“Es gibt zu viele neue Spiele”

Foto: spiele-offensive.de
Im Interview mit zuspieler.de verrät Björn Hübner vom Online-Versandhändler spiele-offensive.de, woran man erkennt, ob einem ein Spiel Spaß macht, welche Spieler jeder bedenkenlos kaufen kann und warum es zu viele neue Spiele gibt.

Du empfiehlst auf der Seite des Online-Versandhändlers spiele-offensive.de Gesellschaftsspiele. Wie hoch ist der Anreiz, nicht die besten, sondern die mit der höchsten Gewinnmarge zu empfehlen?
Ich achte bei meinen Ratschlägen nicht auf Gewinnmargen, sondern orientiere mich an meinem Gefühl und meinen Erfahrungen, die ich mit den Spielen gemacht habe. Manchmal kann für eine Empfehlung allerdings ausschlaggebend sein, dass das Spiel gerade im Angebot ist.

Du wirst wahrscheinlich – wie andere zuspieler.de-Leser auch – oft von Freunden vor dem Spielekauf nach Rat gefragt. Dein Tipp als Profi: Worauf sollten Mann und Frau bei einer Empfehlung achten?
Sie sollten ihre Freunde erst fragen, was sie gern spielen – sofern sie das nicht wissen. Dann sollten sie nicht einfach eines ihrer Lieblingsspiele empfehlen. Auch, wenn das Spiel toll ist, sollte man drüber nachdenken, ob es so einfach ist wie man es selbst empfindet. Oft hat man es schon häufig gespielt. Aber vielleicht beansprucht das Spiel für eine lockere Runde zu viel Sitzfleisch und ist zu verkopft.

Es sollte ein Spiel empfohlen werden, das einen übersichtlichen Rundenablauf hat und wenige Zusatzregeln besitzt, die jemand erläutern muss. Je länger eine Erklärung für Gelegenheitsspieler dauert, desto schneller kapitulieren sie vor Beginn des Spiels. Vor allem sollte es ein Werk sein, das man selbst gespielt hat. So kann man seine Freunde einladen, es zusammen auszuprobieren. Für Gelegenheitsspieler bieten sich Partyspiele gut an, da diese schnell erklärt und kurzweilig sind.

Was machen Leser, die keine Vielspieler kennen. Woran erkennen sie vor dem Kauf, ob Ihnen ein Spiel Spaß macht?
Sie können sich im Internet informieren. Videos zu vielen Spielen gibt es zum Beispiel auf spiele-offensive.de, cliquenabend.de oder spielkult.de. Dadurch erhalten Interessierte einen guten Eindruck von Brettspielen und finden heraus, ob es diese ihnen gefallen könnten. Auszeichnungen wie das „Spiel des Jahres“ bieten ebenfalls Orientierung. Eine weitere Möglichkeit ist ein Besuch einer Spielwarenmesse oder -veranstaltung in der Nähe. Das ist perfekt, um unterschiedliche Gesellschaftsspiele zu testen. Vor Ort kann man sich die Spiele meistens erklären lassen. Eine Hilfe bieten auch Bewertungen anderer Kunden. Diese finden sich auf unserer Seite unter jedem Spiel.

Was machen Menschen, die im Laden stehen und keine Spielevideos oder -bewertungen zur Hand haben?
Die fragen das Personal oder orientieren sich an den Hinweisen auf den Verpackungen. Käufer finden auf der Schachtel häufig Informationen wie viel Glück, Wissen, Geschick, Strategie oder Taktik gefragt sind. Auch aufgedruckte Auszeichnungen und Preise helfen weiter. Wenn die potenziellen Käufer sich nicht sicher sind, können Sie das Spiel stehen lassen und sich vor dem Kauf im Internet informieren. Oder sie leihen das Spiel aus und testen es an, bevor sie sich entscheiden. Das ist zum Beispiel bei uns möglich.

Stichwort Auszeichnungen: Davon gibt es inzwischen unüberschaubar viele. Welche davon sind wirklich relevant?
Richtig, es gibt mittlerweile fast schon zu viele Preise. Allerdings kann es trotzdem ein Vorteil sein, sich an solchen Auszeichnungen zu orientieren. Wenn man sieht, dass ein Spiel mehrere Preise gewonnen hat, könnte es interessant sein. Die wohl bekannteste Auszeichnung ist das „Spiel des Jahres“. Die Jury „Spiel des Jahres“ verleiht diesen Preis. Vielspieler sind nicht immer mit der Entscheidung der Jury einverstanden. Trotzdem trifft sie eine gute Vorauswahl für Gelegenheitsspieler, die sich bei der Fülle von über 600 Neuheiten im Jahre oft erschlagen fühlen.

Wo wir gerade beim Thema sind. Dein Tipp als Profi: Welches Spiel gewinnt dieses Jahr den roten Pöppel, welches den anthraziten?
Kennerspiel des Jahres wird Village von Pegasus-Spiele, Spiel des Jahres Grimoria von Schmidt Spiele. Allerdings, darf ich da nicht weiter drüber nachdenken. Je länger ich das mache, umso mehr Kandidaten fallen mir allein für das Kennerspiel des Jahres ein.

Gibt es Spiele, die fast jeder bedenkenlos kaufen kann?
Klar: Empfehlenswert sind Würfel- und Kartenspiele sowie Brettspiele, die schnell erklärt sind und Vielspielern Spaß machen und Gelgenheitsspieler am Tisch halten. Zum Beispiel Heckmeck am Bratwurmeck, Make and Break, Mondo, Jenseits von Theben, TAC, Saboteur, Würfel-Bohnanza, Geistesblitz, Werwölfe von Düsterwald, Würfel-Ligretto, Kakerlakenpoker und viele mehr.

