress in Weimar: "Zu viel PC- und Spielekonsum kann die Gesundheit schädigen." Medienerziehung sollte deswegen aus Sicht der Mediziner ebenso Bestandteil der Prävention sein wie die Ernährungsberatung.

"Kinder im Medienzeitalter haben manchmal Schwierigkeiten, auszuhalten, dass nichts passiert", ergänzt die Psychotherapeutin Marlies Matt in ihrem Familienhandbuch. Neben Sprach- und Bewegungsdefiziten und steigendem Aggressionspotenzial gebe es aber noch ein ganz anderes Problem: Jugendliche seien nicht mehr in der Lage, sich in Ruhe hinzusetzen und mit anderen zu spielen.

Für Lars Thoms von der Arbeitsstelle für Spieleforschung und Freizeitberatung der Fachhochschule Dortmund bleibt das Brettspiel auf alle Fälle weiter Bestandteil der westlichen Kultur: "Auch als die Videofilme auf den Markt kamen, sahen viele schon das Ende des Brettspiels. Die Umsatzzahlen haben damals das Gegenteil bewiesen und es wurde sogar mit der Verleihung von Spielpreisen wie dem “Spiel des Jahres” begonnen", sagt Thoms gegenüber pro. "Beim Computer merken die Menschen am Ende doch, dass sie alleine davor sitzen. Wenn mehrere Kinder zusammen sind, wollen sie aber meistens gemeinsam etwas spielen."

Dieser Artikel erschien zuerst im Christlichen Medienmagazin pro.

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