Gedankenspiele

Bei Pregame erfinden die Spieler die Regeln selbst und schreiben sie auf leere Bierdeckel. Foto: Sebastian Wenzela

Peter Uthess möchte mit seinem Spiel Menschen verändern. Damit das klappt, müssen die Menschen aber zuerst sein Spiel verändern. Bei Pregame gibt es (fast) keine Regeln. Diese entwickeln die Spieler selbst. Dadurch unterscheiden sich alle Partien. Mal dreht sich alles um Gedanken und Taten zum Klimasch(m)utz, mal um persönliche Wünsche, mal um Partnerschaften.

Pregame ist eine Mischung aus Brettspiel, Brainstorming, Teambildung und Gruppenbildungsprozess. Seine Ursprünge hat es im Hartz IV Monopoly, das Arbeitslose entwickelten. Ihre Absicht war es, bei Veranstaltungen auf dem Viktualienmarkt in München das Publikum spielerisch mit den Problemen der verarmten Gesellschaft vertraut zu machen. Am meisten Spaß machte den Autoren dabei nicht das Spiel selbst, sondern die Entwicklung davon. Diese Erkenntnis ist die Idee hinter dem Spiel der Spielentwicklung, dem Spiel vor dem Spiel, dem Pregame. Der offene Ansatz von Pregame – es gibt keine vorgefertigten Regeln – soll die Kommunikation innerhalb der Gruppe fördern. Peter Uthess, Erfinder von Pregame, erklärt in diesem Video, wie das funktionieren soll:

Spielbrett aus leeren Bierdeckeln

Der Mechanismus ist simpel: Der Spielplan besteht aus leeren Bierdeckel-Feldern. Die Spieler würfeln und wandern mit ihren Figuren auf dem Plan vorwärts. Jeder, der auf einem leeren Feld stoppt, personalisiert den Bierdeckel und gibt vor, was Mitspieler, die in Zukunft auf das Feld kommen, machen müssen. Das können Dinge sein, wie von ihrem Lebenstraum erzählen, etwas rot anmalen oder kurz den Raum verlassen. Die Regeln sollen die Mitspieler dazu bewegen, sich über das gewählte Oberthema Gedanken zu machen. Das Ziel des eigentlich ziellosen Spieles: Jeder soll gewinnen, es soll die Kreativität anregen und Menschen motivieren. Mehr noch: „Jeder Mitspieler erlebt und erfährt direkt die Auswirkungen seiner Entscheidung. Jeder lernt, sich und anderen darin zu vertrauen, dass die getroffenen Entscheidungen einen natürlichen Platz in dem sich entwickelnden Prozess einnehmen, der von allen Beteiligten respektiert wird. Die Mitspieler sollen sich über eine längere Zeit emotionale verbunden fühlen“, schreiben die Macher im Internet. Das sind hehre Ziele, doch sind sie auch realistisch?

Pregame polarisiert

Die Erfinder präsentieren Pregame im Moment noch vor allem in Bayern. Da die zuspieler.de-Redaktion größtenteils in Berlin sitzt, hatten wir bisher noch keine Gelegenheit, das Spiel auszuprobieren. So richtig begeistern mag uns das Konzept aber aufgrund des alleinigen Regelstudiums nicht. Auch die Reaktionen bisheriger Testspieler sind gemischt. Einige mögen die grundsätzliche Infragestellung des Mediums Spiels und die Magie, die das Pregame ausstrahlt. Andere langweilte oder verwirrte es. Einige Mitspieler fürchteten sich sogar davor. Und das wiederum spricht für die Idee. Denn ein Spiel, das so starke Gefühle auslöst und Menschen polarisiert kann so schlecht nicht sein.

