Ab ins Rampenlicht (1/3)

Foto: Sebastian Wenzel
Jedes Jahr erscheinen in Deutschland pro Jahr weit über 500 neue Spiele. Nur wenige davon werden außerhalb der Szene wahrgenommen. Damit sich das ändert, präsentiert der Pressesprecher der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ), Ulrich Blum, auf zuspieler.de in einer dreiteiligen Serie Tipps zur Selbstvermarktung für Spielautoren.

Vorwort

Die Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) wirbt aktuell mit der Aktion "Auch Spiele haben Autoren" um eine breitere Wahrnehmung der kreativen Köpfe hinter den Spielen. Dass jedes Spiel einen Autor hat, soll zur Selbstverständlichkeit bei Journalisten, Händlern und in der Öffentlichkeit werden. Die SAZ hat beispielsweise Onlineshops angeschrieben und eine durchgängige Nennung der Spieleautoren gefordert. Dies hat in mehreren Fällen zu konkreten Verbesserungen geführt. Wo es um generelle Fragen geht, kann die SAZ sehr gut aktiv werden. Die Präsenz jedes einzelnen Autors in den Medien ist für die SAZ als Organisation schon schwieriger zu fördern. Bei konkreten Anfragen von Journalisten stellt sie natürlich Kontakte zum Autor her. Das mediale Potenzial von uns Autoren ist aber damit nicht ausgeschöpft.

Wie also komme ich dazu, dass über mich und meine Spiele berichtet wird? Wir haben uns in diesem Spontanworkshop darüber ausgetauscht, welche Wege wir bisher gegangen sind und welche Erfahrungen wir damit gemacht haben. Das Ergebnis ist ein Werkzeugkasten voller möglicher Methoden, der natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Allerdings kann er als Ideengeber für die konkrete Medienarbeit dienen.

Wieso, weshalb warum?

Wozu brauche ich eine journalistische Berichterstattung über mich überhaupt?
Das Ergebnis von Medienarbeit lässt sich nur sehr schwer quantifizieren. Wer ergebnisorientiert an die Sache herangeht, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Ihr wisst ja nie, was ohne Vermarktung gewesen wäre. Außerdem sind Ergebnisse, die konkret auf Berichte zurückgehen, meist unvorhersehbar und mitunter kurios. Von Vortragseinladungen über interessante Kontakte bis zu Auftragsspielen ist fast alles denkbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Zeitungsartikel oder Fernsehbericht positive Auswirkungen hat, ist jedoch hoch. Nur damit rechnen sollte man nicht.

Ich habe ein tolles Spiel gemacht. Spricht das nicht für sich?
Nein. Essen- und Nürnbergneuheiten zusammen genommen, hatten wir im Jahrgang 2011/12 etwa tausend neue Spiele. In einem solchen Umfeld nehmen nur wenige Käufer ein Spiel allein aufgrund seiner Qualität wahr. Irgendeine Form von Vermarktung steckt fast immer dahinter, wenn sich ein Spiel überdurchschnittlich verkauft. Entweder habt ihr das Glück, dass euer Verlag allein mit seinem Namen und seinen Vertriebswegen gute Absätze erzielt. Oder ihr habt euch selbst schon einen Namen gemacht, sodass die Leute euer neues Spiel kaufen wollen. Oder ein Lizenzthema sorgt für reißenden Absatz. Meistens dürfte das alles nicht der Fall sein. Ihr müsst euch und euer Spiel also anders an den Mann/die Frau bringen.

Ist es nicht Aufgabe des Verlages, für gute Presse zu sorgen?
Grundsätzlich ist euer Verlag daran interessiert, das Spiel zu verkaufen. Wer schon mal ein bisschen Einblick in Verlage hatte, weiß aber: Meist ist für verkaufsfördernde Maßnahmen weder Geld noch Zeit im Überfluss vorhanden. Ansichtsexemplare an Rezensenten werden verteilt, vielleicht eine Anzeige in einem Fachmagazin geschaltet. Viel mehr Maßnahmen, die Geld kosten, sind meist nicht drin. Das soll kein Vorwurf an die Verlage sein. Ich bin sicher, sie hätten alle gerne die Gewinnspannen, die ihnen das Einstellen von ganzen Marketing-Abteilungen erlaubten. Im Übrigen bedienen sich die Verlage meist derselben Mittel, die in Folge beschrieben werden, da diese keinen riesigen Aufwand bedeuten.

