Angstschweiß schüchtert Mitspieler ein

Durch das Riechen des Angstschweißes werden laut Wissenschaftlern nicht nur die für Gerüche zuständigen Regionen aktiviert, sondern auch Areale für emotionale Veränderungen sowie für das Gedächtnis. Foto: Yvonnes_photos/photocase

Gerüche sind überall. Sie kitzeln, jucken oder betören unsere Nase – ständig. Meistens geschieht dies unbewusst. Trotzdem: Die Duftwolken beeinflussen das Denken, Fühlen und Handeln. Auch beim Spielen. "Riechen Menschen zum Beispiel den Angstschweiß von Mitspielern, empfinden sie selbst Furcht und verhalten sich vorsichtiger", sagen Mediziner der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Forscher hielten Probanden den Angstschweiß anderer Menschen unter die Nase. „Dadurch aktivierten sich die Teile des Gehirns, die sonst an der Entstehung von Angst beteiligt sind. Die Versuchsteilnehmer wurden ängstlicher, ohne dass sie sich bewusst waren warum. Zudem verhielten sie sich in bestimmten Situationen vorsichtiger“, sagt Studienleiter Martin Wiesmann im Interview mit pressetext. Er vermutet, dass Menschen über ihren Körpergeruch miteinander kommunizieren – genau wie einige Tiere. Eine kleine, aber ebenfalls nachweisbare Änderung des Verhaltens zeigte sich, als die Probanden im Kartenspiel plötzlich Zurückhaltung zeigten und auf Sicherheit spielten.

Seine Forschung über die Verarbeitung von Körpergerüchen bezeichnet Wiesmann als "Beitrag für ein Gebiet, das selbst die Deoindustrie noch sehr wenig versteht." Der Körpergeruch werde davon bestimmt, wann ein Mensch sich zum letzten Mal geduscht habe, wie sehr er schwitzt oder ob er etwa Knoblauch gegessen habe. Darüber hinaus gebe es weitere Faktoren wie das Alter, das Geschlecht oder die genetische Ausstattung. "Je näher Personen verwandt sind, desto ähnlicher ist ihr Geruch. Den exakt gleichen Körpergeruch haben jedoch vermutlich nur eineiige Zwillinge", sagt Wiesmann.

Zebras machen es vor

Dass Kommunikation über die Wahrnehmung des natürlichen Körpergeruchs erfolgt, haben Forscher bei Tieren bereits nachgewiesen. "Die Verständigung über Gerüche erhöht die Fortpflanzungs- und Überlebenschancen wesentlich. Das zeigt sich, wenn sich Tiere auf der Suche nach einem Paarungspartner am Geruch orientieren." Ähnlich würden Zebras, deren Herde von einem Löwen verfolgt wird, nur in Außenregionen der Herde den Angreifer sehen. Die Geruchskommunikation versetze jedoch die gesamte Herde in Angst, sie beginne zu flüchten. "Wie stark solche Effekte bei Menschen ausgeprägt sind, wissen wir nicht. Aber es scheint so, dass der Geruchssinn unser Leben viel stärker beeinflusst als wir bisher angenommen haben", vermutet der Münchner Neuroradiologe.

Übrigens: Das Gefühle schneller sind als unser Verstand, ist keine neue Erkenntnis. Warum das so ist, hat zum Beispiel Antonio R. Damasio hat in seinem Buch Ich fühle also bin ich anschaulich erklärt.

"Er beschreibt dies anhand eines Experiments mit Spielkarten. Es wurden den Probanden mehrere Kartenstapel zur Verfügung gestellt. Die Probanden mussten Karten ziehen und wurden je Kartensymbol belohnt oder bestraft. Es waren einige Stapel statistisch besser als andere ausgestattet. Nach einiger Zeit zeigten die Probanden systematisch eine Hautleitfähigkeistreaktion, wenn sie eine Karte von einem schlechten Stapel ziehen wollten, jedoch nicht beim Ziehen von einem guten Stapel. Und so leitete sie das Gefühl an, doch besser vom guten Stapel zu ziehen, noch lange bevor sie sich dessen bewusst wurden."

Quelle: saperionblog


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