“10.000 Euro sind lediglich eine Anschubfinanzierung”

Foto: Eggertspiele, Molch-Entertainment. Montage: Sebastian Wenzel
Peter Eggert ist der erste Verleger, der ein Spiel über die Crowdfunding-Plattform Spieleschmiede finanziert. Im Interview verrät er, warum er sich dazu entschieden hat und ob er auch in Zukunft Spiele per Crowdfunding finanzieren will.

Sie sind der erste Verleger, der ein Spiel über die Spieleschmiede finanziert. Was versprechen Sie sich davon?
Ich möchte mit dieser Plattform gerne ein Spiel herausbringen, das mir persönlich sehr gut gefällt, für das ich aber nur einen kleinen Markt sehe.

Normalerweise veröffentlichen Verleger Spiele, von denen sie überzeugt sind, auch ohne Vorfinanzierung. Ist Express 01 also ein schlechtes Spiel?
Wenn es ein schlechtes Spiel wäre hätten wir nicht schon soviel Arbeit in Regeln und Grafik gesteckt. Es ist also ein gutes Spiel aber wir haben dafür bisher noch keinen ausländischen Partner gefunden und somit wäre die Produktionsmenge zu gering um es über die bestehenden Vertriebswege wirtschaftlich zu vertreiben.

Die Spielregeln vermitteln einen Eindruck von der Mechanik. Das Spielgefühl lässt sich jedoch über das Internet nicht transportieren. Warum unterstützen Ihrer Meinung nach trotzdem so viele Personen das Spiel, ohne es wirklich zu kennen?
Von dem sehr großen Zuspruch bin ich auch überrascht. Ich denke, es gibt viele „Fans“ von unserem Verlag und von der Spiele-Offensive.de, die uns unterstützen wollen und selbst gerne bei dem ersten Projekt dieser Art dabei sein wollen.

Sie haben in wenigen Tagen über 10.000 Euro gesammelt. Wann wird das Spiel produziert?
Die Spiele gehen erst in Produktion, wenn das Crowdfunding beendet ist. Dann wissen wir, welche Stufe erreicht wurde und welche Belohnungen und Exklusivitäten mitproduziert werden. Nachdem es im letzten Jahr einige Verzögerungen bei der Produktion der Spiele gegeben hat, bin ich nicht sicher, wann die Spiele fertig sein werden – aber sicherlich noch in diesem Jahr und wenn alles gut geht auch noch zu Essen.

In welcher Auflage erscheint Express 01?
Die Höhe der Auflage steht noch nicht fest. Bei dem großen Erfolg des Projektes wird eventuell eine größere Auflage gedruckt als geplant. Am Anfang haben wir mit 1000 Stück gerechnet.

Die benötigten 10.000 Euro für Express 01 waren schnell zusammen. Was, wenn 500 Euro zur Finanzierung gefehlt hätten? Hätten Sie das Spiel trotzdem produziert?
Ich arbeite sehr gerne zielorientiert. Wenn das Ziel 10.000 Euro in 33 Tagen heißt und wir es nicht erreichen, machen wir es auch nicht. Ansonsten bräuchte man so ein Ziel nicht auszugeben. Die 10.000 Euro sind lediglich eine Anschubfinanzierung. Wenn diese nicht zustande kommen, bedeutet das, dass das Spiel für den kleinen Markt nicht interessant genug ist.

Was ist mit allen, die Express 01 nicht bei der Spieleschmiede finanziert haben? Können sie das Spiel trotzdem kaufen?
Wenn das Spiel weiterhin so gut angenommen wird, kann es sein, das es in einer Form ohne die Exklusivteile auf den Markt kommt, das steht aber noch nicht fest.

Wie verhindern Sie, dass Express 01 nach einigen Monaten für deutlich weniger Geld angeboten wird, als es momentan bei der Spieleschmiede kostet?
Im Moment fördern die „Schmiede“ ein Projekt und bekommen dafür etwas Exklusives, was es später nicht mehr geben wird. Wenn wir auch noch ein „normales“ Express produzieren, wird der Preis daher schon nicht vergleichbar sein. Selbst wenn wir uns dazu entscheiden, das Spiel in einer größeren Auflage zu produzieren, wird diese nicht ausreichen, um den Markt zu überschwemmen und die Preise ins Bodenlose fallen zu lassen.

Mit der Spieleschmiede haben Sie Ihr unternehmerisches Risiko minimiert. Veröffentlichen Sie Spiele jetzt nur noch auf diesem Wege?
Mich reizt auf jeden Fall auch immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren und dazu zähle ich auch das Projekt der Spieleschmiede. Für das Express 01 Projekt passte es meiner Meinung nach auch sehr gut, sonst hätten wir es nicht probiert. Wir werden sicherlich die nächsten Projekte wieder so umsetzten wie es die Kunden gewohnt sind. Aber ich kann mir auch vorstellen, so etwas noch mal mit der Spieleschmiede zu machen, wenn es zum Beispiel um komplexe Spiele mit viel Material für zwei Spieler geht. Diesen Markt haben wir bisher noch nicht bedient und besitzen nicht genügend Erfahrung, was sich die Kunden exakt wünschen.

