Gesichter für Brettspiele

Früher zeichnete Michael Menzel Cartoons für Magazine und Zeitungen. Mittlerweile widmet sich der freiberufliche Illustrator in erster Linie der Gestaltung von Brettspielen Früher zeichnete Michael Menzel Cartoons für Magazine und Zeitungen. Mittlerweile widmet sich der freiberufliche Illustrator in erster Linie der Gestaltung von Brettspielen. Fotos: Kosmos, Hans im Glück, Eggertspiele. Montage und Bearbeitung: Sebastian Wenzel

Michael Menzel ist einer der gefragtesten Spiel-Illustratoren Deutschlands. Seine Cover und Spielplangestaltungen räumen regelmäßig Preise ab. Aktuell arbeitet er an den letzten Grafiken zur Modernisierung der Catan-Familie. zuspieler.de veröffentlicht ein Interview, dass die Kosmos-Mitarbeiterin Doris Glasz mit ihm geführt hat. Darin verrät er, was Zeichnungen für Bücher und Spiele verbindet und welches Spiel er gerne illustrieren würde.

Herr Menzel, kann man vom Spiele illustrieren eigentlich leben?
Ja. Und sogar gut, wenn man sehr fleißig ist.

Beim Thema Medien-Illustration denken die meisten sofort an Bücher. Wie haben Sie die ungewöhnlichere Sparte der Spiele für sich entdeckt?
Leider kann ich nicht behaupten, meinen Weg dahin selbst gewählt zu haben. Eher war eine Reihe glücklicher Zufälle daran Schuld. Spiel- und Buchillustration haben einen wesentlichen Punkt gemeinsam: Sie dienen beide einem höheren Zweck, nämlich der dahinterstehenden Geschichte oder eben dem Spiel. Man kann sie also nicht als freistehende Kunstwerke für sich betrachten, sondern muss sie immer im jeweiligen Kontext sehen. Bei Illustrationen für Spiele ist es besonders wichtig, dass sie ihre „untergeordnete“ Funktion gut erfüllen, ohne dabei das Spiel in seinem Ablauf zu behindern. Dieser Punkt ist bei Spielen sicher ausgeprägter als bei Büchern. Das empfinde ich jedes Mal aufs Neue als eine sehr spannende Herausforderung.

Wie muss man sich die Herangehensweise an ein Spiel vorstellen, dem noch das passende Gesicht fehlt?
Meine Vorgehensweise lässt sich grob betrachtet in drei Phasen unterteilen: Zunächst stelle ich mir die Frage, welche Funktionen das Spielmaterial erfüllen soll. In der Regel spiele ich dafür den noch ungestalteten Prototyp selbst, um mögliche Problemstellen besser zu erkennen. Sobald die Funktionen stimmig sind, starte ich mit der Illustration. Dabei muss ich immer auch die jeweilige Zielgruppe im Auge haben. Bei Kinderspielen gelten ganz andere Maßstäbe als bei Spielen für Erwachsene. Während Kinder sich für lustige Tierchen auf Spielkarten begeistern können, finden Erwachsene etwa eine detailreiche Abbildung einer mittelalterlichen Stadt auf dem Spielplan ansprechend. Je nach Thema ist bei der Anfertigung der Illustrationen auch Recherche nötig. Zum Schluss wird am fertigen Spielmaterial nochmals gefeilt. Dann wird etwa überlegt, wie Spielabläufe durch unterstützende Illustrationen noch eingängiger gemacht werden können. Wenn am Ende ein schönes und gleichzeitig perfekt funktionierendes Spiel entsteht, ist das vor allem der erstklassigen Teamarbeit von Redakteur, Autor und Illustrator zu verdanken.

Als Laie hat man gerne noch die romantische Vorstellung eines chaotischen Künstler- Ateliers vor Augen, mit klecksenden Farbtuben, Staffelei und knisternden Papierbögen. Wie sieht es in Wirklichkeit bei Ihnen aus?
Ich arbeite fast ausschließlich digital. Selbst erste Skizzen entstehen zum Großteil am Computer. Dazu verwende ich ein Grafiktablett. Darauf zeichne ich mit einem speziellen Stift, der den Stiftandruck übernimmt. Dieses sogenannte „digital painting“ ist, obwohl ich keine Farbtuben benutze, sehr malerisch. Es ist eine sehr effiziente Technik und kein bisschen chaotisch.

Derzeit arbeiten Sie am umfassenden Catan-Relaunch, der bis Ende 2010 abgeschlossen ist. Gibt es für Sie eine ganz besondere Verbindung zu diesem Klassiker?
Ja, auf jeden Fall. Durch die Computerspielumsetzung von “Die Sternenfahrer von Catan” bin ich damals in die Brettspielbranche gerutscht. Catan zu illustrieren war immer ein großer Wunsch von mir. Mit der Neugestaltung der „Catan Online Welt“ durfte ich mich zum ersten Mal als Illustrator beweisen. Die Zusammenarbeit mit Klaus Teuber und dem Catan-Team ist einfach herrlich, nicht zuletzt, weil mir viel Freiheit bei der Gestaltung gelassen wird.

Gibt es nach all den Spielen, die Sie bereits illustriert haben, noch offene Wünsche? Was für ein Spielthema möchten Sie unbedingt noch umsetzen?
Ich möchte sehr gerne mal ein abstraktes Spiel illustrieren. Ich stelle mir dabei etwas sehr Elegantes vor mit ebensoviel Detailreichtum wie in meinen Themenspielen. Ansonsten bin ich sehr glücklich damit, wie es derzeit läuft und zufrieden mit der großen Bandbreite an Themen, die ich illustrieren darf.

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