“Es gibt keine schlechten Spiele”

Entwicklungspsychologin Daniela Kobelt Neuhaus. Foto: spiele-offensiveWinterzeit ist Spielezeit. Mit dem Ende des Sommers werden auch die Gesellschaftsspiele hervorgeholt. Was begeistert uns beim Spiel? Können wir dabei etwas lernen? Und welche Spiele sind empfehlenswert? Entwicklungspsychologin Daniela Kobelt Neuhaus verrät im Interview mit Claudia Liehr die Antworten. Liehr arbeitet als Pressesprecherin des forHeads-networks. Das Unternehmen betreibt unter anderem den Online-Versandhandel spiele-offensive.de, der auf zahlreichen Spieleseiten – auch auf zuspieler.de – Werbebanner schaltet.

Spieleforscher gehen davon aus, dass sechsjährige Kinder rund 15.000 Stunden gespielt haben. Das sind sieben bis acht Stunden pro Tag. Warum ist spielen für Kinder so wichtig?
Interessant ist, dass wir viele Handlungen von Kindern Spiel nennen, obwohl es für sie eher eine „Erkundung der Welt“ oder ein „Ausprobieren, was geht“ ist. Kinder spielen also nicht im klassischen Sinne, sie lernen durch Spielen. Dabei entfalten Kinder ihre seelischen, geistigen und körperlichen Möglichkeiten. Sie üben, sich mit Erlebtem, Träumen oder Ängsten auseinanderzusetzen, indem sie es selbstbestimmt manipulieren und verändern.

Wie funktioniert das?
Das geht mit dem einfachen Zuordnen von Formen und Farben los und steigert sich mit komplexeren Spielabläufen in Gesellschaftsspielen. Der Vorteil der Spiele: Die Welt bleibt reduziert und steuerbar, so dass Kinder immer einzelne Elemente lernen. Das sieht man bei Rollenspielen, wenn Kinder sich Regieanweisungen geben wie „Du würdest jetzt kochen, gell, und dann komme ich“. Wenn es nicht passt, wird es wiederholt, bis es klappt.

Sie sprachen von den komplexeren Spielabläufen in Gesellschaftsspielen. Was können Kinder dabei lernen?
In erster Linie Gemeinschaftlichkeit. Gesellschaftsspiele sind eine fortgeschrittene Form von kindlicher Spieltätigkeit. Sie basieren auf Regeln und klaren Spielvorgaben. Kinder müssen lernen, sich daran zu halten. Im Gesellschaftsspiel geht es um die Akzeptanz von Vorgaben, um Anpassung, um Warten und Reihenfolgen einhalten, um Kommunikation, Miteinander oder Gegeneinander. Kinder können die Spielregeln, im Gegensatz zum beschriebenen Rollenspiel, nicht mehr beeinflussen – das ist ein wichtiger Lernprozess.

Gibt es schlechte Spiele?
Nein, nach meiner Auffassung nicht. Wichtig ist, dass Kinder eine Tätigkeit als Spiel empfinden. Am liebsten mögen Kinder jene Spiele, die vielfach spielbar sind und immer wieder neue Möglichkeiten bieten. Das sind beispielsweise Konstruktionsspiele oder Spiele, die man mit mehreren Partnern spielen kann.

Worauf sollte man beim Kauf dennoch achten?
Eltern sollten darauf achten, dass die Spielidee in der Familie gültige Werte nicht tangiert. Es gibt Varianten, in denen Tiere schlecht behandelt oder bestimmte Menschen schlecht gemacht werden. Solche Spiele gehören nicht ins Kinderzimmer. Zudem sollte die grafische Gestaltung dem Entwicklungsalter der Kinder angemessen sein. Gruselige Figuren oder Darstellungen können Ängste auslösen.

Je älter man wird, desto weniger Zeit verbringt man mit Spielen. Entwachsen wir der Lust am Spielen?
Keinesfalls. Es gibt sogar im hohen Alter eine richtig ausgeprägte Spielkultur. Die Spielevielfalt ist bei älteren Menschen jedoch oft geringer; neue Spiele werden weniger gelernt und ausprobiert – außer die Enkel wollen es.

