Die schönsten Spiele 2011

Eselsbrücke und Voll in Fahrt sind die Preisträger des Graf Ludo, des Deutschen Spielegrafikpreises 2011. Über die Auszeichnung in der Kategorie „Beste Kinderspielgrafik“ darf sich Alexander Jung mit „Voll in Fahrt“ freuen, Gewinner der Kategorie „Beste Familienspielgrafik“ ist der dreifach nominierte Michael Menzel mit „Eselsbrücke“.

Beste Familienspielgrafik „Eselsbrücke“

Michael Menzel erhält die Auszeichnung Graf Ludo 2011 für „Eselsbrücke“ in der Kategorie „Beste Familienspielgrafik“. Foto: Graf Ludo

Begründung der Jury: “Wir leben in einer verrückten Zeit; in einer modernen Zeit, in der wir dank der vielen technischen Fortschritte jeden Tag ein bisschen mehr verlernen. Navigationssysteme führen uns zu unseren Zielen, Rechtschreibhilfen begleiten uns täglich, Adressbücher speichern Namen, Adressen und Telefonnummern. Wir werden denk- und merkfaul. In so einer Zeit gewinnt ein Spiel wie „Eselsbrücke“.

Natürlich liegt der Gedanke nahe, dass es sich hier um einen Anachronismus handelt. Um eine Idee, einem Zeitgeisttrend entgegenzuwirken – getragen vom edlen Wunsch, das Vergessen der Menschheit aufzuhalten. Dass das Spiel „Eselsbrücke“ diesen Verdacht, es handele sich um eine Art Anti-Vergessens-Therapie-Spiel – weit von sich weisen kann: Das ist der Verdienst seiner grafischen Gestaltung.

Viele Kärtchen fügen sich zu Geschichten – an die sich die Spieler im Laufe des Spieles erinnern müssen. Soweit so einfach. Und nun kommt die Gestaltung ins Spiel. Das Spiel wirkt wie ein Spiel und nicht wie ein Gedächtnistraining, weil die vielen Kärtchen die wundervolle Balance zwischen Klarheit und Verspieltheit wahren. Gerade einfach genug gehalten, um den Spieler nicht zu überfordern, aber liebevoll genug, um den Spieler in den Kärtchen beim mehrmaligen Hinschauen immer wieder neue Feinheiten entdecken zu lassen. Seien es die Raffzähne beim Rotkäppchen, der ängstliche Autofahrer, den man hinter der Scheibe kaum erkennt, oder die drei Ballermann-Besucher, die für den Begriff „Mallorca“ stehen. Überhaupt überzeugt der Grafiker nicht nur mit seinem zeichnerischen Geschick, auch der versteckte Witz, das „um die Ecke denken müssen“, tragen zur Magie des Spiels bei. Wer sich drauf einlässt, auf diese Welt der kleinen symbolischen Kärtchen, der wird belohnt.

Beim Spiel entfaltet sich plötzlich einen Zauber, dem selbst hoffnungslos verloren geglaubte Dauer-Handy-, Computer-, und Navi-Nutzer erliegen dürften, nämlich dann, wenn sie merken: Ja, ich kann es noch. Ich kann mir noch Bilder merken und Zusammenhänge herstellen. Dieses Erfolgserlebnis auf die sprichwörtlich spielerische Weise erlangt zu haben, ist der Verdienst des Grafikers.

  • Verlag: Schmidt Spiele
  • Autoren: Stefan Dorra und Ralf zur Linde
  • Grafik: Michael Menzel
Beste Kinderspielgrafik „Voll in Fahrt“

Alexander Jung (ganz links), Grafiker von „Voll in Fahrt“ freut sich freut sich über die Auszeichnung Graf Ludo 2011 in der Kategorie „Beste Kinderspielgrafik“ gemeinsam mit Graf Ludo und Andreas Finke vom Amigo Verlag. Foto: Graf Ludo

Begründung der Jury: “Schon das Cover ist eindeutig. Hier geht die Schienenpost ab! Man sieht sofort worum es geht. Ein Wettrennen von Lokomotiven. Knuffige Lokomotiven suchen sich ihren Weg kreuz und quer durch die Landschaft. Dabei müssen sie sich auf unerwartete Gleisbauarbeiten und Rangiermanöver einstellen. Bei „Voll in Fahrt“ versuchen die Spieler, ihre Loks möglichst schnell ins Ziel zu bekommen. Doch plötzlich ist alles anders, wenn ein Mitspieler eine oder auch mehrere Loks aufs Abstellgleis schiebt.

Der Grafiker von „Voll in Fahrt“ hat es geschafft, unterschiedliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen, ohne dass die Spieler den Überblick verlieren. Klar strukturiert und auch sehr liebevoll hat der Grafiker den Spielplan gestaltet und der Zielgruppe 6+ angepasst. Inmitten einer grünen Wiesenlandschaft befindet sich ein kleiner Rangierbahnhof. Rund um das muntere Rangiertreiben grasen friedlich noch einige Kühe, blühen Blumen und einige ausrangierte alte Loks scheinen sich zur letzten Ruhe schon halb in die Erde eingegraben zu haben. All diese netten kleinen Randerscheinungen des Spielplans lenken jedoch keineswegs vom Wesentlichen ab. Kleine, aber auch größere Lokomotivführer werden von der ersten Minute an mitgerissen.

Neben der gelungenen Grafik des Spiels überzeugen auch die ausgesprochen schönen und originellen 3D-Lokomotiven, 16 an der Zahl, die der Amigo-Verlag diesem Spiel spendiert hat. Zusammen mit der Grafik bzw. den Illustrationen von Alexander Jung bildet das Spielmaterial ein überzeugendes und preiswürdiges Ganzes.”

  • Verlag: AMIGO
  • Autor: Bob Lindner
  • Grafik: Alexander Jung

Hintergrund: Der Graf Ludo wurde 2011 zum dritten Mal verliehen. Der Preis soll die gelungene grafische Umsetzung einer Spielidee würdigen. Die Auszeichnung wurde von FamilyGames, dem Spielbereich des Felsenweg-Instituts der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie und der Leipziger Messe modell-hobby-spiel ins Leben gerufen und ist mit 1.000 Euro Preisgeld dotiert. In einer Pressemitteilung erklärt die Jury, warum es diesen Preisen überhaupt gibt: “Illustratoren und Grafiker sind es, die die Atmosphäre eines Spieles prägen. Sie sind es, die uns spielerisch in fremde, exotische oder historische Welten eintauchen lassen. Die Grafik eines Spieles darf sich dabei aber nicht nur an rein ästhetischen Kriterien orientieren. Vielmehr trägt der grafische Gestalter eines Spieles auch hohe Verantwortung dafür, dass Übersic htlichkeit auf dem Spielbrett herrscht, klare Zuordnungen der einzelnen Spielmaterialien gewährleistet sind, Schriften, Zahlen, Zeichen und Symbole leicht lesbar sind, dass Spielerfarben sich deutlich voneinander unterscheiden und dass, so profan es klingen mag, auch bei schummrigem Licht immer noch alles klar zu erkennen ist. Die Gestaltung eines Spieles ist ganz zweifellos eine Kunst für sich.”

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