Asterix statt Autoren

Matthias Mierau. Foto: Winning Moves
Schlechte Nachrichten für Gesellschaftsspieler. Winning Moves Deutschland setzt in Zukunft eher auf Hasbro-Lizenzspiele statt auf neue Autorenspiele. Der Verlag will Hasbro-Klassiker wie Cluedo, Twister, 4 Gewinnt oder ‚Wer ist es?’ mit Lizenzthemen anbieten und als Custom-made- Editionen herausgeben. Schon in naher Zukunft grinsen vielleicht Asterix und Obelix von der Monopoly-Packung. Neue Autorenspiele sucht man dagegen wahrscheinlich vergeblich. Im Interview spricht Matthias Mierau über die Gründe für die Neuausrichtung. Die Fragen stellte Michael Tschiggerl, der Pressesprecher des Unternehmens.

Herr Mierau, Sie übernehmen zum ersten März die Geschäftsleitung der Winning Moves Deutschland GmbH. Was wird sich künftig ändern?
"Unser bisheriges Produktportfolio bestand aus den drei Säulen Top Trumps, Familienspiele und Städte- und Regional-Monopoly. Wir werden jetzt eine vierte Säule in das Winning-Moves-Gebäude einziehen: Hasbro-Lizenzeditionen. Diesen Spielen gilt unsere verstärkte Aufmerksamkeit. Unser Angebot an Familienspielen, – das heißt Autorenspiele, German-Type-Games, Kartenspiele – werden wir dafür stark einschränken."

Wieso werden Hasbro-Lizenzspiele eine stärke Rolle spielen?
"Es gibt eine neue internationale Abmachung zwischen Hasbro und Winning Moves International. Durch die Lizenz für Städte- und Regional-Monopoly Spiele haben wir seit Gründung von Winning Moves eine sehr gut funktionierende Partnerschaft mit Hasbro. Diese wird nun weiter ausgebaut und um Spieleklassiker aus dem Hause Hasbro, kombiniert mit Lizenzthemen, erweitert."

Welche Spiele werden das sein?
"Zum Anfang denken wir an Klassiker wie Cluedo, Twister, 4 Gewinnt und Wer ist es?. Bereits 2011 haben wir für Toys’R‘Us erfolgreich Twister, 4 gewinnt und Monopoly mit der Lizenz Hello Kitty umgesetzt. Davon wird es in Zukunft mehr bei Winning Moves geben. Zudem werden wir diese Spiele auch als "B2B/ Custom Games" Firmen und Vereinen anbieten können. Natürlich ausschließlich in Absprache mit Hasbro."

Gibt es in Deutschland einen Markt für diese Spiele?
"Definitiv. Die Erfahrungen unserer Schwesterfirma Winning Moves UK zeigen, dass besonders Großkunden auf der Suche nach Spielen sind, die bekannt und wenig erklärungsbedürftig sind und die durch Lizenzen einen zusätzlichen aktuellen Mehrwert besitzen."

Ändert sich dadurch der Vertrieb bei Winning Moves?
"Ja, der Key Account wird durch die Neuausrichtung eine größere Rolle spielen. Das war für einige Vertriebsmitarbeiter, die hauptsächlich Fachkunden in ihren Gebieten betreuten, ein Grund, Winning Moves zu verlassen. Wir werden mit Birgit Bandlow, Stefan Gschlecht und Friedhelm Keris zukünftig drei Key Account Manager haben, die sich verstärkt um Schlüsselkunden kümmern und neue akquirieren."

Was wird aus den klassischen Autorenspielen? Wird es sie in Zukunft nicht mehr geben?
"Nachdem sich Michel Matschoss, der in sich in den vergangenen zwölf Jahren um die redaktionelle Arbeit kümmerte, im Oktober vergangenen Jahres in den Ruhestand verabschiedet hat, haben wir uns diese Frage auch gestellt. In 2012 werden wir voraussichtlich auf neue Autorenspiele verzichten, um den neuen Geschäftszweig der Lizenzspiele aufzubauen. Zudem haben wir noch sehr viele Spiele auf Lager, die ihre Existenzberechtigung nicht verloren haben. Wir werden diese Spiele abverkaufen und die Besten im Programm behalten. Für die weitere Zukunft möchte ich jedoch nichts ausschließen. Anfragen nehmen wir daher auch weiterhin gerne entgegen."

Verlässt Winning Moves mit der Umstrukturierung nicht einen erfolgreichen Weg?
"Wir möchten und werden auch weiterhin verlässlicher Partner des Handels sein. Doch die Probleme der Branche sind bekannt. Die jährliche Neuheitenflut der vergangenen Jahre hat das Verhältnis zwischen Verlagen und Handel belastet. Auch wir haben in den vergangenen zwei Jahren an diesem Trend teilgehabt. Viele Kunden begünstigen diejenigen Verlage, die ohnehin die größte Marktmacht und Hoheit über die Regalflächen haben. Da gehören wir nicht dazu. Es gestaltet sich immer schwieriger neue Autorenspiele zu verkaufen."

Trotz Umsatzzuwächsen, die die Fachgruppe Spiel verzeichnet, der Sie ja auch angehören?
"Ja, trotzdem. Auch wir haben 2011 ein Umsatzplus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwirtschaftet. Doch dieser Zuwachs war bei uns nicht den German-Type-Games zu verdanken. Die Kundennachfrage hat sich im Verlaufe der letzten Jahre geändert und der Handel reagiert entsprechend darauf. Ich bin daher fest davon überzeugt, dass auch für Winning Moves die Zeit gekommen ist, ebenfalls darauf zu reagieren und sich entsprechend seiner Stärken breiter aufzustellen."

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