Planen Sie nach diesem Erfolg eine eigene Crowdfunding-Plattform auf die Beine zu stellen, um noch Näher an den potenziellen Käufern Ihrer Spiele zu sein?
Ein klares Nein, ich habe mit der Entwicklung und dem Auslandsgeschäft schon so mehr als genug zu tun und habe deshalb schon vor einiger Zeit den Vertrieb abgegeben. Das sollen Leute machen, die sich besser damit auskennen.

Links rund um das Thema:


Dir gefällt der Artikel? Dann unterstütze uns. Empfiehle den Beitrag Deinen Freunden und klicke auf das Werbebanner. Pro Klick verdienen wir einige Cents. Vielen Dank.

Werbung

Ein Kommentar zu ““10.000 Euro sind lediglich eine Anschubfinanzierung”

  1. Zunächst möchte ich Peter Eggert und dem Autor des Spiels, Jörg von Rüden, zum bereits jetzt erfolgreich finanzierten Projekt gratulieren! Etwas irritiert hat mich nur Peter Eggerts Aussage in dem Interview, die gleichzeitig die Überschrift des Artikels ist: “10.000 Euro sind lediglich eine Anschubfinanzierung”. Dazu möchte ich folgendes anmerken:

    Natürlich kann man – und kann Peter Eggert – hier die klare Vorgabe machen, dass in den Finanzierungsprozess (der Spieleschmiede) nicht “eingegriffen” wird. Dann verstehe ich nur nicht – wenn es denn, wie er selbst sagt “lediglich eine Anschubfinanzierung” sein soll -, dass im Vorfeld für die redaktionelle Arbeit oder auch die Arbeit des Grafikers bereits einiges an Zeit und Geld investiert wurde; und das dann erstmal “verloren” (gewesen) wäre, wenn die Finanzierung über die Spieleschmiede nicht funktioniert hätte?! Gerade bei so einem Pilotprojekt hätte ich mehr Flexibilität erwartet und beim Thema Crowdfunding generell etwas mehr Idealismus. So nach dem Motto: Soundsoviele Schmiede glauben an das Projekt und unterstützen es – und der Verlag glaubt auch daran und investiert noch etwas extra …

    Bei der Crowdfunding-Plattform Startnext hat der Projektinitiator bspw. die Möglichkeit, sein Projekt bis maximal zur Hälfte der Finanzierungssumme zu unterstützen (um das Projekt “in letzter Sekunde” erfolgreich zu finanzieren). Es kann ja durchaus verschiedene Gründe dafür geben, wenn ein Projekt zu scheitern droht: die Plattform ist noch nicht ausreichend bekannt; zu knappe Zeitvorgabe oder falsch kalkuliertes Budget; Zielgruppe nicht (oder zu spät) erreicht etc. Letztlich hat der Projektinitiator einfach die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob er das Projekt für gescheitert erklärt oder eben im Rahmen seiner Möglichkeiten handelt.

    Zweifelsfrei ist es schön zu sehen, dass die Spiele-Offensive so viele treue Kunden hat, die – nomen est omen – dem Projekt “Express 01” zu solch schnellem, durchschlagendem Erfolg verholfen hat (und ein Ende ist ja noch gar nicht abzusehen). Darum auch Glückwunsch an die Spiele-Offensive und ihr Spielernetzwerk! Und um Missverständnissen vorzubeugen: es spricht für Peter Eggert, dass er Prinzipien hat, die er auch dann vertritt, wenn es ein leichtes wäre auf die von Sebastian Wenzel gestellten Fragen (“Was, wenn 500 Euro zur Finanzierung gefehlt hätten? Hätten Sie das Spiel trotzdem produziert?”) nicht so zu antworten wie er es getan hat. Ob seine Antwort aber tatsächlich anders ausgefallen wäre, wenn noch 500 Euro am Ende gefehlt hätten, das bleibt somit Spekulation. Ich vertrete jedenfalls die Ansicht, dass Crowdfunding eine faszinierende Möglichkeit ist, um Projekte zu realisieren (oder einer Realisierung näher zu bringen!), die es sonst vielleicht nie geben würde. Und, dass bei allen wirtschaftlichen Überlegungen vor allem auch der Bauch entscheiden kann (und darf). Und 500 Euro mehr als den geplanten Anschub zu finanzieren (oder eben die Hälfte wie bei Startnext möglich), sollten immerhin eine Überlegung wert sein, oder? 😉

Online-Spiele:

Jenga, Kniffel, Mastermind, Schach, Vier gewinnt und Tangram. Mehr Spiele findest Du auf der Übersichts-Seite.
 
 

Aktion: