Ein deutsches Märchen

12 Realms. Fotos: Spieleschmiede.
Es ist eine schöne Geschichte: Die Macher des Brettspiels „12 Realms“ haben auf der amerikanischen Crowdfunding-Plattform Kickstarter schon über 61.000 US-Dollar für die Produktion ihres Gesellschaftsspiels eingesammelt. Jetzt erscheint eine deutsche Variante des Spiels.

Die Crowdfunding-Plattform Spieleschmiede hat auch ihr drittes Projekt erfolgreich abgeschlossen. Nach der Finanzierung von „Express 01“ und „Bankraub“ folgt nun die Übersetzung von „12 Realms“. Nach nur wenigen Tagen waren über 10.000 Euro eingesammelt. Mit dieser Summe kann der Verlag die Anleitung und die Ereigniskarten ins Deutsche übersetzen. Eine komplette deutschsprachige Version des Spiels erscheint nur, wenn bis zum 3. Februar mindestens 35.000 Euro zusammen kommen. Ist dies nicht der Fall, tragen einige Karten englische Namen. Wir sprachen mit Frank Noack, dem Kopf hinter der Spieleschmiede, über das Projekt.

Wer garantiert, dass die deutsche Anleitung – nicht wie so oft bei Kleinverlagen – Fehler enthält?
Ich habe mit den Jungs von Mage Company gesprochen. Sie kennen Übersetzer aus der ganzen Welt und verweisen mit Stolz auf ihre guten Übersetzungen der Vorgängngerspiele wie „Wrong Chemistry“. Nichts desto trotz lassen wir es uns nicht nehmen, als Spiele-Offensive.de nochmals über die Regel drüber zuschauen. Um Betriebsblindheit und Unklarheiten noch vor dem Druck der Anleitung zu vermeiden, versuchen wir außerdem, das Spielernetzwerk mit einzubinden.

Normalerweise veröffentlichen Verlage Anleitungen kostenlos im Netz. Ist dies auch bei der deutschen Anleitung von „12 Realms“ der Fall?
Ja. Auch die deutsche Anleitung wird es als PDF geben.

Für das Kartenspiel „Express 01“ waren 10.000 Euro notwendig, um das komplette Spiel zu produzieren. Warum sind für „12 Realms“ ebenfalls 10.000 Euro notwendig? Der Verlag muss doch nur die Ereigniskarten sowie die Regeln übersetzen und drucken.
Auf den ersten Blick mutet das unlogisch an, da tatsächlich weniger Material produziert werden muss. Bei „Express 01“ bedeuteten die 10.000 Euro Mindestförderung eine Anschubfinanzierung des Projekts. „12 Realms“ ist so kalkuliert, dass die deutschen Ereigniskarten, die Übersetzungsdienstleistung und die zusätzlichen Kosten bei der Zusammenstellung des Spiels voll eingerechnet sind. Da Mage Company nach dem Projekt kaum Verkaufsmöglichkeiten in Deutschland hat, ist es wichtig, dass dieses Risiko geklärt ist. Hinzu kommt ein Posten, den wir bei „Express 01“ nicht hatten: Die Spiele werden in Übersee produziert und müssen nach Europa verschifft und verzollt werden.

Und das alles kostet 10.000 Euro?
Nicht ganz. Aber die 10.000 Euro stehen auch nicht voll zur Verfügung. Die Schmiede erhalten schließlich voll ausgestattete Spiele für ihr Geld. Die Produktion der Spiele finanzieren wir ebenfalls aus den 10.000 Euro.

Warum erscheint erst bei 35.000 Euro eine komplette deutsche Version des Spiels?
Erst ab dieser Summe traut sich Mage Company eine komplett deutsche Version zu. Die 35.000 Euro wären eine Anschubfinanzierung. Mage Company hofft, bei soviel Zuspruch auch den Rest der deutschen Auflage verkaufen zu können.

Noch eine Frage zu den Bonus-Zielen: Bei 14.000 Euro produziert ihr ein Regelvideo, bei 16.000 Euro liegen dem Spiel drei Figuren bei. Wieso kosten die ersten drei Figuren 2.000 Euro, aber nochmals zwei weitere Figuren 9.000 Euro?
Die 14.000 Euro beziehen sich auf die Schwelle für das Regelvideo. Die Frage nach der Kalkulation unserer Regelvideos kam bisher bei jedem Projekt auf. Das Video tragen wir, die Erweiterungen der Verlag. Es sind also nicht 2.000 Euro Differenz, sondern 6.000 für die ersten, zusätzlichen Miniaturen. Die "krummen" Differenzen sind technisch bedingt. Die Miniaturen werden in Spritzgussformen gegossen. Desto kleiner die Figuren, desto mehr Formen passen in ein Gusswerkzeug. Es gibt verschiedene Größen für diese Werkzeuge und bei den ersten beiden Dark Lords müssen wir auf eine nächst höhere Formgröße zurückgreifen. Dadurch ist der Sprung etwas größer. Die Kalkulation von Miniaturen ist sehr komplex. Ich habe sie auch in unserem Forum erläutert.

Wird die Spieleschmiede in Zukunft weitere Lokalisierungen von erfolgreichen Kickstarter-Projekten anbieten?
Die Spieleschmiede ist international ausgerichtet. Unser Ziel ist es, nicht nur erfolgreiche Kickstarterprojekte zu lokalisieren. Wir wollen mehrsprachige Spiele direkt auf der Spieleschmiede finanzieren. Die Spieleschmiede ist speziell für Crowdfunding in der Spieleszene entwickelt worden. Die Plattform ist dadurch für solche Projekte besser geeignet als zum Beispiel Kickstarter. Nichts desto trotz wird das noch ein langer Weg sein und wir müssen noch viel Vertrauen gewinnen. Bis dahin werden also vermutlich noch einige weitere Lokalisierungen folgen.

Hintergrund zum Spiel: „12 Realms“, auf Deutsch „12 Königreiche“, ist ein kooperatives Fantasie-Abenteuer-Spiel von Ignazio Corrao. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Helden, die auf Märchenfiguren, Fantasiehelden und Größen der europäischen Geschichte basieren. Als Jeanne d ́Arc, Rotkäppchen oder d ́Artagnan verteidigen sie vier Königreiche gegen dunkle Lords. 2011 wählten Boardgamegeeks das Spiel auf die Nominierungsliste zum besten Print and Play Game. Mehr zu dem Spiel auch in diesem Video von Mage Company:

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