Was macht diese Spiele so besonders?
Sie sind schnell erklärt, spannend, dauern nicht lange und machen immer wieder Spaß. Vielspieler spielen solche Spiele auch gerne. Das sind so genannten Absacker, die man raus holt, wenn man nicht noch ein aufwendigeres Spiel anfangen will.

Was verrät der Preis über die Qualität eines Spiels?
Generell sollten Käufer davon ausgehen dürfen, dass ein Spiel mit hochwertigem Material ausgestattet ist, wenn der Preis höher ist. Allerdings spielen bei der Ausstattung mehrere Faktoren eine Rolle, zum Beispiel die Auflagenzahl oder das verwendete Material. Holzfiguren sind teurer als Plastikfiguren. Entscheidend ist auch die künstlerische Gestaltung bis hin zur atmosphärischen Eingliederung des Materials in das Spielkonzept.

Ich achte zunächst nicht auf den Preis, sondern schaue mir das Material an und versuche, Details herauszufinden. Wenn mich das Material in Verbindung mit der Spielidee überzeugt, rechtfertigt das für mich meist einen höheren Preis. Hält ein Spiel nicht, was es vom Preis verspricht, ist das einer der ersten Kritikpunkte, der sich herumspricht. Das beeinflusst den Verkauf negativ. Nur die wenigsten Spiele verkaufen sich allein wegen der Spielidee zu einem höheren Preis.

Wem Spiele teuer erscheinen, der sollte den Preis mit anderen Freizeitaktivitäten vergleichen. Gehen zum Beispiel vier Leute an einem Abend ins Kino, kostet das 40 Euro – oder mehr. Wenn sie sich ein Spiel für 40 Euro kaufen, haben sie eine andere Freizeitbeschäftigung, die über mehrere Abende hinweg Freude bringt und günstiger ist.

Weg vom Fach- hin zum Onlinehandel und damit zurück zu Spiele-Offensive.de. Unter dem Punkt Profiberatung gibst Du einem Algorithmus Dein Gesicht. Dieser bestimmt Anhand einiger Angaben, welche Spiele einem Käufer gefallen könnten. Die erste Frage ist die, ob der Kunde ein Mann oder eine Frau ist. Was macht das für einen Unterschied?
Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass Männer häufiger auf Spiele mit Strategie- und Taktik-Elementen Wert legen. Frauen reizen eher kurzweiligere und kommunikativere Spiele. Allerdings gehen wir bei diesen Annahmen immer von Gelegenheitspielern aus. Vielspieler informieren sich vor einem Kauf auf andere Art und Weise. Im echten Leben sollte es keinen Unterschied machen, ob Männer oder Frauen mitspielen. Alle in einer Runde sollten unabhängig vom Geschlecht einen gemeinsamen Nenner finden.

Noch eine Frage zum Algorithmus: Wieso gefallen Menschen, die Monopoly mögen, auch Carcassonne oder Dominion? Die Spielmechanismen sind ja doch deutlich unterschiedlich.
Der Algorithmus verknüpft die Kundeneinschätzungen von bekannten Spielen miteinander. Genauer gesagt, führt der Algorithmus regelmäßig statistische Erhebungen durch. Er nimmt beispielsweise an, dass jemand, der sowohl Carcassonne als auch Dominion gut bewertet, beide Spiele mag. Trifft diese Übereinstimmung bei vielen zu, wird sie als Grundannahme übernommen. Existieren keine oder zu wenige Zusammenhänge bei Bewertungen, schaut der Mechanismus auf Zusammenhänge bei den Bestellungen. Werden Dominion und Carcassonne von den gleichen Kunden bestellt, lässt sich ebenfalls auf diesen Zusammenhang schließen. Daher wird einem dann eben so ein Spiel empfohlen.

Letzte Frage: Jeder Jahr erscheinen über 600 neue Spiele in Deutschland. Welche Trends gibt es momentan?
Ein deutlicher Trend in den letzten Jahren war der Weg hin zum gemeinsamen Spielen gegen das Spiel, also zu kooperativen Spielen. Außerdem sind viele Deckbuilding-Spiele auf den Markt gekommen. Das sind Spiele, bei denen man erst während des Spiels die Zusammensetzung seines Spielkartenstapels bestimmt. Das bekannteste Beispiel aus den vergangenen Jahren ist hier Dominion.

Ich persönlich finde, dass die 600 Neuheiten auch noch einen ganz anderen Trend aufzeigen: Es gibt zu viele neue Spiele. In den vergangenen Jahren kamen jedes Jahr fast hundert Neuheiten mehr auf dem Markt als in dem Jahr zuvor. Das ist zuviel. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Verlage – übertrieben gesprochen – lieber 15 Spiele mehr als im Vorjahr auf den Markt bringen, um die Chance zu erhöhen, einen Glückstreffer dabei zu haben, mit dem sie einen der begehrten Auszeichnungen gewinnen.

Ein Trend, der mir persönlich meist nicht zusagt, ist das Ausschlachten von Ideen. Ist ein Spiel erfolgreich, wird es meist mit unterschiedlichen Editionen und Varianten später erneut auf den Markt gebracht und teilweise einfach unter einem anderen Namen als Neuheit verkauft. Auch wenn mir diese Entwicklung nicht gefällt, kann ich sie jedoch aus ökonomischer Sicht der Verlage bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen.

Und wer jetzt wissen will, wie es aussieht, wenn Björn arbeitet und Spiele empfiehlt, dem sei dieses Video empfohlen.

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