Aus eins mach zwei, drei und mehr

Fotos: Kosmos. Montage: Sebastian Wenzel

Spieleverlage setzen zunehmend auf starke Marken. Ist ein Brettspiel erfolgreich, veröffentlichen sie erst Erweiterungen, dann Karten- sowie Würfelvarianten und schließlich die App zum Spiel.

Der Weltraum, unendliche Weiten. Asteroiden taumeln durchs All, Planeten rotieren durch die Leere. Raumstationen fördern Ressourcen wie Wasser, Tritanium und Sauerstoff. Über den Erfolg der Produktion entscheiden jedoch nicht die eingesetzten Laser, Bohrer und Roboter, sondern zwei Würfel.

Willkommen in der Zukunft der Gesellschaftsspiele, willkommen bei "Star Trek Catan". Der Kosmos Verlag präsentiert den Klassiker "Die Siedler von Catan" auf der Spielwarenmesse in Nürnberg in frischer Optik und mit neuer Lizenz. Genau wie beim Original von Klaus Teuber kämpfen die Spieler um Siegpunkte. Statt einer Insel kolonisieren sie jetzt aber den Weltraum, statt Räubern überfallen Klingonenkreuzer die Rohstoff-Lager der Spieler.

Kosmos will mit der Star-Trek-Lizenz eine weitere Zielgruppe für das Spiel begeistern. Wie man diese Verkaufsstrategie perfektioniert, zeigt Hasbro schon seit Jahrzehnten mit "Monopoly": Science-Fiction-Anhänger greifen zur Star-Wars-Ausgabe, Kinder bevorzugen die SpongeBob-Schachtel, und Berliner lieben die Hauptstadt-Edition.

Neben den Großen der Branche pflegen in Nürnberg auch kleinere Verlage ihre Marken – und das ganz ohne teure Lizenzen. Amigo präsentiert die Würfelvariante des Kartenspiels "Bohnanza" von Uwe Rosenberg. Das Original ist ein moderner Klassiker und seit 1997 erhältlich. Abacusspiele zeigt die Würfelumsetzung von "Zooloretto", dem Spiel des Jahres 2007 von Michael Schacht.

Zielgruppe der Neuheiten sind in der Regel Familien und Gelegenheitsspieler. Die Käufer sollten sich von den bekannten Namen jedoch nicht täuschen lassen. Würfelspiele haben mit den Originalen oft relativ wenig gemeinsam. "Entscheidend ist, dass Elemente aus dem Grundspiel aufgegriffen werden, die Autoren diese aber auf neue und interessante Weise variieren", sagt Doreen Klotz, Pressesprecherin von Kosmos.

Einige Autoren sind von dieser Entwicklung nicht so begeistert: "Hoffentlich haben Spiele ohne eine starke Lizenz oder einen bekannten Namen weiterhin eine Chance – sowohl bei den Verlagen als auch bei den Kunden. Denn eine Kunstform, die nichts mehr wagt, ist tot", sagt Ulrich Blum von Spiele-Autoren-Zunft (SAZ).

Sprechende Stifte erobern die Kinderzimmer

Bei Ravensburger zeigt sich, dass es sich lohnen kann, auf innovative Produkte und Spiele zu setzen. Der Star am Stand ist ein sprechender Stift. Er heißt Tiptoi, ist orange und erweckt Spiele zum Leben. Aus dem integrierten Lautsprecher bellen Hunde, brummen Traktoren oder prasseln Regentropfen. Ein optischer Sensor an der Spitze des Stifts erkennt, welches Plättchen die Spieler antippen. Aus dem Stift erklingen daraufhin die passenden Geräusche und Texte.

Die Technik ermöglicht neue Mechanismen – zum Beispiel Hörspiele wie "Tom und Tina und die geheimnisvolle Maske" von Marco Teubner und Heinrich Glumpler. "Die Elektronik hat dann Sinn, wenn sie für das Spielerlebnis einen echten Mehrwert bietet", sagt Clemens Maier, Vorstand für Neue Geschäftsfelder bei Ravensburger.

Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben seit der Markteinführung in 2010 über 2,1 Millionen Tiptoi-Produkte verkauft. Andere Verlage setzen auf ähnliche Stifte, Haba zum Beispiel auf den Ting, Noris auf den Toystick. Die Nachteile für die Käufer: Erstens müssen sie neben den Spielen auch den passenden Stift kaufen. Zweitens sind die Produkte der verschiedenen Verlage untereinander nicht kompatibel.

Bisher kommen die Stifte fast nur bei Kinderspielen zum Einsatz. Für Erwachsene offerieren immer mehr Verlage digitale Umsetzungen von Brettspielen. "Gesellschaftsspiele hatten es auf Computern und Konsolen bisher schwer. Die Macher setzten eher auf epische Welten. Doch Brettspiele-Apps mit einfachen Regeln sind der ideale Zeitvertreib für zwischendurch und finden immer mehr Anhänger ", sagt Blum. Natürlich haben auch die "Siedler von Catan" bereits den Sprung vom Spieltisch auf den Bildschirm geschafft. Das Basisspiel gibt es schon länger im App Store. Anfang März soll das digitale "Städte und Ritter" erscheinen, die erste Erweiterung des Brettspiels – auch das dient der Markenpflege.

Der Artikel erschien erstmals im Auftrag der Nachrichtenagentur dapd.

Links rund um das Thema:


Dir gefällt der Artikel? Dann unterstütze uns. Empfiehle den Beitrag Deinen Freunden und klicke auf das Werbebanner. Pro Klick verdienen wir einige Cents. Vielen Dank.

Werbung

Ein Kommentar zu “Aus eins mach zwei, drei und mehr

  1. Schöner Artikel. Diverse elektronische Umsetzungen haben mich erst an so manches Spiel geführt,wo die Anschaffung sonst aufs Blaue und zu preisintensiv gewesen wäre. Was “Catan” angeht, so nervt es einfach nur noch, dass da jedes Jahr irgendwas neues unters Volk gebracht werden soll. Ohne die S&R-Erweiterung ist das Spiel langweilig geworden, da ändern auch neue Spielwelten nichts, ganz im Gegenteil. Wie beim viertel Teil so manchen Filmes macht man irgendwas kaputt, überdehnt es, was mal irgendwann für sich richtig gut war.

Online-Spiele:

Jenga, Kniffel, Mastermind, Schach, Vier gewinnt und Tangram. Mehr Spiele findest Du auf der Übersichts-Seite.
 
 

Aktion: