“Deutsche Spieler sind qualitätsbewusst”

Das Erfolgsspiel "Die Siedler von Catan" von Klaus Teuber gibt es auch als Deutschland-Edition. Foto: Kosmos
Was ist typisch Deutsch? Gesellschaftsspiele antworten die wenigsten Ausländer, wenn man ihnen diese Frage stellt. Dabei kaufen die Deutschen – im Vergleich zu anderen Nationen – Gesellschaftsspiele wie verrückt. zuspieler.de sprach mit Hermann Hutter, Geschäftführer von Hutter Trade, und Barbara Schmidts, Redakteurin bei Kosmos. In Interview verraten sie, warum die Deutschen Brettspiele lieben, wie man deutsche Spiele im Ausland erfolgreich vermarktet und ob Gesellschatsspiele in der Bundesrepublik eine Zukunft haben.

Herr Hutter, Sie kennen die Spielewelt. Hutter Trade arbeitete mit Verlagen aus Irland, Kanada und Russland zusammen. Warum sind gerade die Deutschen so verrückt nach Gesellschaftsspielen?
Hutter: Spielen hat in Deutschland eine lange Tradition. Wir haben eine sehr ausgeprägte Spielkultur. Gerade im Vielspielerbereich sind die Deutschen sehr „geduldig“, konzentriert und Neuem gegenüber aufgeschlossen. Dadurch ist das Angebot hierzulande sehr groß und geprägt von vielen Meilensteinen. Vielleicht liegt es ja auch am Klima mit seinen Regentagen und den langen, dunklen Winterabenden, dass wir uns so gerne an den Spieletisch setzen?

Schmidts: Menschen verbringen gerne Zeit miteinander. Spiele sorgen für Nähe und gleichzeitig Entspannung. Studien besagen, dass Kinder das Spielen mit Eltern als intensives Beisammensein empfinden. Erwachsene vergessen im Spiel ihre Alltagssorgen. Und das spielerische Lernen bereitet nebenbei vielen Freude. Diese positiven Effekte locken wohl viele Menschen in Deutschland an den Spieltisch.

Wie unterscheiden sich die Spielevorlieben der Deutschen von denen anderer Nationen?
Hutter: Vor allem im Bereich der Strategiespiele sind die Deutschen sehr gerne bereit, sich in komplexe Regelwerke einzuarbeiten und mehrere Stunden mit ein und demselben Spiel zu verbringen. Das heißt aber nicht, dass „einfachere“ Spiele weniger interessant sind – die Interessen hierzulande sind wirklich breit gefächert und Spielen wird nicht nur als Kinderkram angesehen. Zudem sind deutsche Spieler sehr qualitätsbewusst, nicht nur was die Spielidee selbst, sondern vor allem auch was die grafische Gestaltung und das Material eines Spiels angeht.

Viele Deutsche spielen nicht nur gerne, sondern erfinden auch Brettspiele. Kosmos hat mit "Die Siedler von Catan" einen modernen Klassiker im Programm. Warum sind deutsche Autoren wie Klaus Teuber, Wolfgang Kramer oder Reiner Knizia so erfolgreiche?
Schmidts: Die drei Autoren kennen sich auf dem Spielemarkt bestens aus. Sie überraschen uns immer wieder mit neuen tollen Ideen. Alle drei Autoren haben sehr viel Fingerspitzengefühl für reizvolle Mechanismen und für die Spielbedürfnisse der Menschen.

Klaus Teuber hat mit „Die Siedler von Catan“ eine neue Spielart kreiert. Im Spiel entsteht eine Welt und am Ende hat nicht nur der Gewinner etwas aufgebaut und Siegpunkte gesammelt, sondern auch die Mitspieler. Reizvoll ist die Möglichkeit, mit Konkurrenten Rohstoffe zu tauschen und ebenso der variable Spielplan, der aus zahlreichen Sechseckplättchen besteht, und in jedem Spiel neu aufgebaut werden kann. So ein Spiel inspiriert.

Von Wolfgang Kramer stammt die Kramerleiste, die es sehr galant ermöglicht, Punkte zu zählen. Der renommierte Autor hat außerdem originelle Familienspiele sowie reine Kinder- und Erwachsenenspiele erfunden.

Warum Reiner Knizia ein erfolgreicher Autor ist, zeigt sich zum Beispiel in seinem Spiel „Einfach Genial“ . Über dieses schreiben Rezensenten gerne in Analogie zum Titel, dass das Spiel genial und gleichzeitig einfach ist.

Nicht nur Kosmos, sondern auch Hutter Trade exportiert – wie andere Verlage ebenso – deutsche Spiele ins Ausland. Ein Spiel, das sich hier gut verkauft, ist auf fremden Märkten nicht automatisch ein Renner. Worauf sollten Verlage bei der internationalen Umsetzung achten?
Hutter: Hier spielen mehrere Aspekte eine Rolle. Zum einen ist der grafische Geschmack in vielen Ländern anders als in Deutschland. Wer eine Spielwarenabteilung in Frankreich betritt, sieht sofort, dass dort andere Farben und Designs dominieren. Man muss sich darauf einstellen, dass eine Grafik, die Deutsche als „schön“ empfinden, für das Ausland angepasst werden muss. Außerdem spielt die Übersetzung eine große Rolle. Eine Figur aus unserer Lernspielreihe heißt „Zählefant“". Da ist jedem gleich klar, um welches Tier und Thema es geht. Würden wir dieses Spiel in England veröffentlichen, hätte der "counting elephant" nicht denselben Wortwitz. Vor allem bei sprachbasierten Spielen ist das ein kniffeliger Punkt.

Bleiben wir bei Wortwitzen. Einer Ihrer Verkaufsschlager ist das Spiel "Ausgerechnet Uppsala", das auch in Russland erscheint. Wie übersetzt man so einen Titel?
Hutter: Übersetzungen sollten von Profis gemacht werden, die am Besten selbst Spieler sind. Nach Möglichkeit versucht man, den deutschen Titel beizubehalten. Aber das geht nicht immer und man muss sich auf das Urteil des jeweiligen Vertriebspartners verlassen. Bei „Ausgerechnet Uppsala“ geht es immer darum, einen Titel zu finden, der im jeweiligen Land als lustig oder ungewöhnlich empfunden wird. Die russische Version heißt übersetzt in etwa „Ist es noch weit nach Tallinn?“ Und Tallinn – so sagt zumindest unser Partner – ist für Russen in etwa so "exotisch" und ganz weit weg, wie manch Deutschen Uppsala erscheinen mag.

Haben Gesellschaftsspiele in Deutschland eine Zukunft, oder werden sie von Computer-, Handy und Internetspielen verdrängt?
Schmidts: Eine Verdrängung des klassischen Gesellschaftsspieles wird es nicht geben. Elektronische Spiele haben ihren eigenen Reiz, können aber die unmittelbare Kommunikation am Spieltisch nicht ersetzen. Beim Brettspiel sitzen die Spieler um einen Tisch, können sich in die Augen schauen, miteinander sprechen, miteinander scherzen und lachen – diese Art von Beisammensein bieten elektronische Spiele nicht. Daher wird es eher ein Nebeneinander als ein Verdängen geben.

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