Welche Erkenntnisse können Erwachsene durchs Spielen noch gewinnen?
Genau wie Kinder schulen auch Erwachsene ihre Fähigkeiten. Durchs Spielen habe ich zum Beispiel vor einigen Jahren das Lügen gelernt. Meine Kinder wollten nicht mehr mit mir spielen, weil man mir ansah, wenn ich den Schwarzen Peter in der Hand hielt. Natürlich kann man auch nützlichere Fähigkeiten lernen: gutes Reaktionsvermögen, Neugier, analytisches oder planerisches Denken, Partnerschaft oder Durchsetzungsvermögen.

Ganz plakativ gefragt: Macht Spielen schlau?
Spielen öffnet den Raum für Kreativität und Spaß. Eher nebenbei unterstützt das Spielen zum Beispiel die Augen-Hand-Koordination, die mathematischen Fertigkeiten oder das strategische Denken: Kompetenzen, die die seelische und geistige Fitness unterstützen. Insofern machen Spiele tatsächlich schlau.

Was haben Sie durch das Spielen gelernt?
Bei mir zuhause waren die Großen immer mit den Kleinen zugange. Ich war stolz wie Oskar, wenn ich beim Versteckspiel die großen Schulmädchen abklatschen konnte, weil diese einfach nicht hinter den Busch passten. In diesen Spielen habe ich gewinnen und verlieren gelernt, den Umgang von unterschiedlichen Menschen miteinander und ganz nebenbei auch viel Kulturgut wie Lieder, Rechnen, Sprache und Lachen.

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2 Kommentare zu ““Es gibt keine schlechten Spiele”

  1. Wieso wird hier in erster Linie von Kindern gesprochen?
    Gute Spiele sind kein Kinderkram!
    Und es gibt sehrwohl schlechte Spiele.
    Viele Spiele scheinen auf den ersten Blick interessant zu sein, sind dann aber öde.
    Auf, für andere Themen entwickelte Mechanismen, werden “gängige” Themen gestülpt, seien es Film- oder Bucherfolge.
    Leider werden viele Spiele nicht ausgiebig und kompetent getestet. Viele Spielregeln sind das reine Grauen.
    Spiele müssen die Spielenden mit guter Grafik, angenehm anzusehendem und anzufassendem Spielmaterial neugierig machen und erfreuen. Ein Spiel sollte nicht nur eine gute schnelle Einstiegsdynamik haben, sondern auch durch stimmige Begriffe und glaubwürdige Verhältnisse die Spielenden aus der Realität entführen und Sie für die Spielzeit die Alltags-Wichtigkeiten vergessen lassen. Lange Wartezeiten sollten ein Problem der Vergangenheit sein, Interaktion bei “Alle betreffenden” Aktionen die Aufmerksamkeit im Bann halten. Ein Spiel sollte nicht in der Zielgeraden zum “wir spielen gegen den Führenden” verleiten. Beim Spielende muß der Eindruck sein, etwas geschafft zu haben. Spass mit den “vielleicht neuen” Freunden gehabt zu haben.
    Was für eine Persönlichkeit ist die Intervievte, das Sie nicht die Notwendigkeiten vom “verschweigen von Wahrheiten” und “belügen zum Wohle” Anderer als wichtige Kulturwerkzeuge kannte, bevor Sie im Spiel mit Kindern darauf gestoßen wurde?
    Was für eine Intention verfolgt, die Reporterin, die als Pressesprecherin eines Spiele-Verlags doch über vielschichtige Informationen und Erfahrungen zum Thema Spiel verfügen sollte mit diesem Interviev?
    Ich wünsche mir Intervievs, welche nicht Versteckspielen und Gesellschaftsspiel mit Rollenspiel in einen Topf werfen.
    Interaktive Aktivspiele die Heutzutage durchaus Anknüpfungspunkte zum Rollenspiel haben, sind wichtige Werkzeuge gut ausgebilderter Sozialabeiter, Pädagogen und Erzieher (meist weibl.).
    Gesellschaftsspiele sollten ohne Fachpersonal genutzt werden können.
    Ich hoffe auf bessere Fragen, an kompetente Menschen.
    Björn Edler, Spielfest-Berlin

  2. Ja!
    Genau diese Fragen und Anmerkungen hatte ich auch beim Lesen des Artikels

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