Die deutsche Europameisterschaft

Die erste Malefzi-Europameisterschaft findet am Samstag, 23. Oktober in Berlin statt. Fotos: kallejipp/photocase.com, Ravensburger. Montage: Sebastian Wenzel

Welt- und Europameisterschaften gibt es nicht nur im Sport, sondern auch für Brett und Kartenspiele. Manchmal müssen Teilnehmer sich dafür aufwändig qualifizieren, manchmal handelt sich nur um geschickte PR-Maßnahmen der Verlage. Immerhin erfüllt eine Pressemitteilung über so ein Turnier einige Nachrichtenfaktoren und hat gute Chancen, in Blogs oder Zeitungen erwähnt zu werden.

Am 23. Oktober findet in der Spielwiese Berlin die erste Malefiz-Europameisterschaft statt. Organisiert wird sie von Privatleuten. zuspieler.de sprach mit einem davon. Mark Craemer verrät mit welchen Strategien sich Interessierte den Pokal schnappen können, wieso es ihm Spaß macht, ein Turnier mit so einem glückslastigem Spiel zu veranstalten und warum wahrscheinlich nur Deutsche an der Europameisterschaft teilnehmen.

Normalerweise muss man sich für eine Europameisterschaft qualifizieren. Bei euch kann jeder mitmachen, der die Startgebühr von 9,- Euro zahlt. Wie sehr kann der Gewinner sich über einen EM-Titel freuen, der vergleichsweise einfach zu gewinnen ist?
Es ist richtig, dass jeder mitspielen kann, der möchte. Allerdings besteht das Turnier aus einer Vor- und einer Endrunde. Die Vorrunde dient der Qualifikation für das Finale, an dem nur die besten vier Spieler teilnehmen. Insofern muss man sich durchaus für die Endrunde der Europameisterschaft qualifizieren, nur dass dies am selben Tag stattfindet, der Gesamtablauf also sozusagen zeitlich gerafft ist. Ich denke, der Freude des Gewinners wird dies keinen Abbruch tun, zumal es bei diesem Turnier den Weltmeister von 2004 und Vizeweltmeister von 2008 zu bezwingen gilt. Ich persönlich würde mich auf jeden Fall sehr freuen, der erste Malefiz-Europameister zu werden.

Mit wie vielen Teilnehmern aus wie vielen Nationen rechnet ihr?
Wir hoffen, dass sich zumindest 16 Spieler anmelden, aber das muss sich zeigen. Ehrlicherweise muss man zugeben, dass Malefiz ein vorwiegend deutsches Phänomen ist und es daher gut möglich ist, dass sich ausschließlich deutsche Staatsbürger anmelden. Insofern ist die Bezeichnung "Europameisterschaft" vielleicht ein klein wenig irreführend. Aber bei der "Weltmeisterschaft", die seit 2004 alljährlich stattfindet, nehmen in der Regel auch nur Spieler aus Deutschland teil. Dass wir das Turnier trotzdem "Europameisterschaft" nennen, dient hauptsächlich der begrifflichen Abgrenzung zu den anderen Meisterschaften (es gibt außerdem noch eine "Deutsche Meisterschaft" und eine "Bayerische Meisterschaft"). Unser Turnier läuft nach einem anderen Spielsystem ab als die anderen Meisterschaften, und das möchten wir in der Begrifflichkeit zum Ausdruck bringen.

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg bei Malefiz haben Würfel. Ist es nicht langweilig, mit einem so glückslastigem Werk eine Turnier auszutragen?
Das Würfelglück spielt in der Tat eine große Rolle allerdings ist auch die Strategie ein wichtiger Faktor für den Spielerfolg. Malefiz ist nicht unbedingt ein planloses Drauflosgerenne Richtung Ziel, sondern verlangt durchaus Überlegung bei der eigenen Vorgehensweise. Zu guter Letzt spielt die Diplomatie eine Rolle, denn es können temporäre Zweckbündnisse geschlossen werden. Wenn es sich um ein reines Glücksspiel handelte, würde ja reihum jeder mal gewinnen, aber an meinem eigenen Malefiz-Stammtisch sehe ich, dass dies so nicht der Fall ist.

Welche drei (Spiel-)Tipps sollten Neulinge kennen, damit sie eine Chance auf den Pokal haben?

  • Erstens: Niemals aufgeben. Beim Malefiz gewinnt selten der, der in einer frühen Phase des Spiels eine führende Position innehat. Oft schaffen es Spieler als erste ins Ziel, für die es streckenweise gar nicht gut aussah. Durch Bündnisse kann man sogar auf der Zielgeraden noch Figuren einholen, die einen großen Vorsprung haben.
  • Zweitens: An Nachschub denken. Wer versucht, eine einzelne Figur möglichst schnell an die Zielgerade heranzubringen, wird dort häufig noch abgefangen und muss wieder von vorn beginnen. Es ist klug, im Windschatten der führenden Spieler viele eigene Figuren im Mittelfeld zu plazieren, die bei einer günstigen Konstellation plötzlich gemeinsam vorpreschen können.
  • Drittens: "Was weg ist, ist weg." Dies ist mittlerweile eine goldene Regel beim Berliner Malefiz-Stammtisch. Sie besagt, dass es meist effektiver ist, eine gegnerische Figur zu schlagen, die einem direkt auf den Fersen ist, als den Wurf dafür zu nutzen, einen Hindernisstein aus dem Weg zu räumen und zwischen sich und den Gegner zu setzen. Denn der Gegner könnte im nächsten Zug das Hindernis abermals wegräumen, und schon hätte sich das Blatt gewendet.

Müssen die Teilnehmer spezielle Turnierregeln beachten, die sich vom "normalen" Spiel unterscheiden?
Eigentlich nicht, im Prinzip laufen die einzelnen Matches nach den Original-Malefiz-Regeln ab. Was wir anders machen, ist nur, dass nicht der jüngste Spieler als erster ziehen darf, wie es in den Originalregeln steht, sondern dass die Startreihenfolge ausgelost wird. Außerdem muss man immer einen Würfelbecher zum Würfeln benutzen. Dies soll helfen, Diskussionen zu vermeiden, ob korrekt gewürfelt wurde. Aus organisatorischen Gründen haben wir ein Zeitlimit von maximal zwei Stunden pro Match festgelegt, was die Originalregeln nicht vorsehen.

Neben der Europa- richtet ihr auch Weltmeisterschaft aus. Malefiz gibt es bereits seit 1959, die Weltmeisterschaft erst seit 2004. Warum hat das so lange gedauert?
Diese Frage müsste ich eigentlich weiterreichen, denn der Malefiz-Stammtisch Berlin organisiert lediglich die Europameisterschaft aus. Die Weltmeisterschaft und die anderen genannten Meisterschaften werden von einer Spielgruppe aus Bayern veranstaltet, welche auch die Malefiz-Seite www.p2online.eu betreibt. Aber ich denke, die Antwort ist nicht so schwierig: Da die Meisterschaften nicht vom Ravensburger-Verlag, der das Malefiz-Spiel herausgibt, veranstaltet werden, liegt die Organisation in den Händen von Privatleuten. Und wie immer bei solchen Hobbyaktivitäten muss sich zuerst jemand finden, der es auf sich nimmt, all dies in ehrenamtlicher Arbeit durchzuführen.

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