In jedem Fall solltet ihr mit eurem Verlag frühzeitig über das Thema sprechen. Besprecht, wer welche Erfahrungen und Kontakte in der PR-Arbeit mitbringt. Erarbeitet eine Strategie: Fragt euch, welche Medien besser vom Verlag angesprochen werden und wo der Autor besser punkten kann. Erstellt einen Zeitplan, wann welche Informationen nach außen kommuniziert werden dürfen und sollen. Wenn ihr koordiniert vorgeht, könnt ihr mit relativ kleinem Aufwand viel erreichen.

Wege zur Selbstvermarktung

Reden
Die einfachste und effektivste Form von Selbstvermarktung steht schon im Titel dieses Artikels. Tue Gutes und sprich davon! Das ist genau so gemeint. Jeder Autor vollbringt eine kreative Leistung, genau wie ein Musiker, Fotograf, Schauspieler oder Regisseur. Auch bei mir beobachte ich aber immer wieder, dass wir dazu neigen, unser Licht unter den Scheffel zu stellen. Vielleicht scheint uns unsere Tätigkeit als Spieleautor zu sehr in der Nische verhaftet oder nicht cool genug, oder wir haben gerade keine Lust zu erklären, dass es noch andere Spiele als Monopoly gibt. Oder wir betrachten das, was wir da tun, selbst eher als Produkt denn als Kunst (wer den Begriff Kunst mit Spitzenleistung assoziiert, mag den Begriff Kultur verwenden).

Nein! Sprecht darüber! Seid stolz auf euer Tun! Jeder Autor, der ein Spiel so lange bearbeitet hat, bis es Anderen Spaß macht, hat ein enormes kreatives Potenzial bewiesen. Darüber kann und soll man sprechen. Die meisten von uns entwickeln Spiele nebenberuflich. Deshalb nehmen uns unsere Mitmenschen meist eher als Bankkaufmann, Zahnärztin oder Elektrotechniker wahr, nicht als Spieleautor. Wenn ich es mir aber zur Angewohnheit mache, in gegebenem Kontext auch über meine Arbeit als Spieleautor zu sprechen, verknüpfe ich diese Tätigkeit mit dem Bild von meiner Person, das andere haben.

Was dann passiert ist rätselhaft, vollkommen unvorhersehbar und manchmal unglaublich. Aber es funktioniert. Wir können uns als Spieleautoren darauf verlassen, dass diese Tätigkeit als einigermaßen besonders in Erinnerung bleibt. Besonderes wird wiederum gerne weitererzählt, und plötzlich erfahre ich von anderen Menschen, die auch etwas in dieser Richtung machen, sich dafür interessieren oder gar Auftragsangebote haben. Diese Maßnahme kostet mich überhaupt nichts außer dem Bewusstsein: Ich bin Spieleautor, darauf darf ich stolz sein und das interessiert auch Andere.

Unterstützen kann ich diese Bemühungen, wenn ich neben meiner normalen Visitenkarte noch eine zweite habe, die mich als Spieleautor präsentiert. Außerdem kann ich auch über das reine Davon-Reden hinausgehen und bei passenden Gelegenheiten auch meine Spiele präsentieren. Ein Zahnarzt könnte sie beispielsweise im Wartezimmer zum Spielen bereitstellen. Auch als Geschenke für Geschäftspartner machen sich Spiele gut. Besonders effektiv ist es natürlich, wenn ich mit Freunden oder Kollegen spiele. Im beruflichen Umfeld findet sich dazu an einem Teamevent oder abends auf einer Fachtagung sicher eine Gelegenheit.

Im zweiten Teil der Mini-Serie verrät Ulrich Blum Tipps für die Pressearbeit und den Umgang mit Journalisten.

Der komplete Artikel erscheint auch in gedruckter Form in dem Buch "Spiele entwickeln 2013", das Interessierte unter spieleautorentagung.de bestellen können.


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