Das Auge spielt mit

Foto: Alea

Der Spieleverlag Alea feiert den zehnten Geburtstag von „Puerto Rico“ mit einer limitierten Jubiläumsausgabe. Auf der Verpackung glänzen goldene Buchstaben. Kann der Inhalt der Schachtel mit dem äußeren Erscheinungsbild mithalten?

Spieleautoren sind nicht zu beneiden. Nur weil ein Verlag ihr Spiel veröffentlicht, sind die Menschen davon noch lange nicht begeistert. Nur wenige Autorenspiele verkaufen sich so gut, dass sie über Jahre in den Regalen der Fachhändler und Kaufhäuser stehen. Ausnahmen sind moderne Klassiker wie die „Die Siedler von Catan“ von Klaus Teuber, „Carcassonne“ von Klaus-Jürgen Wrede oder „Zug um Zug“ von Alan R. Moon. Ein Grund für ihren Erfolg: Neben dem hohen Spielspaß sind die Regeln schnell erlernt. Es gibt aber auch komplexere Spiele, die sich seit Jahren am Markt behaupten. „Puerto Rico“ von Andreas Seyfarth ist eines davon.

Im Jahr 2001 präsentierte Alea erstmals einen Prototyp des Spiels, so nennen Verlage Spiele, die sich in der Entwicklung befinden. Ein Jahr später erschien das fertige Spiel. Die Szene war begeistert. „Puerto Rico“ gewann den „Deutschen Spielepreis“, die „Goldene Feder“ für ein vorbildliche Anleitung, den „International Gamers Award“ und zahlreiche weitere Preise. Zu Recht, denn der Spielmechanismus ist zeitlos gut. Deswegen bleibt bei der Jubiläumsausgabe – zumindest bei den Regeln – alles beim Alten.

Karibische Rollenspiele

Die Spieler besiedeln Puerto Rico, die östlichste Insel der Großen Antillen. Dazu schlüpfen sie immer wieder in andere Rollen. Als Siedler bestellen sie Plantagen und pflanzen unter anderem Tabak, Kaffee oder Zuckerrohr an. Als Aufseher ernten die Spieler die Pflanzen und verarbeiten die Blätter, Früchte oder Stängel in Fabriken. Die fertigen Waren verkaufen sie als Händler mit möglichst hohem Gewinn. Das eingenommene Geld investieren die Spieler als Baumeister in neue Gebäude. Die bringen ihnen während des Spiels Vorteile und am Ende Siegpunkte. Apropos Siegpunkte: Statt die Waren als Händler zu verkaufen, können die Spieler sie auch als Kapitän auf Schiffe verladen. Das bringt kein Geld aber ebenfalls Siegpunkte. Den Reiz des Spiels macht vor allem folgender Mechanismen aus: Der aktive Spieler wählt eine Rolle, deren Fähigkeiten auch die Mitspieler nutzen können. Als Vorteil bekommt er für seine Wahl einen Bonus. Greift er zum Beispiel nach dem Händler, erhält er beim Verkauf von Waren eine Dublone zusätzlich. Der Mechanismus ist so elegant, dass er seit über zehn Jahren begeistert.

Warum also die Jubiläumsausgabe kaufen, die deutlich teurer ist als das normale Spiel? Die Antwort steht in der Überschrift. Das Auge spielt mit. Was nützt der eleganteste Mechanismus, wenn die Grafik und das Material nicht dazu verführen, in die Spielwelt einzutauchen. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Die Ausstattung des Originals ist in Ordnung, die der Jubiläumsausgabe mehr als das.

Aßen hui, innen …

Schon die Verpackung der Sonderedition macht Lust auf das Spiel. Der Schriftzug glänzt golden. Im Innern finden Käufer unter anderem 60 Dublonen aus Metall, 120 Holzfiguren und 90 Gebäudeplättchen aus Pappe. Im Original sind diese mit Texten versehen, die die Funktionen der Gebäude erklären. In der Jubiläumsausgabe zeichnete Harald Lieske für jedes Plättchen ein eigenes Bild. Im Hafen segeln nun Schiffe auf dem blauen Meer, hinter der Indigoküpperei wachsen grüne Palmen und vor dem Zollamt wartet eine Pferdekutsche vor der heruntergelassenen Schranke. Auch die Rollenkarten hat Lieske mit bunten Bildern illustriert. Der Kapitän steht am Steuer seines Schiffes, der Baumeister stapelt graue Steine aufeinander und der Aufseher zählt die Kisten im Lager. Ein weiterer Unterschied zur normalen Ausgabe sind die zwei Erweiterungen in der Schachtel. Wer es gerne noch etwas komplexer mag, der kann entweder „Neue Gebäude“ bauen oder „Die Adligen“ auf seiner Insel willkommen heißen.

Puerto Rico ist das perfekte Spiel für alle, die gerne grübeln. Wer schnelle Kartenspiele wie „Mogel Motte“, packende Würfelduelle wie bei „Can’t stop“ oder Partyspiele wie Tabu bevorzugt, ist hier an der falschen Adresse. Das Spiel kommt fast ohne Glücksfaktor aus, lediglich das Ziehen der neuen Plantagen geschieht zufällig. Wem die Optik nicht so wichtig, ist, der sollte zur normalen Ausgabe für knapp 30 Euro greifen. Allen anderen sei die teurere Jubiläums-Ausgabe empfohlen.

Übrigens: Hier zum Vergleich noch das Material der Original-Version.
Foto: Alea

Der Artikel erschien erstmalig im takt-magazin.


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Ein Kommentar zu “Das Auge spielt mit

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