Filmkritik: “All In – The Poker Movie”

Barry Carter war einer der ersten Journalisten, der die neue Poker-Dokumentation ‘All In: The Poker Movie’ sehen konnten. Dabei handelt es sich um einen Kinofilm, der zwar nach dem Black Friday veröffentlicht wurde, aber Szenen mit Howard Lederer vor dem Black Friday enthält. Barry erzählt uns, was die Zuschauer erwarten können. Seine Rezension erschien erstmals auf PokerStrategy.com.

Wenn man sich das Timing anschaut, dann hat All In: The Poker Movie entweder das beste, oder aber das schlechteste in der Filmgeschichte. Die Macher begannen bereits vor einigen Jahren mit den Aufnahmen, die Nachbearbeitung dieser endete allerdings erst kurz vor den Ereignissen des Black Friday (Am 15. April 2011, in der Poker community auch als „Black Friday“ bekannt, hat das FBI die Seiten Full Tilt Poker, Poker Stars und Absolute Poker in den USA gesperrt und den Verantwortlichen u.a. Geldwäsche vorgeworfen, Anmerkung der Redaktion). Für eine Dokumentation, welche die Entwicklung von Poker in Amerika darstellen soll, von den frühen Anfängen auf Flussbooten bis hin zum heutigen Stand der Dinge, waren das schlechte Nachrichten.

Die Produzenten mussten deshalb reagieren und das letzte Kapitel der Geschichte verlängern, um den Zuschauer auf den Status Quo der Pokerbranche zu bringen. So kommt es, dass wohl einer der interessantesten Aspekte des Films für Pokerfans der Umstand ist, dass Howard Lederer und Chris Ferguson beide im Film auftauchen – jedoch zu einer Zeit, als sie noch beliebte Personen der Pokerwelt waren.

Die Jahre des Booms

Im Film wird zunächst die bewegte Geschichte des Pokerspiels in Amerika erzählt: Von den ersten Spielern wie Doyle Brunson, über die Auswirkungen des Kultfilms ‘Rounders’, die Einführung von Online-Poker bis hin zur Einführung der Hole Card Kamera an Pokertischen. Und, natürlich, wie Chris Moneymaker 2003 das WSOP Main Event gewann.

Die üblichen Verdächtigen kommen ebenfalls alle vor: Phil Hellmuth, Daniel Negreanu, Phil Laak, Chris Moneymaker, Tom Dwan, Jennifer Tilly und wie sie alle heißen. Besonders beachtenswert ist wohl Matt Damon, der Star aus ‘Rounders’. Er erscheint im Film immer wieder als Botschafter des Spiels und ist auch heute ganz eindeutig noch ein leidenschaftlicher Spieler.

Die Story um Chris Moneymaker ist ein weiterer Schwerpunkt des Films. Sie wird wirklich gut erzählt. Wer seine Geschichte noch nicht kennt, wie er als kompletter Amateur gegen alle Wahrscheinlichkeiten den größtmöglichen Erfolg hatte und so einen weltweiten Pokerboom auslöste, der wird wohl wie alle anderen damals von dieser Story eingenommen. Dies ist wohl der ansprechendste Teil des Films.

Es wird deutlich, dass alle Entwicklungen um den Black Friday und den Full Tilt-Skandal im Vergleich mit dem restlichen Material sehr schnell eingearbeitet werden mussten. Es mag zwar schnell gegangen sein, aber die Produzenten haben es sehr ordentlich geschafft, dem Film einen neuen Schlussteil hinzuzufügen. Wenn überhaupt, dann hat diese Eile dem Film gut getan, denn im Rest der Story wird eher ein romantisches Bild von Poker vermittelt. Die Art der Darstellung des Black Friday wird so zu einer Art letzter Wendung in der Handlung des Films, welche die Gefühle aller Betroffenen am 15. April nahezu perfekt widerspiegelt.

Ein Kritikpunkt am Film von mir ist, dass die Bedeutung von Online-Poker vor dem Black Friday nicht korrekt dargestellt wurde. Da die meisten Interviewten aus dem Bereich Live-Poker kommen, wird ein Bild gezeichnet, in dem TV-Poker und nicht Online-Poker die größte Bedeutung für die Branche hatte. Online-Spieler waren dagegen im Film enorm unterrepräsentiert. Ein weiterer für dieses Jahr angekündigter Dokumentarfilm, ‘BOOM’, wird hier aber wohl für ein Gegengewicht sorgen.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist der, dass Poker außerhalb der USA kaum Erwähnung findet. Natürlich lag der Fokus klar auf der Geschichte von Poker in Amerika, die Macher des Films haben aber wie ich finde die einfache Chance verpasst, die Auswirkungen des Booms in den USA auf den Rest der Welt entsprechend darzustellen. Genauso hätten sie darstellen können, wie der Black Friday den Rest der Welt beeinflusst hat. Solch ein Blick über den Tellerrand hätte dem Film noch mehr Tiefe verliehen.

Die Darstellung von Howard Lederer & Chris Ferguson

Der größte Kritikpunkt am Film ist die Darstellung von Howard Lederer und Chris Ferguson. Beide Spieler werden am Ende des Films zwar namentlich als vom Justizministerium der Vereinigten Staaten angeklagt erwähnt. Doch diese Erwähnung wirkt nur nebensächlich, darüber hinaus werden beide in einem sehr positiven Licht dargestellt (Howard bekommt sogar eines der letzten Worte im Film).

Was am meisten fehlt, ist die große Welle der Empörung und Schmähung dieser beiden Männer in der Pokerwelt. Dass dies ausgelassen wurde, könnte viele Spieler, die den Film sehen, enorm verärgern.

Um einen Eindruck von dem was ich meine zu vermitteln, folgen hier ein paar Zitate aus dem Film, die alle vor dem Black Friday gesammelt wurden. Heute wirken sie fast komisch:

Annie Duke (während sie über Howards Zeit im Mayfair Club spricht): "Mein Vater meldete Howard bei der Polizei als vermisst."
Howard Lederer (über Rounders): "Ein großer Teil der Geschichte, abseits des Teils über Betrug, spiegelt mein Leben wider."
Howard Lederer (wieder über Rounders): "Was mich an der Story traurig macht, ist dass der Hero im Film cheatet. Die Heros im Pokerspiel cheaten nicht."
Howard Lederer (über Full Tilt):: "Keine der anderen Pokerräume werden von Pokerspielern betrieben. Wenn man Pokerspieler ist, sollte man dort spielen."

Ebenfalls tragikomisch wirkt das Ende des Films: Dort wird die Epic Poker League kurz als die Zukunft des Pokerspiels nach dem Black Friday bezeichnet.

Ich kann mir nicht helfen, aber diese letzten Punkte ruinieren einen ansonsten guten Film für jeden, der nicht an sein Geld auf Full Tilt Poker herankommt. Für alle anderen stellt der Film eine umfassende und gut erzählte Geschichte des Pokerspiels in den USA dar. Die Storyline um den Black Friday und FTP ist sehr gut eingearbeitet, was unter den gegebenen Umständen nicht einfach war. Ein Wermutstropen ist jedoch die sehr positive Darstellung von Howard und Chris, ohne dass berücksichtigt wurde, wie die beiden heute von der Poker-Community wahrgenommen werden.

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