Das Leben des Alex Randolph (3/3)

Alex Randolph. Foto: Drei Hasen in der Abendsonne

Alex Randolph. Foto: Drei Hasen in der Abendsonne


Der Verlag Drei Hasen in der Abendsonne veröffentlicht demnächst die Alex-Randolph-Biographie "Die Sonnenseite". zuspieler.de publiziert Auszüge daraus. Im dritten Teil verrät Alex Randolph mit seinen Worten, wieso er sich Spieleerfinder nennt, warum er den Begriff Lernspiele nicht mag und wieso er Kriegsspiele nicht schlimm findet.

Übrigens: Wenn Du wissen willst, wo Alex Randolph gelebt hat und was ihn an diesen Orten inspirierte, findest Du hinter diesem Link den ersten Teil unserer Mini-Serie.

Alex Randolph über … Erfinder

„Spieleerfinder”, das ist der Titel, den ich mir gegeben habe. Eigentlich ist er ein bisschen lächerlich, etwas geschwollen, aber er gefällt mir. Die Leute lächeln, wenn sie ihn hören. Im Leben muss man ein Etikett haben, sonst ist man niemand. „Wer ist dieser Typ?” – „Ein Paläonthologe.” – „Aah.” Aber ich habe auch meine Zweifel: Über einen Dichter würde man nicht sagen, dass er Erfinder von Gedichten ist. Und sagt man über einen Maler, dass er Gemälde erfindet?

[…] Alle Leute könnten erfinden, davon bin ich überzeugt, wenn sie es wollten und davor nicht Angst hätten. […] Wir alle haben unsere schlafenden Begabungen, deren wir uns nicht bewusst sind. Oder zumindest hatten wir sie am Anfang. Wir gehen in den Zirkus und sehen die Akrobaten, die in der Luft wirbeln. Also, wir könnten uns sagen: Das bin ich da oben! In dem Sinn, dass wir Akrobaten hätten werden können. Es hätte genügt, dass wir als Zirkuskinder geboren wären. Und als ganz Kleine hätte man uns Kunststücke machen lassen.

Alex Randolph über … Spiele

Man macht eine Art Rahmen. Der Spieleerfinder macht einen Rahmen … und das ist seine kreative Arbeit. Er stellt sich vor, was in diesem Rahmen verboten ist. Denn die Regeln sind einfach Verbote. Und alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt.

Und dann die Spieler. Sie erfinden auch. Sie erfinden das Spiel, das sie gerade spielen. Also, jede Schachpartie ist anders. Das machen die zwei Leute zusammen. Entweder es ist ein schönes Spiel oder es ist ein dummes Spiel, aber es ist etwas, das es noch nie gegeben hat. Und das neue ist anders – im Rahmen des Schach. Das nächste Mal nimmt man diesen Rahmen und spielt eine andere Partie.

Alex Randolph über … Spielregeln

Meiner Meinung nach ist ein Spiel mit seinen Regeln identisch. Anders ausgedrückt: Das Spiel ist seine Regel.

Man braucht Talent, um eine gute Regel zu schreiben. Dieses Genre ist literarisch schwierig, für mich aber ein bisschen einfacher als für andere. Vielleicht ist der Grund die französische Sprache, weil sowohl meine Grundschule als auch die weiter führende Schule französisch sprachig war. Man merkt es zwar kaum noch, weil ich alles vergessen habe, aber die französische Sprache ermöglicht eine gewisse Logik, um sich klar aus- drücken zu können. […]

Alex Randolph über … Strategiespiele

Neben all den selbstverständlichen Dingen wie eine vollständige Information, keine äußeren Einflüsse usw. ist für mich – heute – ein Spiel nur dann strategisch, wenn es eine bestimmte Art des Denkens provoziert, ungefähr so: „Wenn ich a mache, kann er b machen, dann mache ich c und alles ist in Ordnung … obwohl … Vorsicht! Er kann auch d machen, was mache ich dann? Also muss ich mir etwas anderes überlegen – und so weiter und so fort.“

[…] Ich sehe zwei große Gruppen von Strategiespielen; eine, bei denen sich die Figuren bewegen, wie bei Schach; und eine, bei der die Figuren erstarren, wie bei Go. (TwixT gehört natürlich auch hier dazu.) In beiden Fällen geht es darum, über ein Territorium zu herrschen, den Gegner zurück zu drängen, in die Enge zu treiben, ihn zu entmachten. Beim einen durch Spielzüge oder die Androhung von Spielzügen; beim andern durch die Stel- lung von Figuren, durch Konstellationen, die sie auf dem Spielfeld bilden.
Merkwürdig, dieser Druck, den absolut starre Figuren auf einem Spielfeld ausüben können!

Alex Randolph über …Kriegsspiele

[…] Aber es besteht gar keine Gefahr, dass durch ein Spiel Gewalt verherrlicht wird. Und selbst wenn, es wäre nur Spaß, ein Spiel. Die Wahrheit ist, dass wir beim Spielen nur so tun als ob, es ist nicht echt, man tut nur so. Es ist dieses „So tun als ob“, das Krieg im Spiel möglich macht. Man spielt Krieg und das Krieg spielen ist die hauptsächliche Freude beim Spielen. Ich glaube, dass es in Spielen nur um ganz wenige Grundmechanismen geht: Krieg und Jagd – ich hätte Mühe, noch einen dritten zu finden.

[…] Also werde ich das nächste Mal, wenn jemand fordert, Kriegsspiele zu verbieten, sagen: „Sehr gut, und um damit anzufangen, schaffen wir zuerst einmal Fußball ab!“ – das typischste Kriegsspiel. Wenn diese Leute einverstanden sind, Fußball abzuschaffen, dann bin ich auch bei Spielen einverstanden. Ich glaube, wenn ihnen klar würde, das sie auf Fußball ver- zichten müssten, und nicht auf ein kleines Spiel, würden sie anfangen, darüber nachzudenken.

Alex Randolph über … Lernspiele

Bei Lernspielen fängt es schon damit an, dass sie mir nicht gefallen, weil sie dieses Beiwort haben: Lern… Denn das heißt, dass man nicht spielt, um sich zu amüsieren, sondern zu einem anderen Zweck. Ich habe den Ein- druck, dass die Erwachsenen den Namen als Ausrede erfunden haben, um das Spielen damit zu rechtfertigen. Ich glaube nicht, dass es nötig ist, sich einen Grund auszudenken, um spielen zu dürfen. Genauso wenig wie es einen Grund für Musik gibt, gibt es auch keinen für das Spiel. Was das Lernen angeht, da ist es vollkommen egal, ob wir spielen oder etwas anderes machen, wir lernen immer.

Alex Randolph über … Kinderspiele

Wie Kinder spielen, verwirrt mich. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, als während des Kriegs nahe bei Cassino alles zerstört war. Viele Kinder, die ich sah, waren sogar verstümmelt. Hat sie das am Spielen gehindert? Überhaupt nicht, sie spielten zwischen den Ruinen, sie spielten sogar Krieg! Spielen ist unwiderstehlich, da kann man einfach nichts machen!
Aber das eigentlich Schwierige ist, dass Kinder gar keine Spiele brauchen: Sie können mit allem spielen.

Noch mehr aus dem Leben des Alex Randolph erfährst Du in dem Buch “Die Sonnenseite” von dem Verlag “Drei Hasen in der Abendsonne“. Es kostet Euro 19,90 Euro und hat 142 Seiten. Du kannst das Buch bei amazon.de bestellen.

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