Der große Brettspiel-Treff

Foto: Sebastian Wenzel
Auch in Zeiten von iPhone und Playstation interessieren sich noch viele Menschen für klassische Brett- und Kartenspiele. Das war bei einem Spielefest in Darmstadt zu beobachten, zu dem sich am Wochenende mehr als 3000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene trafen.

Roxane Giese baut eine Eisenbahnstrecke mitten in Darmstadt. Sie räumt Geröll aus dem Weg, vermisst das Gelände und verlegt Gleise. Sie koordiniert Arbeiter, errichtet Stationen und befeuert eine Lokomotive mit Kohle. Wie das alles funktioniert, hat die 22-jährige Studentin erst vor wenigen Minuten gelernt – bei "Darmstadt spielt", der größten Veranstaltung für Gesellschaftsspieler in Hessen.

Über 3000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene besuchten nach Schätzungen der Veranstalter das Spielefest. "Auch in Zeiten von iPhone und Playstation interessieren sich viele Menschen für klassische Brett- und Kartenspiele “, sagt Michael Blumöhr, Vorsitzender Spielekreises Darmstadt. Der Verein organisiert zusammen mit dem "Bund der Deutschen Katholischen Jugend" (BDKJ) und dem Darmstadtium das Spielefest.

Giese spielt auch in ihrer Freizeit gerne mit Freunden. Sie genießt die gemeinsame Zeit. "Vor dem Computer hockt jeder alleine. Bei Brettspielen sieht man sein Gegenüber und lacht zusammen", sagt die Darmstädterin. Oder man ärgert sich zusammen. Im Moment kämpft die Gruppe mit dem Wetter. Bei "Snowdonia", so heißt das Eisenbahnspiel auf dem Tisch, ändert es sich dauernd. Mal strahlt die Sonne vom Himmel, mal fallen Regentropfen auf die Erde, mal wabern Nebelwolken durch die Luft. Je schlechter die Witterung, desto geringer die Moral der Bautrupps. Bei Regen verlegen sie weniger Gleise als bei Sonnenschein. Giese muss den Wetterbericht im Auge behalten und vorplanen. Solch thematisch stimmige Mechanismen sind typisch für moderne Spiele.

Mehr als Monopoly

"Wenn das Wort Gesellschaftsspiel fällt, denken viele immer noch an Klassiker wie Monopoly oder Mensch ärgere Dich nicht. Dabei erscheinen jedes Jahr über 500 neue Brett- und Kartenspiele mit tollen Mechanismen und Grafiken", sagt Gabi Köpke. Die 42-jährige Biebesheimerin kennt viele davon. Deshalb erklärt sie Interessierten bei "Darmstadt spielt" die Regeln von Neuheiten. Der Studentin Giese gefällt das. "Dadurch können wir direkt loslegen und zahlreiche Spiele ausprobieren." Neben Strategiespielen wie "Snowdonia" erklären die freiwilligen Helfer auch Kinderspiele. Besonders gefragt sind "Geistesblitz 2.0" und "Mausgetrixt". Die beiden Spiele gewannen den Kinderspieletest des BDKJ, "Geistesblitz 2.0" in der Kategorie acht bis 13 Jahre und "Mausgetrixt" in der Kategorie fünf bis neun Jahre.

Bei "Geistesblitz 2.0" vom Zoch Verlag grapschen die Spieler nach verschiedenen Gegenständen. Dabei müssen sie genau auf die ausliegende Karte schauen. Ist ein Gegenstand in seiner Originalfarbe abgebildet, ist dieser das Ziel. Sind die Gegenstände in falschen Farben angestrichen, ist der Gegenstand gesucht, der weder mit seiner Farbe noch mit seiner Form auf der Karte vertreten ist.

Bei „Mausgetrixt“ von Ravensburger versucht ein Spieler, als Maus Farbwurzeln zu fressen. Nur er weiß zu Beginn des Spiels, unter welchen Büscheln tatsächlich bunte Wurzeln hängen. Die anderen Kinder spielen zusammen und versuchen mit Würfelglück und gutem Gedächtnis ihre Farbwurzeln zu retten und die Mäuse zu erwischen.

Im ersten Geschoss des Darmstadtiums präsentieren Spieleverlage ihre Neuheiten. Neben den Großen der Branche wie Kosmos oder Pegasus sind auch kleine Verlage aus der Region vor Ort, zum Beispiel Spieltrieb aus Niedermeilingen. Der Inhaber Till Meyer zeigt "Bankraub". Darin schlüpfen die Spieler in die Rolle von Ganoven und planen den ganz großen Coup. Wer am Ende die meiste Kohle geklaut hat, gewinnt. Meyer ist im Moment selbst auf der Suche nach Geld, allerdings auf dem legalen Weg. Er sammelt im Internet Geld für die Produktion des Spiels. Jeder, der möchte, kann es unter spiele-offensive.de/spieleschmiede vorbestellen. Nur wenn es genug Interessenten gibt, produziert Meyer das Spiel tatsächlich in einer hohen Auflage. Mindestens 18 000 Euro braucht der Unternehmer. Bis Sonntagmorgen hatte er 11 500 Euro davon eingenommen.

120 Freiwillige Helfer

Neben der Unterstützung von den Verlagen freut sich der Cheforganisator Blumöhr vor allem über das Engagement der 120 freiwilligen Helfer – und auf die kommende Woche. Dann hat der 53-Jährige endlich mal Zeit, selbst zu spielen. In den vergangenen Monaten war er mit den Vorbereitungen für das Spielefest beschäftigt.

Übrigens: Alle, die Hessens größtes Spielefest verpasst haben, müssen sich nicht ärgern. Sie können zahlreiche Spieletreffen im Rhein-Main-Gebiet besuchen. Eine Übersicht über alle Spielevereine und -gruppen gibt es zum Beispiel unter zuspieler.de/mitspielersuche. Alternativ können sich Interessierte schon den Termin für das kommende Jahr im Kalender anstreichen. Am 23. und 24. November 2013 findet "Darmstadt spielt" erneut im Darmstadtium statt.

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