Finanzierung durch die Masse

So ungewöhnlich wie die Spielidee ist auch die Finanzierung. Die Macher haben mit ihrem Spiel noch viel vor. Sie wollen Pregame-Seminare anbieten, eine überdimensionale Pregame für Messen bauen und das Spiel in Serie produzieren. Dafür brauchen sie Geld und suchen auf der Webseite mySherpas Sponsoren, die sie unterstützen. Die Idee des Portals: Menschen präsentieren ein Projekt, an das sie glauben, für dessen Umsetzung ihnen aber das Startkapital fehlt. Dann rühren sie die Werbetrommel über Freunde, Bekannte, soziale Netzwerke oder die Medien. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Sponsoren zu finden. Diese tragen durch ihre finanzielle Hilfe dazu bei, das Projekt zu realisieren. Als Gegenleistung erhalten die Sponsoren vom Projektinhaber Prämien, die in engem Zusammenhang mit dem Projekt stehen.“ Wer 10 Euro spendet, bekommt zum Beispiel einen Zugang zum Pregame-Entwickler-Forum. Für 50 Euro erhält man ein Spielbrett, Figuren, Würfel und 100 leere Spielkarten. Am 1. März 2011 hatten die Macher auf diese Art und Weise immerhin schon 260 Euro gesammelt.

Tipps zum Weiterlesen und -spielen:


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3 Kommentare zu “Gedankenspiele

  1. Yes und ab 0,58 sec des Films wärs dann interessant geworden. Mich interessiert z.B., wie “Regeln” in dieser Spielart definiert werden? Meiner Ansicht nach, liegt bereits in einer Anweisung ein regelbasiertes Vorhaben. Aber jut, es kann natürlich auch ganz anders gesehen werden.
    Die Erfahrungen die wir mit “regelfreien” Spielen machen ist, dass es Mitspielern meist schwerfällt, sich selbst “Regeln”/bzw. Anweisungen zu geben, oder diese zu (er)finden. Hier entsteht ein Zwischenraum, der statt als Spielraum eher als Hohlraum wahrgenommen wird.
    Das wäre dann allerdings in der Tat das Spannende an der ganzen Geschichte: Wie und womit füllen? Und entsteht darüber tatsächlich ein Spiel auf – ich sag mal- Metaebene?
    Die Idee des Spielprinzips selbst ist glaube ich so neu nicht.

    • Hallo Máren,

      danke für den Komentar und du hast recht – ab 00:58 wird es interessant 🙂 das “Spie” ist noch recht “jung” und ich habe leider noch keinen brauchbaren Film (das was ich habe, ist gerade bei der Cutterin), der die Spilesituation hinreichend darstellt. Wie du schon richtig bemerkt hast bestehen die “Spielregeln” beim Pregame aus den Anweisungen, Fragen, Aufforderungen ect. die auf die freien Spilekarten geschrieben werden. WIe du weiterhin richtig bemerkst, ist es oft schwer als MitspielerIn, besonders wenn sich die SpielerInnen nicht oder nur wenig kennen, solch eine Herausforderung zu meistern. Darum ist bei Runden, wo viele neue, unbedarfte Spieler dabei sind, ein “Spielleiter” unerlässlich.

      Dieser Spielleiter sollte eine gewisse “spielpsychlogische Erfahrung” haben und vielleicht was über “gruppendynamische Prozesse” wissen. Denn wenn Menschen mit dem “Hohlraum” wie du sagst in berührung kommen, ensteht oft Angst und Unsicherheit. Aber genau diese Erfahrung, einen Schritt in den wirklich freien Raum zu tun, wo die persönliche neue Wahrnehmung stattfindet, das ist die Ideen von Pregame. An den Ort zu kommen, wo noch keine “Konzepte” greifen, wo alles noch richtig “Frisch” und unbelastet ist, das ist Pregame. Vor-Spiel – Vor den Regeln – Selbsterfahrung – Selbstbewusstsein. Das was ich als Anweisung auf die Karte schreibe wird von der Gruppe getragen und akzeptiert. Ich bestimme Selbst – Ich werde Selbstbestimmt 🙂

      Ist doch eine schöne (spielerische) Übung oder nicht – Ich wünsche Dir eine schöne Zeit in Berlin und vielleicht trifft Mann/Frau sich mal beim “Pregame”

      LG Peter

  2. Hallo Peter,
    dann bin ich gespannt, wann Teil 2 online steht:-)
    Es ist zumindest eine Spielart, die Denkmuster verändern kann.
    Ich wünsch euch viel Erfolg!
    LG Máren

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